Abigails Party

von Mike Leigh

 

 

Salzgebäck und Häppchen -

 eine schreckliche schöne Party

 

   

Vaganten  Bühne

 

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  Die einzige, die der Zuschauer niemals hört und sieht, ist Abigail. Und ihre Party findet im Übrigen im Nachbarhaus statt. Wenn die flügge Tochter gerade nicht in einer Massenfete stecken würde, wäre ihre Mutter niemals auf die Idee gekommen, die Einladung ihrer hyper-ambitionierten Nachbarin und deren gestressten Mannes anzunehmen. Und die Nachbarin hätte vielleicht niemals den netten jungen Mann von nebenan mit seiner unmöglichen Frau zu ihrer Salzstangen-Runde gebeten. Natürlich ist diese Party ein absoluter Flop: Nicht nur, dass die (um nichts sagende Konversation bemühte) Gastgeberin absolut overdressed ist im zarten roten Organzagewand, während ihre weiblichen Gäste im altmodischen Tanzkleid und Heilsarmeelook erscheinen (Kostüme: Olga Lunow); was noch peinlicher wirkt, ist ihr unerträgliches Bemühen, sich als Spitzengastgeberin und Konversationskünstlerin zu profilieren!

Die zahlreichen herzlichen Lacher im Zuschauerraum zeigen, dass dies alles offensichtlich für eine Farce gehalten wird. Kaum jemand kann sich vorstellen, dass hier eine realistische Partygesellschaft gezeigt wird, die sich durch einen mühseligen Abend im bürgerlichen Milieu (Bühne: Tom Presting) mit aufgespießten Worten und Käsehäppchen floskelt und in der ein permanenter Wein- und Bierkonsum die fortschreitende Stimmung mit allen erdenklichen peinlichen Nuancen garantiert. Das Ende ist abrupt und von den Schauspielern selbst erdacht - ein bitterer Ausgang ( Regie Folke Braband)! Die einzige, die wahrscheinlich einen wirklich schönen Abend hatte, war Abigail. Aber die blieb unsichtbar. Sichtbar waren dagegen: superb Eva Mannschott, urkomödiantisch Doris Prilop, schrecklich verschüchtert Konstanze Proebster, absolut bemitleidenswert Rainer Winkelvoss und Guido Hammesfahr. A.C.