Alles Astro

von
Frank-Lorenz Engel

 

 

Den Sternen und der Liebe auf der Spur

 

 

Komödie am Kurfürstendamm

 

Regie: Frank-Lorenz Engel; Ausstattung: Julia Hattstein; Musikalische Einstudierung: Arrangements und am Klavier: Markus Syperek

mit: Klaus Sonnenschien, Edith Hancke, Oliver Dupont, Astrid Kohrs, Sylvia Wintergrün

 
  Als Gegenpol zum pessimistisch ambitionierten, abstrahierenden und sich vom schnöden Gefühlsleben mehr und mehr distanzierenden "großen" Theater, wärmen die beiden Bühnen am Kurfürstendamm nach wie vor Seele und Gemüt und finden bei ihrem Publikum überwiegend Dankbarkeit und für ihr Repertoire die passenden Schauspieler, denen begeisterter Applaus stets sicher ist, bevor sie überhaupt ihr erstes Wort gesagt haben.
Dennoch, es gibt schwache Stücke und gute Vorlagen; es gibt Boulevardreißer und solch kleine Dramen, die nachdenklich stimmen (sollten), und es gibt vor allem jene Stücke, die erst durch die profunde Darstellung ihrer Protagonisten an Stil und Lebendigkeit gewinnen.
Wenn die kleine, zierliche und so überaus liebenswerte Edith Hancke die Bühne wie ihr eigenes Zuhause betritt und ihr zur Seite Ehemann Klaus Sonnenschein, der mit unantastbarer Würde sogar die dümmsten Slapsticks in eine reizende Burleske verwandelt, dann ist es eigentlich ziemlich einerlei, um welchen Inhalt es sich bei diesem abendlichen Vergnügen handelt.
Wichtig ist allemal, und das ehrt die beiden erfahrenen Bühnenhasen, dass ihnen zur Seite gleichwertige Partner stehen, die sich durch die Möglichkeit, ihre Rollen auszuformen entweder einen Namen machen oder ihr Talent bestätigen können. In diesem netten kleinen Abenteuer führen Spaß und Ernsthaftigkeit sowohl in der mystischen Sternzeichendeutung als auch in der realen Sternforschung zu lebhaften Turbulenzen. Dabei geht es um so ausgeflippte Charaktere wie Operndiven und Starreporterinnen im Allgemeinen und im Besonderen; da schillert also, wie alle Damen prächtig anzusehen in eleganter Garderobe, die überdrehte Sopranistin Elisabeth Niederberg-Held, die Sylvia Wintergrün mit sicher gut recherchierten Insider-Kenntnissen überspannt und affektiert karikiert, in aufregenden Farben ihrer persönlichen Lebenskrisen. Und da wirbelt die nicht minder überkandidelte, energische und ziemlich nervende Starreporterin Isabelle Marx, die mit Verve und Hartnäckigkeit an ihr Ziel zu kommen weiß, erst einmal alle Berechnungen kräftig durcheinander. Astrid Kohrs weiß wohl, dass auch eine TV-Sensationsjournalistin um ihren Job mit handfesten Bandagen kämpfen muß und fegt wie ein Tornado über ihre Opfer. Als bei einem Abendessen bei dem berühmten Astronomie-Professor Allaun ihr ohnehin schon geweckter Spürsinn noch von einem eigenartigen Getränk, dass angeblich Liebeskräfte wecken soll, gefährlich beflügelt und erweitert wird, gerät der öffentlichkeitsscheue Professor aus dem seelischen Gleichgewicht: Und mit ihm nicht minder sein junger Kollege und Ehemann der ehrgeizigen Reporterin, Dr. Thomas Marx alias Oliver Dupont (auch als Voodoo-Tänzer außerordentlich talentiert!), der - sicher auch nicht sehr untypisch als Wissenschaftler - mehr am Firmament zuhause ist als bei den schnöden Alltagsfragen, die bei ihm lauten: "Wie gewinne ich die Liebe meiner Frau zurück?

Prof. Allaun und seine Gattin Charlotte haben diesbezüglich wohl auch nach 43jähriger Ehe kein größeres Problem, wenn man einmal davon absieht, dass die reizende Frau Charlotte seit acht Jahren das "Hexenfach" der Horoskopdeutung für ihre einfühlsame Ehe- und Lebensberatung betreibt; eine Leidenschaft, die sie bislang gut vor dem streng wissenschaftlich in Sachen Sternerforschung denkenden Ehemann geheim zu halten verstand. Doch nun hat auch der seine Sorgen angesichts der ihn Tag und Nacht verfolgenden Reporter und da er bei der reinen Wissenschaft keine Hilfe findet, fällt ihm etwas anderes ein... Damit ist das Konzept der Handlungsstränge bestens und nach altbewährter Methode angesetzt, und die amüsante Story kann abrollen.

Mehr ist nicht zu sagen. Das Publikum amüsiert sich prächtig, und die Schauspieler wissen sehr wohl, dass ihr Stärke darin liegt, sicher auf dem Grad zwischen Komödie und Klamauk zu wandeln. A.C.