Alte Freunde

von
Maria Goos

 

 

Jeder lebt und leidet für sich allein

  

Renaissance Theater

Regie:
Dietmar Pflegerl
Bühnenbild:
Werner Hutterli
Kostüme: Ingrid Erb

Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten
Eine Produktion mit dem Stadttheater Klagenfurt

mit:
Boris Aljinovic, Rufus Beck, László I. Kish, Hans-Werner Meyer und  Janina Rudenska

Kurz gesagt:
Zurück bleibt die Frage: was will uns die Autorin mit diesem Schicksals-Allerlei sagen? Und was ist wenigstens die Botschaft des Regisseurs? Vier Männer, vier gescheiterte Existenzen, vier verpfuschte Leben na, prima - und zwischen allem die Kunst als das einzig Wahre, Gute und Kostbare.

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Jupp, Pieter, Marten und Tom sind alte Freunde aus Studententagen, wo sie mancher Ulk und manches Besäufnis einte. Dann verloren sie sich weitgehend aus den Augen, nur hin- und wieder ein kurzes Treffen, ein paar belanglose Worte und weiter ging´s: bei Jupp führte die Karriere steil nach oben bis ins Ministerbüro, Tom wurde Anwalt mit einträglichen Fällen, Marten mauserte sich zum viel beachteten modernen Regisseur, und nur der einstige Kunststudent Pieter blieb auf der Strecke, das heißt im Archiv der städtischen Verwaltung stecken. Bei ihm nun treffen nacheinander die Freunde ein: Zunächst Jupp, leicht lädiert und wutschnaubend nach einem deftigen Ehekrach, Tom immer noch hypermanisch nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie und dem Verlust seiner Anwaltszulassung und Marten, kurz vor seiner neuen Premiere als ein Nervenbündel.
Die Sorgen, die übrigens der Hausherr hat, sind auch nicht von Pappe: er sammelte über viele Jahre hinweg aus dem städtischen Kellerarchiv dort als Plunder gelagerte, wertlose Bilder eines unbekannten Künstlers. Doch der hat nun jäh nach seinem Tode den Markt  erobert und die Begehrlichkeit der Kommune geweckt. Pieter soll die Bilder zurückgeben, was ihm so einige Kopfschmerzen bereitet. Nun sind das vier Männer, vier Probleme, vier Temperamente und vier dramaturgische Ansätze. Dass sie sich nicht ineinander fügen, macht die Holprigkeit des ganzen Spiels aus. Jeder der Vier steht allein mit seinen Sorgen, seiner Geschichte, seinem Egoismus, und eigentlich braucht man Pieter nur als Anlaufstelle und Nachtquartier. Als Schwuler ist er ohnehin ein Exot, und wenn er sich als antriebsschwacher Charakter outet, so glaubt man das gern und quittiert seine Lebensuntüchtigkeit mit einem Schulterzucken - wie auch die Macken der anderen: die sentimentale Überspanntheit des labilen Juristen, die abstoßende Selbstherrlichkeit und Gefühlskälte des Politikers, die eitle Egozentrik und Sexbesessenheit des um seine Potenz bangenden Regisseurs. Jeder stolpert mit der ihm eigenen Blindheit seinem traurigen Schicksal weiterhin entgegen; nichts verändert sich, keine Einsichten und veränderten Ansichten, kein Miteinander, kein Füreinander wie einst in Studententagen geschworen.

Ein vager Ansatz eines Freundschaftsdienstes bahnt sich an, als für Jupp noch die Aussicht auf ein Ministeramt und für Tom die Hoffnung auf einen erfolgreichen Prozess besteht, doch als es brenzlig wird und die Politkarriere bedroht ist, wendet man sich von Pieters Fall ab. Alleingelassen, unfähig, sich in der verworrenen Situation aktiv zu bewegen, steht der arme Kerl nun vor dem totalen Aus. Was er zuvor noch schelmisch als List anwandte, nämlich die Androhung einer Verzweiflungstat, um die Unterschriften seiner Kollegen für eine ordnungsgemäße Schenkung der Kunstwerke zu erhalten, nimmt nun eine bedrohliche Form an...

Zu Beginn des Abends gibt es einige langatmige Szenen und banale Wortwechsel, dann folgen sehr schnelle Abläufe und Spots, und man kann den Ereignissen gar nicht so schnell folgen, wie das Schicksal jetzt seinen Lauf nimmt. Da gibt es noch einige pikante Offenbarungen in der Beziehung zwischen dem Regisseur und der Tochter von Jupp und zwischendurch einen tollen Strip von Janina Rudenska sowie eine hinreißende Imitation der "Blues Brothers". Ansonsten eine lange, langwierige Inszenierung, der straffe Streichungen und ein durchgreifendes dramaturgisches Konzept gut täten. Aber das ist vielleicht auch gar nicht möglich - ist der lockere Text von Maria Goos doch offensichtlich als Gedankenpuzzle konzipiert. A.C.