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Augenlicht von
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Ein spannender Krimi - und ein seelenvolles Drama |
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Spannend bis zum letzten Satz - damit ist Marius von Mayenburg ein psychologisch fein ausgetüfteltes Theaterstück geglückt, das sehr wohl in die Kategorie Psychothriller paßt, ohne sich durch große Effekthascherei zu entwerten. Es ist rundum durchkonstruiert, dramaturgisch hintergründig und schlüssig inszeniert, und zugleich mit feinen, fernen Klängen bereits fort in das Reich der Seele gerückt. Es beginnt mit dem Bühnenbild: einer langen dunklen, massigen Schrankwand, die sich diagonal durch den Raum zieht, der mit einem plüschig schweren Teppichboden bedeckt ist, der jedes Geräusch schluckt. Das Zimmer ist abgedunkelt, denn der Bewohner meidet mit beinahe panischer Reaktion Licht und Lärm. Das spätabendliche Essen muss fortwährend das gleiche sein. Da verwundert man sich, warum die neue Haushilfe Julia die spleenigen Vorschriften des Herrn Walter, der leicht verwahrlost wirkt, jedoch nicht unkultiviert oder unfreundlich, beinahe vorbehaltlos akzeptiert. Einzige mögliche Erklärung: sie braucht den Lohn dringend, nachdem sie selbst ihre Arbeit in einem Schweizer Hotel aufgegeben hat. Julia trägt ein weißes, luftiges Wickelkleid und schmale, strassbesetzte Sandaletten, mit denen sie, um Haltung bemüht, über den Teppichboden stakst. Ein seltsam harter Kontrast zu dem düsteren Ambiente der Wohnung.... Rechts im Raum steht ein schwerer Sessel neben einer Tür, die für Julia strengstens verschlossen bleibt. Denn der Witwer, der das Bild seiner Frau umdreht hat und Julia nur eine Andeutung ihres frühen Todes gibt, lebt ausschließlich in diesem Raum und ebenin einer weltabgewandten Wohnung, die er nur verlässt, um in einer Kiesgrube zu arbeiten... Zwei sehr eigenwillige Persönlichkeiten, die sich da gegenüberstehen, belauern, beäugen, um Wahrung und Sicherung ihrer Geheimnisse bemüht. Denn nicht nur der Mann hütet ein Geheimnis hinter der Tür, die Julia nicht betreten soll. Auch die junge Frau, die heimliche Telefongespräche führt, hat noch einen anderen Grund, dieses seltsame Arbeitsverhältnis nicht zu kündigen. Jule Böwe's Julia bleibt kerzengerade, reserviert, nicht ängstlich, doch vorsichtig und beharrlich; sie zeigt Willensstärke bei aller Schlichtheit, und sie hat Mut, zu sagen, was ihr in den Sinn kommt, wohl wissend, dass sie auf einem Drahtseil balanciert. Nur dann und wann huscht ein leichtes Lächeln über ihr beinahe erstarrtes Gesicht; dieser Mann ist ihr zwar unheimlich, aber es lockt sie auch, durch die Mauer dieses Menschen zu dringen, seine seltsame Zurückgezogenheit, seinen Spleen, jeden Abend das gleiche Gericht zu essen, sowie Geräusche und Helligkeit zu meiden, zu ergründen. Eine phantastische Besetzung! Josef Bierbichler ist, nicht nur seiner Mundart wegen, ein gemütvoller, freundlicher, etwas störrisch wirkender älterer Mann, dem man eigentlich nichts wirklich Unrechtes zutraut, und doch... Er ist ein großartiger Schauspieler des Weglassens, der Sparsamkeit, der eine Aura wirken läßt, die jeder Künstlichkeit Einhalt gebietet. Sein Spiel gestaltet sich aus seiner Persönlichkeit heraus und bedarf keiner weiteren Ausformung! Wenn man jetzt das Spiel von Marina Lubrich als Juli weiter beschreiben und loben würde, wäre das Geheimnis vorzeitig gelüftet. Das darf um der Spannung willen leider nicht geschehen. Aber sie ist großartig in der ihr auf den Leib geschneiderten Rolle! Das letzte Drittel der Geschichte widmet sich der Entschlüsselung dessen, was sich hinter der Tür verbirgt - und hier zeigt sich das eigentliche, ergreifende Drama, das alles ans Licht bringt, was jahrelang im Dunklen lag. A.C.
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