| Außen ROT und innen... |
Kleinkunst im August
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Ein Kurt-Tucholsky-Abend mit Musik von Hanns Eisler u.a. Rezitation und Gesang: Hannelore Hoger, Dietmar Mues, Joachim Kuntsch Am Klavier: Jörg Daniel Heinzmann
Komödie am Kurfürstendamm
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Drei rote Rosen vor
dem schwarz glänzenden Flügel, ein bekanntes Porträt des Journalisten
Kurt Tucholskys an der schwarz ausgeschlagenen Wand, rot bezogene Stühle
und drei denkbar schlecht gekleidete Protagonisten... In der Theaterpause während der Sommermonate besinnt man sich gern auf Poeten, die einiges zu sagen, aber weniges zu spielen haben. Namhafte Schauspieler, bekannt aus Fernsehserien und Filmen - ziehen mit eigenen Inszenierungen durch die Lande und bieten höchst Vergnügliches, zum Teil auch Besinnliches für ein Publikum, dass sich hauptsächlich an den Darstellern und manchmal auch am Text erfreuen möchte. So betrachtet, haben die Ku'damm Bühnen immer ein kleines, kluges Menü für ihr treues Publikum und einige Sommertouristen, die sich nach Berlin verirren und ihrem alten Ku'damm treu geblieben sind, im Programm. Ein Tucholsky-Rezitationsabend verspricht in diesem Sinne sehr viel Vergnügen, aber er bietet durchaus auch ernsthafte Aspekte, die sich nicht nur so sehr auf die politisch schwierige Zeit seines kurzen Lebens beziehen (1880-1935), sondern vor allem auf menschliche, allzumenschliche Betrachtungen und spitze Analysen gesellschaftlicher Verhaltensweisen, die in tiefgründig-satirischen Geschichten, in karikierenden Erzählungen und aufmüpfigen Versen immerhin in einer Taschenbuchausgabe zehn kleingedruckte, äußerst ergiebige Bände verschlingen. Dass dieser Abend sich nun mit ausgepressten Songs daherquält und mit einem gewollt theatralisch hochgepeitschten Vortragsstil zum Teil weit entfernt ist von den feinen, oft auch liebevoll und behutsam gesetzten Nadelstichen des großen Wortmeisters Tucholsky, vermerkt wohl nur der enttäuschte Besucher, der mehr erwartet hat als nur zwei Stunden plätschernd-plaudernde Unterhaltungskost. 25 Kleinstbeiträge sind halt zu wenig, um diesen vielseitigen Künstler und zutiefst einsamen Menschen zu würdigen, dem letztlich sein Intellekt und sein Ruhm nur wenig nützten, als ihn die Nationalsozialisten in die Verbannung jagten, wo er sich, verzweifelt ob der Sinnlosigkeit all seiner demokratisch-sozialistischen Wertvorstellungen und Hoffnungen, das Leben nahm. Wer Kurt Tucholsky wirklich erfassen will, den Menschen, den Poeten, den Kritiker, den Politiker, den Feingeist und Spötter, den Sensiblen und immerfort Mahnenden, der sollte spätestens nach diesem leichten Vorgeschmack zu seinen Büchern greifen. Eines nach dem anderen. Vielleicht wird er dann bei vielen Erzählungen die Stimme Hannelore Hogers wieder erkennen, die eine faszinierende Spannbreite an Interpretationsfähigkeiten besitzt; Obwohl sie zuweilen etwas worttrunken in die Geschichten eintaucht, vermittelt sie doch einen köstlichen Ansatz jenen Geistes, der den Künstler bewogen hat, dem täglichen Leben seine Geschichtchen abzulauschen. Dietmar Mues neigt zu mancherlei Übertreibung, was ihn mehr Kraft kostet als die Pointe eigentlich verlangt. Und Joachim Kuntzsch hat seinen Hans Albers wunderbar im Repertoire, und den Hanns Eisler ebenfalls, nur ist es eben nicht Brecht, den er vorträgt, sondern Tucholsky. Und der ist feiner und leiser, poetischer. Ein Gastspiel, das daran erinnert, wen wir nicht vergessen dürfen! A.C.
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