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Das kunstseidene Mädchen nach dem Roman von Irmgard Keun
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Ein Mädchen wie aus einem Roman |
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Romanbearbeitung
Mit Bettina Lohmeyer Bühnenfassung: Gottfried Greiffenhagen Regie: Joachim Flicker Kostüm: Pia Hausmann Ensemble Irmgard Keun (1905-1982) war Schauspielerin und mit dem Erscheinen ihrer beiden ersten Romane "Gigli" und "Das kunstseidene Mädchen" Anfang der dreißiger Jahre eine erfolgreiche Schriftstellerin. 1933 wurden ihre Bücher beschlagnahmt, drei Jahre später ging sie ins Exil und kehrte 1940 illegal nach Deutschland zurück. Sie lebte nach dem Krieg in Köln und erhielt 1981 den Marieluise-Fleißer-Preis.
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Streng genommen müsste die Geschichte eigentlich das "halbseidene" Mädchen lauten - aber das ist es eben; diese Doris, reizend in ihrer Naivität, sogar entzückend in ihren kriminellen Neigungen, ganz und gar uneigennützig in ihren Beziehungen zu anderen Menschen, Männern vor allem, ist ein ganz seltenes Kunstprodukt. Ganz einfach, so scheint es, strickt sie ihre Gedanken, verwirbelt die Wörter zu neuen Inhalten, setzt andere, tiefer gehende Bedeutungen, schwimmt weit fort von der Oberfläche der alltäglichen Widrigkeiten und taucht in einen See voller Illusionen. Ein Mädchen, so erzählt sie ihrem mit weißen Enten auf schwarzem Einband geschmückten Tagebuch, müsse schon aufpassen, dass es sich nicht erniedrigt, denn der soziale Abstieg gehe rasch, wenn man aus einfachem Hause ist, ohne Bildung und Beruf. Aber Doris wird, von ihren wunderbaren lächelnden Schutzengeln beschützt, nicht abgleiten, weil ihr Herz zu groß ist, ihre Lebenslust so ungebrochen wie ihr Liebesbedürfnis. Sie wird weitersuchen nach dem großen Glanz, der sie eines Tages umstrahlen wird, nach Ruhm und Reichtum und dabei durch die Pfützen der Straßen waten, bis irgendeine mitleidige Seele sie wieder aufnimmt. Und dann wird der Himmel über ihr im schönsten Blau glänzen, die Sonne nur für sie strahlen und die Zukunft voller großer Ereignisse sein... Wer solchermaßen das Leben durchstreift, wird nicht am Müden und Matten hängen bleiben, er wird auch in der traurigsten Realität noch die Schönheit des Scheins erblicken und seine Seele immer wieder von allen Flecken und Flusen entstauben.
Man sollte sich diesen Abend nicht entgehen lassen. Bettina Lohmeyer gibt ihrer Doris kindhaftes Vertrauensseligkeit, Großmut, ein weiteres Herz, Stolz und einen Sinn fürs Praktische, wenn es denn sein muss, weibliche Intuition und den Glauben an eine wunderbare Welt, auch wenn man zuweilen in ihrem Schlamm versinkt. Bisweilen erscheint sie recht ausgekocht, doch ohne die Bösartigkeit des isolierten Verstandes, Letztlich wird ihre entwaffnende Logik immer von ihrem Gefühl bestimmt. Und sie wird - nicht altmodisch wie Hut und Schreibmaschine - aus ihrer Zeit in jede andere gehen. A.C. |