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Der Geizige von
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Geiz ist nicht "geil"
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Regie,
Textfassung: Jan Zimmermann; mit:
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Man sollte den Akteuren und den Besuchern von Herzen einen regenfreien Abend wünschen, damit dieses köstliche uralte Spiel um Habgier und Geiz so funkensprühend über die Bühne gehen (springen!) kann wie bei seiner Premiere. Es ist in jedem Jahr ein schöner Brauch, dass dieses engagierte Schauspiel-Ensemble Wind und Wetter trotzend inmitten der Ferienzeit den Berliner Theaterfreunden und allen auswärtigen Gästen ein amüsantes Spektakel inmitten der Dauerbaustelle am Monbijoupark bietet. Das Hoftheater bleibt seinem Namen treu und erhebt glücklicherweise keinerlei Anspruch auf exklusive Regiemoderne, sondern bedient sich schlicht und einfach (und das ist schon schwer genug) wechselweise der unvergänglichen Lustspiele von Shakespeare und Molierè. Jan Zimmermann bearbeitet die Stücke stets so amüsant, das man meinen könnte, die Commedia dell'Arte sei in voller Pracht und Blüte auferstanden - in den Ruinen! Diesmal also belustigt der "Geizige" als Karikatur des engherzigen, reichen und krankhaft knausrigen Bürgers die Zuschauer mit seinem intriganten Spiel, in dem er Tochter und Sohn ebenso terrorisiert wie sein Personal. Die langgezogene Bühne ist mit schrecklich schäbigem Mobiliar ausgestattet, denn der gierige Monsieur Harpagon hütet seine rote Geldkassette wie der schreckliche Golum ( der dem "Ring" und der bösen Macht restlos verfallene und zum Unwesen verkümmerte Hobbit in Tolkiens "Herr der Ringe" ) - bis in den Wahnsinn wortgetreu! Als er seinen "Schaatz" verloren sieht, heult und wütet Harpagon ( unglaublich Michael Schwager in dieser Rolle!) wie Rumpelstizchen. Isa Mehnert hat ihre Darsteller
passend in toll skurrile Kostüme gesteckt, und die Maske hat allen
herrlich komödiantische Gesichter geschminkt. Harpagon erscheint wie ein
Geist in fahlem Graublau, die Damen wohl rosig und frisch, die Herren
eher clownesk. Auch ihre Kostüme charakterisieren die Figuren
vortrefflich: Der Geizige trägt aschfarben passend zum Gesicht; Madame
Frosine, die Heiratvermittlerin, grelles Pink kombiniert mit verwirrend
grellem Grün; die Herren Valère und La Flèche teils dandyhaftes Schwarz
und undefinierbare Senftöne und die flüggen "Kinder" Elise und Cléante
kurze Kleidchen und Shorts - Tennisschläger und Schaukelpferd sind
Requisite! Und dann ist da noch die Angebetete von Cléante, Mariane,
eine junge Schöne, die der Alte gar zu gerne für sich haben möchte.
Isabell Weißkirchen vermag ihr Gesicht derart fratzenhaft verziehen,
dass nur ein Blinder ihre Abscheu gegen Harpagon nicht zu sehen vermag. Dass die Sprache zwar leider ihres alten Versmaßes enthoben, aber der Text in seiner Bearbeitung nicht weniger schlagkräftig und treffend ist, soll dann doch als Gewinn vermeldet werden. Herzlicher Beifall für diese ewig gültige Mahnung an alle Geizigen dieser Welt mit dem so bitteren Fazit, das Geiz weder charmant noch "geil" ist, sondern einsam macht, unsensibel und unfroh. A.C.
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