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Die Erzählung der Magd Zerline von Hermann Broch
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Eine Kriminalgeschichte aus dem alten Österreich
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mit Ursula Temps Regie: Rainer Behrend Bühne und Kostüme: Olga Lunow |
Eine Kriminalgeschichte aus dem alten Österreich Diese Zerline ist alles andere als eine einfache Magd, vielmehr gleicht die große stolze Gestalt mit der vornehmen Physiognomie und den schmalen feingliedrigen Händen eher jener Baronin, bei der sie als junges Mädchen bereits in Diensten stand, bis sie in den "Besitz" von deren Tochter überging. Nun ist diese Zofe alt geworden, gehört in ihrem beinahe eleganten schwarzen Kleid mit faltenfreier dunkelblauer Schürzte zum verbrauchten, wenn auch gepflegten Inventar der Baronin und ihrer Tochter. Geschwätzig nach Art der alten Leute überschüttet sie den hinter einem Vorhang verborgenen jungen Untermieter (Alexander Schatte) mit Intimitäten aus dem Leben ihrer Herrschaften. Doch während die Dienerin voller Schadenfreude die Liebestollheit ihrer jetzigen jungen Herrin herausschwatzt, offenbart sie nach und nach auch ihre eigene raffinierte Rolle als "Liebesluder". Und nun entrollt sich in Zerlines Erzählung eine geschickt geknüpfte Kriminalgroteske aus dem alten Österreich. Denn ein Don Juan früherer Jahre pflegte nach bewährter Art mit zahlreichen Damen der Gesellschaft innige Beziehungen, so auch mit der Baronin, die mit ihrer Tochter allerdings ein bleibendes Andenken an ihre Eskapaden behalten sollte... Zerline, rasend eifersüchtig sowohl auf den Ehemann der Hausherrin als auch auf deren Liebhaber, spannte ihr diesen geschickt aus. Als dieser des Mordes an einer seiner zahlreichen anderen Geliebten verdächtigt wird, schickt die Magd die Briefe, die die Baronin mit ihm gewechselt hat, als Beweismaterial für beider Verstrickung in den Mord anonym an den Baron, der als Gerichtspräsident eine gesellschaftlich herausragende Rolle und Verantwortung hat. Und während sich die alte Zerline an jene Zeiten erinnert, wird ihr vage deutlich, dass es nicht die kurze leidenschaftliche Beziehung zu jedem treulosen Don Juan und die vage Befriedigung ihrer Rachsucht gewesen sind, die ihrem Leben einen Sinn gegeben haben, sondern ihre ehrfurchtsvolle Liebe zu dem "heiligen" Herrn Baron, der wohl um alles Tun und Treiben der beiden Frauen Bescheid wusste, ihrer aller Ehre aber um den Preis seines Amtes als Gerichtspräsident zu schützen wusste. Kurze Zeit nach dem Freispruch des Verdächtigen nämlich reicht der Baron die Demission ein, und nur wenige Monate später stirbt er. Rainer Behrend hat diese Novelle des Wiener Autors (H. Broch 1886 bis 1951) mit vielen feinen Nuancen spannungsreich inszeniert, und Ursula Temps verleiht ihrer Zerline mit wenigen Gesten, einer gezielt eingesetzten Körpersprache und ihrer wohltönenden Stimme eine starke Ausstrahlung. A.C. |