Die Frau ist von Natur aus frei

von
Lilly Walden

 

 

 

Mannfrau und Fraumann - über die Einheitlichkeit der Geschlechter

 


Eine Hommage an Simone de Beauvoir
 mit Birgitta Altermann

 Theater Wilde Mischung
e-mail: wilde_mischung@gmx.de

In Steglitz: Schwarz`sche Villa 
In Tempelhof: BKA Mehringdamm 34

September 2009

 

 

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  Dies ist vor allem eine Vorstellung für Frauen, für Männer auch, aber nur ein bisschen. Denn in wahrhaft wilder Mischung präsentiert Birgitta Altermann sich und die französische Denkerin und Vorreiterin der Emanzipation, Simone de Beauvoir, mit ganzem - körperlichen und musikalischen - Einsatz. Sie verquickt deren Lieblingslieder singend und spielend (Akkordeon, Klavier, Elektro-Rap), die natürlich allesamt von der Freiheit der Frau und der Liebe zwischen und unter den Geschlechtern handeln, mit skurrilen Einfällen wie einer mit   wunderbarer Bassstimme vorgetragenen Literaturwürdigung des berühmten Marcel Reich-Ranicki, welcher, alles was recht ist, der Beauvoir - wenn auch vielleicht wider Willen - absolute intellektuelle Brillanz und logische Konsequenz bescheinigen muss! Das ist eine glaubwürdige und witzige Persiflage.

Was aber vielleicht ausbaufähig wäre, und noch leider nur im Ansatz angeboten wird, ist der "Hausfrauendialog" , Gespräche zwischen einer Hausbewohnerin und der Concièrge, der Frau Altermann ein wenig mehr Farbigkeit durch sächsische Mundart verleiht als das Niveau der Unterhaltung eigentlich hergibt. Dabei wäre dieser Tratsch im Treppenhaus über die Mitbewohnerin Beauvoir genau der Punkt, der die langjährige Freundin des Philosophen Jean Paul Sartre hoch erfreut hätte: die auch unter Frauen weit verbreitete Verständnislosigkeit für eine Frau, die um die Anerkennung der Gleichwertigkeit der Geschlechter kämpft und zugleich gegen die Uneinsichtigkeit oder Blindheit der Frauen, die weder die geistige Revolte der Feministinnen noch deren reale Konsequenzen (Verweigerung der ihnen auferlegten Rollen Hausfrau, Familienfürsorgerin, Mutter)  begreifen können und noch akzeptieren wollen.

Im Mittelpunkt dieses kurzweiligen Abends steht das vom Vatikan auf den Index verbannte, und daher weltweit berühmte Werk der französischen Philosophin "Das andere Geschlecht" und deren Kampfansage: Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es! Um diesen Satz kreiseln alle Einfälle, von Lilly Walden getextet und von Birgitta Altermann in Musik und Spiel umgesetzt. Mit wilder Mähne, im dunklen Hosenanzug noch schlanker und schwarzer Brillenumrandung noch intellektueller, präsentiert die vielseitige Entertainerin die Bilanz ihrer Beschäftigung mit den Gedanken der Beauvoir mit Witz und Charme. Einhundert Jahre wäre Simone de Beauvoir heute alt, sie starb 1986, aber ihr Erbe ist sicher nicht nur bei den Frauen präsent, hat es doch für die gesamte emanzipatorische Entwicklung bahnbrechende Veränderungen bewirkt - und zwar weit über die Grenzen Europas hinaus!

  Doch Vorsicht ist geboten, bei aller Euphorie und aller Gleichstimmigkeit! Was und wieviel und, vor allem, in welchen Bereichen hat sich wirklich Grundlegendes geändert?  Noch immer fahren die Frauen ihre Rechte auf einer Schmalspur ein, kämpfen gegen Konventionen, Macht und Gewalttätigkeit, Unterdrückung und Mißachtung ihrer Rechte und Würde. In Ländern und Kulturen, in denen Traditionen und Machtgefüge in Gefahr geraten, zu wanken oder aufgehoben zu werden, sind es leider auch die Geschlechtsgenossinnen, die ihre vermeintlichen Privilegien mit bitterer Härte verteidigen; Und überall noch immer fühlen sich Männer als das starke, führende, alles wissende, denkende und beherrschende Subjekt, beurteilen die Fähigkeiten der Frauen aus gönnerhafter Höhe von oben herab, verteilen Eigenschaften wie  intellektuelle Stärke und Sensibilität natürlich auf Männer und auf Frauen in dieser Reihenfolge, loben und tadeln Erfolge und Verhalten der Frauen! Solche Gedanken allerdings werden hier ausgespart.

Die Frau sei von Natur aus frei - meinen Simone de Beauvoir und Birgitta Altermann und vielleicht auch zwei Drittel der Frauen, die diesen Abend bejubeln, den die Künstlerin vital und einfallsreich gestaltet. Aber der ganz große Durchbruch, wie in ihren vorherigen Inszenierungen -  etwa der glänzenden Präsentation der in die Ecke der Geschichte gedrückten bedeutenden Komponistinnen und Dichterinnen - ist ihr in dieser Version noch nicht gelungen, vielleicht weil, wie Frau Altermann resümiert, eine so ernsthafte und nicht dem Humor zugeneigte Philosophin nur schwer kabarettistisch zu fassen ist. Wohl wahr. A.C.

 Als kurzweilige Satire zu diesem Thema der sogenannten Unterschiede zwischen den Geschlechtern empfiehlt sich auch der "Caveman" - Rollenverteilung aufgespießt -, die man von Zeit zu Zeit in der Arena sehen kann kann.