Die Grönholm-Methode (2007)

von
Jordi Galceran

aus dem Spanischen von Stefanie Gerhold

 

Psychostrategie um

einen Managerjob

 

   

Komödie am Kurfürstendamm

 

Regie: Folke Braband

Ausstattung: Stephan Dietrich

mit: Markus Majowski

Nicola Random, Kai Maertens, NIcki von Tempelhoff

 

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Eine glückliche Hand zeigt der Haus-Regisseur der Berliner Privatbühnen, Folke Braband, sowohl in der Wahl dieses Stückes als auch in seiner spannenden Inszenierung, die uns auf allerlei kriminalistische Spuren mit überraschenden Psychoeffekten führt und zu einem harten brainstorming a la  Sherlock-Holmes verführt. Es ist in jedem Fall ein vergnügliches, aber auch ein nachdenklich stimmendes Spiel, in dem sich hier vier Bewerber um den Direktorenposten eines gigantischen Unternehmens in dessen Konferenzraum einen erbitterten Endkampf liefern.

Der spanische Autor, Jahrgang 1964, gehört zu den viel beachteten und ausgezeichneten jungen Dramatikern seines Landes und hat sich mit dieser humorvoll gewürzten, aber im Grunde harten Kritik an den unfeinen Methoden und herabsetzenden Auswahlkriterien in den Topetagen von Industrie und Wirtschaft nun auch im europäischen Bühnenraum bekannt gemacht.

Die vier Bewerber treffen in der Endrunde jäh und unvermittelt aufeinander und streichen nervös durch den beinahe leeren Raum - auf dem Konferenztisch stehen nur vier Wassergläser, - es wird also niemand aus der Firma anwesend sein... und die Wände sind hochgetäfelt bis auf eine Lichtleiste in der oberen Region. Eingeschlossen wie bei Sartre; die Bedingungen in diesem Auswahlverfahren sind hart: wer den Raum verlässt, gibt auf; Außerdem: Einer der vier ist ein Falschspieler, er gehört zum Leitungsteam des Unternehmens, aber er gibt sich nur ansatzweise zu erkennen. Und: Dann und wann öffnet sich eine Schublade von unsichtbarer Hand und verteilt an die einzelnen Bewerber verschiedene Aufgaben, in denen sie aufgefordert werden, ihre Lebensgeschichte zu offenbaren, ihr Innerstes, ihre geheime und gut verborgene Privatsphäre darzulegen. Das führt zu peinlichen, traurigen, ja erschütternden Ergebnissen und verzweifelten Entschlüssen. Wer wird zurückbleiben, wer wird die harten Prüfungen überstehen - der elegante, souveräne Professor Petzold oder seine energische, einfühlsame einstige Schülerin und Geliebte Fiona, die sich hier zufällig um denselben Posten beworben haben? Oder wird der kleine joviale, geschwätzig nervende Herr Möhrle die Endrunde erreichen; ganz sicher doch wohl nicht der ätzende, unsensible, ordinäre Jungmanagertyp Weigand, der brutal zuschlägt, wo immer es möglich ist.

Und dann bleibt tatsächlich einer übrig - hat er gewonnen oder letztlich doch verloren? Für die vier Darsteller dieses brisanten Themas eine reizvolle Aufgabe, in verschiedenen Charakterstudien zu überzeugen, und es ist eine Freude, das Spiel im Spiel zu verfolgen. Es bleibt spannend bis zum letzten Augenblick. Und es bleibt hernach eine Menge Gesprächsstoff, denn was an gesellschaftlichen und individuellen Konflikten und Schicksalen angerissen wird, fordert zu   tiefgreifenden Überlegungen auf, und verlangt, Vorurteile und Urteile zu überdenken, um das Gleichgewicht der Welt neu einzustellen! A.C.