Diener zweier Herren

von
Carlo Goldoni

 

 

 

Sommerprogramm im Hexelkessel

    

Hexenkessel Hoftheater

Berlin Mitte

Wirt, Pandolfo, Träger - Thomas Kornmann

Clarice, Florindo - Roger Jahnke

Beatrice, Smeraldina - Ina Gercke

Truffaldino, Silvio - Carsta Zimmermann

 

Regie, Fassung - Jan Zimmermann

Bühne  - David Regehr

Kostüme - Isa Mehnert

Musik - Mila Morenè

Requisite - Requisine

Licht - Didi Abrotat

Technische Leitung - Matthias Schäfer

Künstlerische Produktionsleitung - Roger Jahnke

Gesamtleitung, Produktion - Christian Schulz, David Regehr

 

  

Zurück

 

Das Hexenkesselhoftheater hat die Open-Air-Theatersaison wieder eröffnet. Dieses Jahr widmen sich die Veranstalter nicht nur Shakespeare, sondern nehmen auch Molière und Goldoni in ihr Programm auf. Mit einem Klassiker von Goldoni hat das Ensemble einen furiosen Auftakt vollbracht, der in einem angenehmen Gegensatz zum gängigen gedankenschweren akademischen Literaturtheater steht.
Ursprünglich sollte Goldonis "Der Diener zweier Herren" vor dem Portal des Bodemuseums stattfinden. Doch da dieses leider nicht fertig wurde, hat die Theatercompagnie innerhalb einer Woche ein wunderschön stimmiges Bühnenbild gezaubert. Vor und hinter dem Podest befinden sich imaginäre Kanäle Venedigs, in dem der Gondolieri immer wieder die Figuren des Stückes heranschifft. Rechts und Links des Bühnenraumes finden sich an Renaissance erinnernde bemalte Leinwände, die in Verbindung mit der Lautenmusik das Publikum einfach aber wirkungsvoll auf das beginnende italienische Spektakel einstimmen.

Im Mittelpunkt des Klassikers steht der so anarchische wie chaotische Widerstand des Truffaldino gegen die hierarchischen Strukturen eines mitleidfreien Umfeldes. Sein chronischer Kampf ums nackte Überleben, um seine Würde und sein Recht, schlicht da zu sein, gestaltet Goldoni zum Mitheulen komisch. Auch Beatrice zeigt Courage, wenn sie, eine vom Geld beherrschte Männerwelt tollkühn parodierend, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen wagt. Doch selbst als sie ihrem Geliebten damit den Hals rettet, geht diesem ihre Travestie am Ende zu weit, so dass sie mit ihrer Verkleidung auch ihre männlichen Freiheiten wieder aufgeben muss. Jan Zimmermann, der Regie führte, hat das Stück behutsam modernisiert und mit den Schauspielern Ina Gercke, Roger Jahnke, Thomas Kornmann und Carsta Zimmermann eine wundervoll schwungvolle Inszenierung geschaffen. Da wird, ganz im Sinne der Commedia dell'arte geschrien, geklagt, gesäuselt, gelobt, gejammert und improvisiert. Durch das spannende und abwechslungsreiche Spiel der Darsteller kommt der Zuschauer gar nicht zu Atem. Man braucht eine Weile, bis man realisiert, dass dort wirklich nur vier Schauspieler agieren und wer welche Person spielt, so unterschiedlich sind die auftretenden Figuren. Ein wenig störend fallen leider auch in der modernisierten Fassung die teilweise doch schwer verständlichen lateinischen Textpassagen auf. Schauspielerisch hervorzuheben ist Carsta Zimmermann, die als Truffaldino mit höchsten Seelenqualen und unter Aufbietung aller Kräfte die eiserne Brotreserve opfert, um einen Brief wieder zu verschließen. Genauso grandios ist Ina Gerckes lispelnde und kokette Smeraldina.
Bei diesem sommerlichen Wetter ist ein Besuch im Monbijoupark mit seinem künstlich aufgepeppten Strandcafe nur wärmstens zu empfehlen, denn in dieser Inszenierung wird geboten, was Theater für viele Freunde in aller erster Linie bieten sollte: Unterhaltung.  Matthias Herbig