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Ein Klotz am Bein von
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Von der Schwierigkeit, komisch zu sein |
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Regie: Thomas
Schulte-Michels mit: Aylin Esener, Dagmar Manzel, Barbara Schnitzler, Simone von Zglinicki, Peter Beck, Robert Gallinowsi, Michael Gerber, Dieter Mann, Peter Pagel, Michael Prelle, Bernd Stempel |
Nichts ist schwerer, als einen guten Schwank stilgerecht zu inszenieren. Wie jedermann weiß, steckt in einer tiefsinnigen Komödie auch stets ein großes tragisches Moment. Gerade der Hauptdarsteller, der oft tölpelhaft und tumb oder naiv und weltfremd in sein Unglück stolpert, ist nicht nur eine komische, sondern zumeist auch eine einsame und tragische Figur. Dabei hält sich unser Mitleid mit ihm meistens in Grenzen. ( In reizend aufgemischter Ferienform in jedem Sommer zu sehen im „Hexenkessel Hoftheater“ an der Spree) Oft gelingt es dem Regisseur und seinen Darstellern nur knapp die Balance zu halten zwischen Klamauk und Farce, zwischen derber Boulevardkomik und sensibler Humoreske. Vor vielen Jahren konnte man sich am Renaissance Theater an einem Feydeau-Schwank seine wahre Freude haben, wobei das Sujet natürlich auch äußerst erfolgversprechend war: Theater hinter dem Theater, Bühnenkabale und Liebeszwist, dass es nur so kracht - dazu eine Truppe flinker Schauspieler, die ihren Spaß daran hatte, in atemberaubenden Tempo (und trotzdem klar verständlich) zwischen Hinter- und Vorderbühne hin- und herzuflitzen und das totale Chaos mit komischer Verzweiflung zu bewältigen! Natürlich trug seinerzeit Ralf Wolter als komödiantisches Naturtalent erheblich zum Erfolg bei. Jetzt hat auch das Deutsche Theater mit "Ein KLotz am Bein" bei jeder Vorstellung ein volles Haus. Erstaunlich, denn worüber man am meisten lacht, hat gar nichts mit dem tiefsinnig-komischen Inhalt zu tun, sondern es sind die Slapsticks, die amüsieren: Wenn beispielsweise der armselige Dichter (und Prügelknabe der feinen Gesellschaft) in langer Unterwäsche dasteht (Bernd Stempel ist nicht nur in dieser Szene umwerfend gut!) oder wenn der Beau Ferdinand, der keiner ist, ebenfalls im Schießerchic, sich der ständigen ungebeten Besucher zu erwehren versucht. Robert Gallinowski spielt diesen lebenslustigen Ferdinand, der zwar die attraktive Chansonette Lucette heftig liebt, aber leider aus Geldknappheit die reiche Viviane zu ehelichen gedenkt, mit großer Ernsthaftigkeit. Seine groteske Verlobte (Aylin Esener) steht zunächst als Sprüche klopfende Popikone auf einem Podest, von dem aus sie ihre Meinung über Männer verkündet: Die meisten Ehen seien ja ohnehin langweilig, da sei es eigentlich auch egal, wen man heirate. Das wirkt nicht witzig,, sondern ist bitter und bissig direkt hinein geschmettert in das Herz einer degenerierten Gesellschaft, die sich möglichst heftig und ungeniert amüsieren möchte. Die bleiche Frau Mama (Barbara Schnitzler) - Schreckgespenst eines jeden Junggesellen und erst recht eines Mannes, der ihre Tochter eigentlich nur wegen ihres Vermögens wegen heiraten will - möchte ob solcher Reden gerne in Ohnmacht fallen - wie es sich gehört. Die verlassene Geliebte Lucette wird von Dagmar Manzel gespielt - was hätte sie aus dieser Rolle machen können! Aber nur verliebte Furie, nur Karikatur einer nicht mehr ganz so jungen Schauspielerin, die wohl weiß, dass sie sich ihre Liebhaber nicht mehr gar so frei aussuchen kann, das ist zu wenig. Dieser Rolle hätte mehr Differenzierung wohl gut getan. Denn "ihr" Ferdinand ist keine Karikatur, sondern ein durchaus real Gehetzter, der durch Türen springt und sich in Schränken verbirgt, um sich aus der vertrackten Situation zu retten: Droht doch seine dringend erforderliche Verlobung zu platzen, wenn die zu allem Entschlossene, eifersüchtige Geliebte davon erfährt! Sie ist ein wahrer Klotz am Bein, der sich nicht abschütteln läßt... Ein sich immer mehr verknotendes dramaturgisches Band, das niemand mehr entwirren kann. Doch eine Person steht in diesem Spiel, die ist rundum gelungen: das ist Dieter Mann als verliebter, südamerikanischer General, ein Urviech, ein Mann von einem Mann, ehemals Kriegsminister seines Landes, jetzt muß er selbst um seinen Kopf fürchten. Denn als Exemplar einer zum Aussterben begriffenen Spezies, hat er das Geld für die Waffen, die er im Ausland einkaufen sollte, kurzerhand im Casino verspielt und den Rest in kostbare Preziosen investiert, die er Lucette in anonymen Blumenbuketts verehrt. Stolz und aufrecht mit herzlich komischer Sprachholperei ( wie muss das erst im französischen Orignalttext klingen!) und allerlei galanten Versprechern wirbt er unverdrossen um Lucette wie ein edler Grande, während er die Nebenbuhler zwar nur rhetorisch, aber sehr wirkungsvoll im Duell auszuschalten verspricht. Wie hübsch Feydeau als Franzose mit den Ausländern spielt! Wie er überhaupt so vieles mit dem Florett aufzuspießen versteht - nur leider versteht man bei sehr schnellem Sprechgewusel zu wenig davon. Alle anderen sind doch mehr traurige Gestalten: Wo Anmut und Noblesse zur fein gezeichneten Karikatur gereichen sollten, herrscht platte Darstellung; gern wälzt und wuselt man in Unterwäsche herum - undenkbar auf einer französischen Bühne und sei sie auch noch so vorstädtisch; und wo der Charme der Schönen ihre Verehrer reihenweise in die Warteschleife zieht, geht man hier nach Berliner Art recht derb mit den harmlosen Bewerbern um. Aber da auch bei denen nur wenig Esprit vorhanden ist, sondern sie sich durch harte deutsche Zielstrebigkeit und flinkes Voranschreiten auszeichnen, kann sie letztlich auch niemand düpieren. Und wo eine Offenlegung der verletzten gesellschaftlichen Vorschriften (es alles erlaubt, man darf sich nur nicht erwischen lassen) droht, fällt einfach der Vorhang, oder das Licht geht aus. Und doch, nach Art des Autors, finden sich am Schluß die Paare wohlfeil zusammen und nur Bouzin, für Bernd Stempel eine Paraderolle als hoffnungslos untalentierter und naiver Komponist, ist der Dumme. So ist das im Leben (manchmal) und bei Feydeau (meistens), und man dürfte darüber herzlich lachen, wenn der Humor auf der Bühne nicht so eine schwierige Sache wäre! A.C.
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