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Gefährliche Liebschaften von Christopher Hampton nach dem gleichnamigen Roman von Pierre Ambroise
Francois Choderlos de Laclos
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Der Teufel und sein Weib |
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Aus dem Englischen von Alissa und Martin Walser Regie: Folke Braband Ausstattung: Stephan Dietrich mit: Christian Fischer: Vicomte de Valmont; Vera Teltz : Marquise de Merteuil ; Esthter Linkenbach : Präsidentin de Tourvel ; Julia Philippi : Cecile de Volanges ; Nela Bartsch : Madame de Volanges ; Florian Tabor : Chevalier Danceny ; Brigitte Rötttgers : Madame de Rosemonde; Emile/Adele: Adriana Miskovicova; Benjamin Knight: Der Majordomus |
Heinrich Mann nannte ihn "schlimme Liebschaften", diesen höchst verstörenden Briefroman des Choderlos de Laclos. Man könnte diese teuflischen Intrigen, die sich ein in die Jahre geratener Don Juan und eine zur Kokotte verkommene Dame der französischen Gesellschaft des ancient regime da ausgedacht haben, auch noch mit härteren Adjektiven umschreiben, denn - diese bösen Spiele aus Langeweile und sich selbst zerstörenden Leidenschaften sind so unglaublich und wohl doch auch so wahrscheinlich, dass es nicht weiter verwundert, wenn diese Gesellschaft sich eines Tages aufgefordert sah, ihre fein gepuderten Köpfe und Perücken unter die Guillotine zu legen ... Der Untertitel des Stücks verrät, dass der Autor dieses Romans wohl doch zur moralischen Verbesserung der Menschen seiner Zeit beitragen wollte: "Briefe gesammelt in einer Gesellschaft und veröffentlicht zur Unterweisung einiger anderer..." Dazu benützt er allerdings zwei moralisch absolut verkommene Menschen, die einander lieben und bekämpfen, jedoch in ihrer bosärtigen, lasterhaften Phantasie höchst kunstvoll ergänzen: Da ist die Marquise de Merteuil (Vera Teltz), eine hochmütige und hinterhältige Kupplerin, die den unheilbaren Schmerz ihrer eigenen Erniedrigung jedoch kaum zu verbergen vermag; er ist wohl die eigentliche Motivation ihrer infamen Intrigen. Sie stachelt ihren ehemaligen Liebhaber, den Vicomte de Valmont, zu immer neuen Don Juan-Spielen an, indem sie seinen zweifelhaften Ehrgeiz auf dem Gebiet der Verführungskunst in Frage stellt, aber auch zugleich ihre eigenen Rachegelüste zu befriedigen sucht. Christian Fischer spielt diesen knallharten Draufgänger in Sachen Liebe, der aber als wahrhaft Sex-Süchtiger echte Gefühle bisher meisterhaft zu vermeiden verstand. Opfer ihrer höllischen Intrigen sind die blutjunge unschuldige Klosterschülerin Cecile (Julia Philippi ist ein entzückend naiv-erotisches Geschöpf) und die tugendhafte, jung verheiratete Madame de Tourvel (Wie Esther Linkenbach nach und nach die Kontrolle über Körper und Verstand verliert und dieser unheilvollen Leidenschaft verfällt, ist atemberaubend). Dann sind da noch die Tante des eroberungswütigen Vicomte, von Brigitte Röttgers gleichsam würdevoll und lebenserfahren, doch auch unnahbar wie aus einem Lorca-Stück gespielt. Madame de Volange, die Mutter der kleinen Cecile, schließlich ist leider nicht wachsam genug, und man meint zu erkennen, dass die Naivität ihrer Tochter nicht allein aus der klösterlichen Erziehung herrührt. Für den jungen Chevalier (Florian Tabor) beginnt eine rechte Leidenstortour, als man ihn listenreich von seiner Cecile entfernt, und er zum verhöhnten Spielball der Marquise und des Vicomte wird. Das alles ist nun ein spannendes, ergreifendes Spiel, zumal alles hervorragend aufeinandner abgestimmt ist: Da gibt es ein elegant-dezentes Bühnenbild, das den Glanz jener höfischen Gesellschaft hervorragend widerspiegelt; da gibt es wahrhaft fürstliche Roben und bleich gepuderte Gesichter, sowie Perücken, die ans Absurde grenzen und weiße Gliedmaßen, die niemals harte Arbeit kannten. Da gibt es eine Sprachkultur, die leider auf unseren Bühnen selten geworden ist, und da gibt es eine durchaus stimmige Regie, die einen raschen Handlungsablauf sicher führt. Aber, da gibt es auch eine (nach der erfolgreichen Aufführung der Royal Company) ausgezeichnete Verfilmung, für die Hampton 1989 selbst das Drehbuch schrieb und die mit Glenn Glose als der erotischten Hexe aller Zeiten und mit Andrea Muti als der großen Leidenden und Liebenden beispielhaft für dieses Genre bleibt. Somit heimste bereits Hampton den Oscar ein und setzte einen unwiderruflichen Maßstab, mit dem sich die Tribüne allerdings gut messen kann. A.C. |