Infinita

von 
Familie FLÖZ

 


Der Tod muss nicht das Ende sein...

eine wunderbare Hommage an das Leben

 

   

Admiralspalast

Ein Spiel mit Masken und Musik um Anfang und Ende

von und mit:
Benjamin Reber, Björn Leese, Hajo Schüler und Michael Vogel

 

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  "Da hab ich ein Leben lang Angst vor dem Sterben - und jetzt das!" Ein genialer Einfall, dieses Apercu des großen Komikers Karl Valentin als Motto für eine Inszenierung zu nehmen, die - wie stets bei diesem Theater - eine zauberhafte Mischung aus köstlichem Spaß und tiefgründiger Traurigkeit ist. Zwischen dem Anfang und dem Ende unseres irdischen Daseins steht diese letztlich alles und allumfassende Geschichte unseres Lebens. Mit ihren bewährten Mitteln - sprechenden Masken mit ausgeprägten Physiognomien, musikalischen Einspielungen, tänzerischer und grotesker Akrobatik und einer unübertroffener Körpersprache  - haben die Darsteller ein herzergreifendes Drama erschaffen. Als zusätzliche stilistische Erweiterung der auf die notwendigsten Requisiten beschränkten Bühne (klappbare Schrankwände) bewegen sich Figuren im Schattenriss über die Leinwand; und da es diesmal um das Lebensende geht, beginnt die Aufführung mit den dumpfen Schlägen der Kirchenglocke; ein Totengräber schaufelt das Grab, und die Trauergäste wandern mit hängenden Schultern und gesenkten Köpfen über den schier endlosen, in trübes Novemberlicht getauchten Friedhof. Aber es müßte nicht die Firma FLÖZ sein, die hier mit Karl Valentin augenzwinkernd selbst dem Sensemann beikommt; so schäkert ein kleiner hutzeliger Mann mit dem Knirps, der vor ihm auf dem Arm seiner Mutter eine muntere Abwechslung erheischt, und der in glücklicher Kindheit noch nichts vom Tod weiß. 

 Es ist, wie stets, alles stimmig, jede Bewegung und jede Geste sind dem wahren Verhalten abgeschaut, und wenn im Kontrast zu den skurrilen alten Männern im Pflegeheim der Anfang unseres Lebens auf wackligen Babybeinen im überdimensionalen Laufställchen vorgeführt wird, dann ist das Entzücken im Publikum groß; und die Tränen, die angesichts des siechen Musikers im Rollstuhl, der von seiner altersgebeugten Frau nun in das Pflegeheim gebracht wird und sich dort am Klavier mit traurigen Melodien seinen letzten Erinnerungen hingeben kann, flossen, sind rasch gebannt...
Während die Vergangenheit dieses Paares sich im weißen Schattenbildern auf der Leinwand abspielt, schlüpfen die Darsteller in neue Rollen, wechseln zwischen Krankenschwester, Patient, alten Männern und raufenden Kindern, tauschen Masken und Kleidung: Als Kleinkinder sammeln sie die ersten Erfahrungen mit der Schwerkraft, nehmen unsicher den Kampf mit dem aufrechten Gang auf, fechten erste Raufereien und Machtkämpfe aus, und schielen neugierig auf das andere Geschlecht, das sie jäh entdecken, bis sie die große Liebe finden... Dann schlurfen sie wieder als alte Männer gebeugt von Bett zu Bank, gierig auf ihre Pillen, gleichermaßen erpicht darauf, die Schwester zu ärgern und ihre nicht immer angenehmen Eigenarten auszuleben. Eigentlich hat sich doch so viel gar nicht geändert zwischen diesen Zeiten oder? Doch, eines ganz gewiss: denn sie haben die Musik entdeckt, neu entdeckt, die sie verzaubert, verwandelt, alte Träume weckt und neuen Schwung in die morschen Knochen bringt.

Bis sie dann eines Tages der Tod holt.   "... und jetzt das", resümierte Valentin, und die FLÖZ-Akrobaten haben sich auch dazu eine erheiternde Szene einfallen lassen. Denn das Leben nach dem Tod, so lautet ihre konsequente Botschaft, hält vielleicht doch noch einige interessante Variationen für uns bereit, und so müßte es eigentlich gar nicht so traurig enden. A.C.