Klasse Klasse 

 von
Michael Vogel (Familie Flöz) und Ensemble

 

 

 Rituale im Schulalltag mit Masken und Beatboxen

 


Theater Strahl

Masken-Beatbox-Theater ab 12 Jahren

Regie und Masken: Michael Vogel; künstlerische Mitarbeit: Stefan Lochau; Bühne:   Michael Ottopal; Kostüme: Elise R. Weide; Video, Animation: Andreas Dihm; Illustration OL, Musik: Daniel Mandolini (Mando).

Schauspieler hinter den Masken: : Dirk Böhme, Anne-Rebekka Düsterhöft, Christian Giese, Janne Gregor, Alfred Hartung, Susanne Plassmann, Benjamin Reber, Dana Schmidt, Wolfgang Stüßel

 

 
Das knallt und schallt und schlurft und schnurzt, klappert und rasselt, platscht und klatscht, die Zuschauer sind schon erst einmal rundweg  begeistert: Daniel Mandolini, deutscher Meister im Beatboxen, der mit Tönen, Kehlkopf und Mikro alle denkbaren Geräusche fabriziert, sie in tolle Rhythmen presst und das Ganze dann noch haarscharf auf die Bewegungen der Schauspieler und den Ablauf des Spiels einstellt, um einen enormen drive zu erzielen, ist ein wahrer Künstler.  Wangen-, Kiefer- und Halsmuskulatur sind seine Instrumentarien - sieht man von seiner Gitarre einmal ab, die er dann und wann zusätzlich einsetzt - mit denen er die Geräusche in einer Schulklasse imitiert: laute und leise Schritte, zuschlagende Türen, Streit, Stimmengewirr, Schläge, Putz- und Tafelquietschen und ja, natürlich auch sanftes Herzflimmern.
Das alles und noch viel mehr nämlich findet so im Alltag eines harten Schüler- und eines nicht minder anstrengenden Lehrerlebens statt, und wer hätte mehr Freude an dieser blanken Spiegelei als die Darsteller, die sich hinter großen sprechenden Masken mit entsprechenden Haarschöpfen verstecken, und durch die Gegend purzeln, stolpern, tänzeln, schreiten und kaspern. Da diese Herrschaften schon etwas älter sind, sagen wir einmal, so in der pubertären Anarchie, rauft man natürlich nicht mehr ganz so offen wie ein Erstklässler. Die Mittel sind verdeckter, vielleicht auch gemeiner, unterschwellig verletzender, aber die alte Rangordnung ist geblieben: die Kluge, von der alle abschreiben wollen, aber die keiner liebt, der kleine, unbedeutende Hanswurst-Wicht, den alle hänseln, der Superdenker, der alles weiß und doch keinen Freund hat, die Schöne, die nur sich selber liebt, die kleine Dicke, die nur die Butterbrote wirklich toll findet, der Grufti, der so martialisch wirkt und doch so abgrundtief sentimental im Grunde seines Vampirherzens ist, der absolut coole Typ, den nur der Fußball aus dem Schlaf reißt und der große Zampano, der so gern sein Herz verschenken möchte.

Aber sie alle haben so einiges gemeinsam, wie beispielsweise ihr Lieblingsspiel: wie bringe ich meine Lehrer zur Strecke. Sie schaffen sie alle. Aber in der heutigen Zeit wissen sich auch die Lehrer zu wehren... sollte man meinen, (Aber dann werden sie, in der Realität, sehr bald von den Eltern angezeigt, die in ihren lieben Kleinen die reinsten Unschuldsengel sehen.)

Also alles in allem: vergnüglich, drastisch und besinnlich, ein Spiel von und mit Persönlichkeiten  - wie im richten Schul-Leben. Ein Maskenfest von ganz besonderer Art; wer die Gruppe Flöz in ihren anderen Stücken schon erlebt hat, weiß, wie faszinierend ihr stummes Spiel ist, das sich allein aus der Körpersprache heraus entwickelt und so beredt wirkt wie es tausend Worte nicht vermögen; denn diese Sprache ist absolut ehrlich in ihren Gefühlen und läßt keinen Zweifel an der wahren Persönlichkeit, die sich in ihr und hinter ihr verbirgt. Gerade in ihrer grotesken karikierenden Ausformung vermag die Maske etwas Unbeschreibliches und Unbegreifliches: sie offenbart die Persönlichkeit des Menschen, sie spricht das Unaussprechliche aus, weckt unsere Phantasien und öffnet zugleich unser Innerstes, unser Denken, Fühlen, unsere geheimen Verbindungen und Wünsche, aber auch unsere Ängste, die wir hier getrost belachen können, wenn sie ins Stolpern geraten. Unbedingt ansehen! A.C.