Männergespräche von Morton Feldmann
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ein Mann zu sein
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mit Wanja Mues, Alexander Schröder, Ronald Zehrfeld und Geina Stölzel/Barbara Kowa
Regie: Ulrich Waller, Bühne: Raimund Bauer, Kostüme: Ilse Welter Eine Produktion des St. Pauli Theaters Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Renaissance-Theater Berlin
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Das ist in mehrerer Hinsicht eine Aufführung, die den eifrigen Theaterbesucher etwas lehrt: "Kunst" ist nicht gleich Kunst; und die Imitation, wenn auch in abgewandelter Form, des Erfolgsstückes von Jasmina Reza garantiert noch keinen Knüller. Zum anderen lehrt die Regie, wie gefährlich es ist, auch wenn ausgezeichnete Darsteller zur Hand sind, den Spagat zwischen ernsthaftem Anliegen und ausgespielter Klamotte zu wagen. Die wesentlichste Aufgabe eines Dramaturgen sollte doch darin bestehen, ein Stück zu prüfen, ob es bühnentauglich ist, geeignete Rollen anbietet und einigermaßen glaubhaft in seiner Aussage ist; findet sich keine eindeutige Aussage, sondern jongliert das Stück lediglich als eine Ansammlung von Gedankensplittern und szenischen Spots, getränkt mit Spott und Spruchklischees, dahin, so muss die Aufführung eben versuchen, einigermaßen geschlossen mit Witz und Bravour durch den Abend zu klabautern, dies aber zügig und maßvoll! Das gelingt nun leider nur zeitweilig; zwar mühen sich die Darsteller, mit allen Mitteln und Möglichkeiten ihrer Persönlichkeit diesen drei faden Typen Leben und Glaubwürdigkeit einzugeben, doch dabei entstehen Längen, die mit viel Unappetitlichkeit und nervösem Getue um eine teuflische Katze gefüllt werden: Warum, um Himmels willen, spielt denn dieses heimtückische Katervieh nur so eine dominante Rolle? Um die etwas seltene Tierliebe des ausgeflippten Malers zu zeigen, die Unfähigkeit des jungenhaften Liebhabers, sich sowohl die Katze als auch deren exaltierte Besitzerin gleich mit vom Hals zu schaffen, oder hat sie irgendeine symbolhafte Bedeutung, indem sie die Launenhaftigkeit mancher Frauen widerspiegelt, mit der sie den einen Mann zerkratzen und mit den anderen umschnurren? Das lenkt kolossal ab von der eigentlich Thematik, um die sich die drei Freunde ja nun einen lieben langen Abend streiten:, nämlich die Frage, ob Sebastian ein Weichei ist, der sich von seiner Freundin Melanie, einer knallharten Karrierefrau, aushalten, missbrauchen und benutzen läßt oder ob dies des neuen Mannes künftige Rolle ist? Seiner Natur gemäß sieht der gebildete und energische Galeriekaufmann Malte der Liebe zu Frauen etwas distanzierter als sein chaotischer Malerfreund Jacob, der zwar alle Frauenherzen im Flug erobert, aber letztlich doch ambivalent bleibt und seine Meinung zu diesem Thema nach Beliebigkeit wechselt. Man kommt natürlich nicht auf einen Punkt, denn es fehlen ein gutes Konzept (Autor und Regie) und die Einsicht bei den Freunden, das jeder auf eine andere Weise zu leben und zu lieben versteht. Also hier das Schriftsteller-Müttersöhnchen, das sich nur gar zu gern von starken Frauen an der Leine führen läßt, dort der vernaschende Künstler, und als Dritter im Bunde der nach einer dauerhaften Beziehung suchende Künstler-Kaufmann. Also jedem das Seine, aber bitte keine Allgemeinplätze oder gar eine Analyse moderner Geschlechterrollen. Dazu reicht es einfach nicht. Trotzdem sehr herzlicher Applaus für die flotte Aufführung, die vielleicht eines wirklich gut zeigt: wie schlampig, charmant und hilflos sich ein cooler Kunsthändler, ein ausgeflippter Maler und ein lebensuntüchtiger Erfolgsautor aufführen, wenn es plötzlich darum geht, emotionale Konflikte auszuhalten und "seinen Mann" zu stehen. A.C.
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