Männerhort

von
Kristof Magnusson

 

 

 Viel Vergnügen mit dem

  gestressten Mann

    

  Theater am Kurfürstendamm

Regie: Andreas Schmidt
Bühne: Anja Wegener
Kostüme: Antje Meerwein

 

mit:
Eroll: Bastian Pastewka
Lars Rudolph: Christopf Maria Herbst
Helmut: Michael Kessler
Mario: Jürgen Tonkel
Stimme aus dem Fernsehen: Oliver Welke

Kurz gefasst:
Klischees über Klischees zum Verhältnis Mann und Frau im Allgemeinen, Ehemann und Ehefrau im besonderen. Im zweiten Teil des Abends gibt es ein bisschen mehr Tiefgang, nachdem die vier Typen ihre Lebenslügen offenbart haben. Denn jeder von ihnen hat eine Leiche im Keller, wie man so schön sagt. Das macht sie menschlich und erfreut jedermann, zumal es sich um vier bekannte TV-Darsteller handelt, die nach Comedyart keine Traurigkeit aufkommen lassen.

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  Eigentlich ist die gesamte Inszenierung ein einziges TV-Spektakel: die Schauspieler, bekannt aus Comedy- und anderen Unterhaltungsserien des deutschen Fernsehens, garantieren für Blödsinn und small-Talk, für Mimik und Pantomime und sichern einen vergnüglichen faxenreichen Abend. Das stimmt zumindest für den ersten Teil der harmlos-pikanten Komödie von Kirstof Magnussen, der mit keinem der gängigen Klischees spart, die so gemeinhin benutzt werden, wenn es um das Verhältnis von Männern und Frauen zueinander, miteinander und gegeneinander geht. Das allerdings sah man schon spritziger und reizvoller, z.B. in der Arena bei "Caveman". Hier tun die TV-Stars ihr Bestes, um das Publikum, das sich ohnehin schon allein bei ihrem Anblick begeistert äußerst, mit allerlei platten Gags und anzüglichen Wortspielereien aufzuheizen.

Das Thema ist für Deutschland vielleicht ein bisschen absurd; für Amerika, wo die Shopping-Wut möglicherweise ausgeprägter ist, mag die Tatsache besonders zutreffen, dass Frauen den ganzen lieben langen Sonnabend nichts lieber tun, als durch die Kaufhäuser bzw. Einkauf-malls zu streifen und stundenlang bei Dessous und Regenschirmen, Spielzeug und anderen Dingen, die vor allem Frauen benötigen, zu verharren. Das nervt auch dort ihre braven Ehemänner auf Schlimmste; und so hat sich der Autor für die armen Kreaturen einen Fluchtort ausgedacht - der führt geradewegs in den gepflegten, blitzblanken Heizungskeller des besagten City-Centers. Dort erholen sich die drei Männer all sonnabendlich nach sechs Stunden erschöpfendem shopping bei TV-Fußball und Bierchen und klagen einander ihr Leid. Das geht gut, bis ein vierter hinzukommt und die bisherige harmlos-oberflächlich dahinplänkelnde Männerrunde ein wenig aufmischt: Der Sicherheitskontrolleur des Kaufhauses ist natürlich höchst verwundert, als er von dem lang geheim gehaltenen Aufenthaltsort der Drei erfährt, gesellt sich aber schnell zu ihnen, als er von ihrem Problem erfährt: es ist auch das Seinige.

Nun könnte man alles als alberne Flausen und überflüssige sexistische Sprüche auf sich beruhen lassen, wenn die Damen nicht doch irgendwie hinter der Abwesenheit ihrer Männer etwas anderes als "Besuche beim Therapeuten" oder "Geschäftsbesprechungen" oder Ähnliches vermuteten. Und so fliegen sie einer nach dem anderen aus dem häuslichen Bett – und finden sich wieder bei Nacht und Nebel in dem gemütlichen Kellerbunker wieder ein, um eine neue Strategie zu entwerfen: pro Ehefrau und häuslichen Frieden, contra Kaufhaus-Qualen.

Damit beginnt der zweite Teil mit mehr Spannung. Vor allem fordert er von den Darstellern größeren Einsatz ihrer schauspielerischen Fähigkeiten als bisher, wo man sich mit allerlei Faxen und platter Komik begnügte. Jetzt kommt der Ernst des Daseins ans Tageslicht, jetzt wird Tacheles geredet, und es enthüllt sich bei einem jeden eine tiefe Problematik seines Lebens und seiner Ehe. Dass die vier dabei nun eine eigene Persönlichkeit offenbaren und dass sich zwischen ihnen auch so etwas wie Kameradschaft entwickelt, das hebt das Stück dann glücklicherweise doch über die absolute Banalität hinaus.

Bastian Pastewka, der sonst gerne den etwas topatschig-harmlosen Typ des gutmütigen und von allen gehänselten Jungen spielt, ist als Computerfreak Eroll (trotz und gerade deshalb) der wunderbar passende traurige Clown, während Christoph Maria Herbst als aalglatter, etwas übertrieben cooler und sexwütiger Manager echtes Innovationstalent zeigt. Er bringt die Truppe auf Trapp und gibt so nach und nach seine Rolle als überlegener Erfolgstyp auf. Bei Michael Kessler als der spleenige Pilot Helmut passen seltsamerweise die Parodie als. Das zeigt ein gutes dramaturgisches Konzept.

Der Feuerwehrwachmann Mario ist zunächst der Prolo, der zu der Runde gar nicht so recht passen will, bis er nach und nach sein nuschelndes Machogehabe ablegt und (nach einem hart errungenen coming out) zum ruhigen, handfesten Ratgeber wird, der wohl als einziger seine Ehe und sein Ego in den Griff bekommt. Er führt mit dem, was man gerne als gesunden Menschenverstand bezeichnet, das überspannte Rollenspiel der Vier wieder in die Realität zurück und wird ihnen beweisen, das man sich selbst ( und möglichst auch seiner Frau!) treu bleiben und dennoch ein "ganzer Mann" sein kann. Was natürlich auch eine gewisse Abgrenzung erfordert. Doch so feinsinnig ist das Stück nicht. Es verstrickt sich vornehmlich in Klischees, häkelt ein bisschen Menschenkenntnis darum und verknotet das Tuch mit sehr viel Verständnis für den gestressten Mann. Das Publikum hat jedenfalls seine Freude daran. A.C.