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Mirandolina
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Gefährlich ist die Rache der Frauen
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Wo einst das Monbijou-Schlösschen (mein Schmuckstück) seinen Herrschaften Gelegenheit für Muße, Lust und Erholung bot, steht heute im gleichnamigen Park ein seltsames kleines Amphitheater - in dem gleichermaßen lustvolle Erlebnisse garantiert sind: Das Hexenkessel-Hoftheater, 1994 von Schauspieler-Enthusiasten am Prenzlauer Berg aus der Taufe gehoben und 1999 in den kleinen Park verlegt, hat sich mittlerweile gemausert, ein richtiges, wenn auch noch nicht komplett überdachtes hölzernes, nach italienischem Renaissancevorbild errichtetes Theater, in dessen gemütlichem Halbrund die Zuschauer kauern - bei Kälte und Regen bestens mit Decken und Schutzhüllen versorgt - und verfolgen vergnügt das stets wirbelige, amüsante Spiel der noch stark an die Comedia dell'arte angelehnten Inszenierungen des Hoftheaters. Seit Ende Juni bis zum 1. August führt die schöne Mirandolina alle Männer an der Nase herum, die sich ihr mit eindeutigen Absichten nähern, denn die adeligen Tunichtgute und Lebemänner sind bei der attraktiven Wirtin ganz sicher nicht auf ihre Mitgift, sondern eher auf ein viel versprechendes Liebesabenteuer aus. Dieses reizvolle Spiel um die Liebe zwischen so ungleichen Wesen wie Männer und Frauen, blaublütige Schnösel, eingebildete Habenichtse und frustrierte Frauenfeinde wird stets wieder gern auf die Bühne gebracht und, je nach Anspruch, mal soziologisch-tiefgründig, ernst und tragisch, mal als heiter-erfrischende Charakterkomödie interpretiert. Im Hexenkessel schmoren und schmelzen die Herzen der Männer, und eine kokette Mirandolina (Wicki Kalaitzi) rächt sich äußerst charmant für alle Niedertracht und Wollust, mit der ihr Geschlecht in eine ganz bestimmte Rolle gedrängt wird. Man kann sicher sein, ohne es nachlesen zu müssen, das Goldoni selbst ( vor 250 Jahren!) verliebtes Opfer einer so gefährlich kapriziösen Dame wurde, die in seiner venezianischen Schauspieltruppe als Mirandolina alles und alle durcheinander brachte, und die von den Kolleginnen heftigst um diese Rolle beneidet wurde... Im Reigen dieses Verwirrspiels treffen sich im Gasthaus, in dem die schöne Wirtin mit ihrem Angestellten Fabricio regiert, der arme, aber sich geschickt durchschnorrende Marchese di Forlipopoli (Carsta Zimmermann) und der affektierte reiche Graf von Albafiorita (Thorsten Junge) -entzückend verkleidet, reizvoll maskiert und so grell geschminkt, wie es lächerlicher nicht sein könnte. Ihr Habitus ist vernichtend peinlich für einen Stand, der zu jener Zeit durchaus weitreichende Verantwortung trug, doch wohl in ebensolchen Maße sich völlig neben jedwedem Anstand benahm! Doch, um die beiden von Mirandolina abzulenken, führt der gewitzte Fabrizio ihnen zwei Schauspielerinnen, Ortensia und Dejaneira, zu, die er als seltsame Gräfinnen vorstellt. Die beiden Balzhähne, entzückt, endlich zu ihrem Ebenpart zu finden, merken nicht, dass sie Vertreterinnen des leichten Gewerbes aufgesessen sind, die sich einen reichen Mann angeln möchten, zumindest zeitweilig. Für Rebekka Köbernick und Ina Gercke scheint es eine Lust zu sein, an diesen Prachtrollen ihre Improvisationskunst auszufeilen und auszuspielen. Da geht es durchaus derb und kräftig zu, denn man war ja niemals zimperlich im frühen Theaterzeiten, und nach der prüden viktorianischen und wilhelminischen Zeit erinnert man sich gerne an die unverblümten Späße, von denen man schon bei Shakespeare (von der attischen und der römischen Komödie des Plautus ganz zu schweigen) schenkelklopfend angetan war. Schließlich wollte man sich amüsieren, herzlich über die Dummheit anderer lachen, ohne zu merken, dass man zuweilen auch selbst gemeint war. Bedauernswert und doch reinweg skurril ist der Frauenverächter, ein Cavaliere di Ripafratta, den Andreas Köhler so außer sich geraten läßt, dass einem ganz bange um seinen Verstand wird. Aber darauf hat es die femme fatale auch wohl angelegt, niemand soll ihr als Feind der Frauen daherkommen, sie wird ihn umkrempeln - in Nullkommanix, und das zu seinem Verderben. So süß ist die Rache der Frauen, dass man sich Feministinnen daran laben könnten, würde Goldoni nicht letzten Endes doch die Liebe siegen lassen und Mirandolina in den Ehehafen treiben - allerdings nicht mit dem reichen und leidenschaftlich verliebten Conte, sondern mit dem treuen und soliden Diener Fabrizio. So bleibt jeder in seinem Stand: der Adel hat sein Vergnügen mit leichten Mädchen, die Bürgerlichen bleiben unter sich. Aber dieser Aspekt ist hier nicht gar so ausschlaggebend und ja heute auch nicht mehr wichtig: denn flott knattert Fabrizio schließlich mit seiner Vespa vor, lädt die Schöne auf und braust, ganz bella figura, stolz mit der Braut davon. A.C.
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