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Schwank in drei Akten
bearbeitet von Jürgen Wölffer
Komödie am Kurfürstendamm
Regie:
Jürgen Wölffer; Bühne: Rolf Läßig; Kostüm: Gerhard Kropp
mit:
Achim Wolff, Winfried Glatzeder, Edith Handke, Friedrich Schoenfelder,
Herbert Köfer, Klaus Sonnenschein, Renate Geißler, Oliver Betke,
Victoria Sturm
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Diese spritzige Schwank aus dem Jahr
1889! ist wie ein Gläschen Sommersekt; sprudelnd vor Übermut, mit
schäumendem Sprachwitz und Berliner Schlagfertigkeit garniert. Mit sich
haarsträubend zuspitzenden Verwicklungen erreicht diese klassische
Komödie beinahe Molière'sche Qualität! Augenscheinlich aber haben sich die
Autoren in ihrer Zeit an Feydeau und Sardou orientiert, den Meistern der
volksnahen französischen Komödie. Mittlerweile hat diese so köstlich
arrangierte Verwirrung um Irrsinn und Wahnwitz, um Skurrilität und
Originalität menschlicher Eigenarten eine niemals endende Aktualität
gefunden. Ihre beiden Autoren haben nie wieder einen solchen Hit
geschaffen!
Vorausgesetzt: sie wird mit
außergewöhnlichen Schauspielern dargeboten. Und dafür haben Wölffer
Senior und Junior ja bekanntlich ein sicheres Gespür und eine treue
Mannschaft, auf die sich die Ku'dammbühnen verlassen können.
Denn wieder sind es die "alten Hasen", die hier punkten. Voran der sich
selbst übertreffende Achim Wolff als der stets gut aufgelegte und listige Landwirt aus
Kyritz an der Knatter, der im weltstädtischen Berlin als spendabler
Lebemann ein paar tolle Tage erleben möchte. Und dabei eine seltsam irre
Idee mit Hilfe seines Neffen und dessen gewitzter Braut umsetzt! Wie
Wolff sich jovial und schelmisch, mit überbordendem Witz und
schlagfertigen Finten durch das Labyrinth einer offensichtlich
neurotischen Gesellschaft schlägt, umgeben, wie er meint, von lauter
Verrückten, die einen fröhlichen Gesellschaftsabend in der Pension
Schöller erleben dürfen, das ist bislang einmalig. Und sie sind wirklich alle total plemplem, die
hier nacheinander mit höchst seltsamer Benehmen in die Gaststube
hineinplatzen und den begeisterten Klapproth zunehmend in seinem Irrglauben
bestätigen, es handle sich hier alles um Geisteskranke, die
Festtagsausgang haben! Und der auf Skurrilität versessene Klapproth hat seine wahre Freude an diesen Sonderlingen, kann er doch daheim mit
solch einem aparten Erlebnis am Stammtisch punkten. Obwohl er zu seiner
Verblüffung
strammstehen muss, wenn der noble, aber ganz und gar nicht zum Spaßen
aufgelegte Offizier von Mühlen ihn
anschnarrt und sogar zum Duell auffordert. Friedrich Schoenfelder, hochbetagt und ungeschlagen vital, scheint die Rolle auf den Leib
geschneidert. Klapproth-Wolff kann all diese ungewöhnlichen und
uns allen doch so vertrauten Absonderlichkeiten glänzend parieren. Auch
mit der naiv-neugierigen Schriftstellerin kommt er bestens zurecht, kann
er ihr doch jede noch so unwahrscheinliche Geschichte aus seiner
überbordenden Phantasie in den Block diktieren. Edith Handke, zart und
apart wie stets, nimmt die Menschen mit kindlich-naiver Anhänglichkeit,
mit der sie gleichzeitig unantastbar bleibt.
Natürlich trägt Winfried Glatzeder
seit eh die Rolle des Eugen Schöller, der mit einem schrecklichen
Sprachfehler geschlagen, sich durch die dramatische Bühnenliteratur
kämpft und den Traum, irgendwann auf einer richtigen Bühne zu
stehen, noch längst nicht aufgegeben hat. Glatzeder glänzt vor allem,
weil dieser Eugen nicht lächerlich ist, sondern eher eine gekonnt
ausbalancierte tragische und
zugleich doch komische Ausgabe der Spezies Schauspieler... In seiner ungebrochenen Leidenschaft für hochdramatische Rollen
verwechselt er schon einmal Bühne und Wirklichkeit, lebt und
kämpft sich durch die Rollen, attackiert sein kleines wehrloses Publikum und
verwandelt unbeirrt dabei jedes "l" in ein "n"!
Klaus Sonnenschein ist ein mächtiger, alle und alles umfassender
Weltreisender - vielleicht mehr in seiner Phantasie, aber so glaubwürdig
wie ein Großwildjäger, der allemal sein Jägerlatein beherrscht! Der
vierte im mächtigen Schauspieler-Männerbund ist Herbert Köfer als
Pensionsbesitzer Schöller, der natürlich auch dem Direktor einer
Nervenheilsanstalt vorstehen könnte. Dass sich seine Tochter Franziska
(Victoria Sturm) als männlicher Kellner verkleidet und die ganze
Intrige spinnt, die letztendlich zur totalen Verwirrung führt und dem
armen Klapproth seinen Verstand raubt, ist ja auch nicht gerade ganz
normal. Und dessen junger Neffe Alfred, der so nervös-schüchtern
ist, dass ihn Oliver Befke wie ein männliches Dornröschen erscheinen
läßt, dass von der couragierteren Braut erst einmal geweckt werden muss,
na, ja, aber bei so einem Onkel kann sich wohl niemand so recht
durchsetzen. Denn auch Klapproths Schwester Ida (Renate Geißler), die ihm
brav den Haushalt
führt und sehnsüchtig auf einen Ehemann wartet, hatte in dem ländlich
abgelegenen Kyritz bislang keine Chancen, einen passenden Freier zu
finden.
Ein Stoff, aus dem
Komödien geschneidert werden. A.C.
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