Sugar Daddys

von 
Alan Ayckbournr

 

Ein vertracktes Spiel, das Leben heißt

 

    Deutschsprachige Erstaufführung

  

Theater am Kurfürstendamm

mit

 Greta  Galisch de Palma als Sasha
Wolfgang Spier als Val
Ute Willing als Chloe
Ralf Wolter als Ashley
Gagy Gasser als Charmaine

Regie: Jürgen Wölffer
Bühne: Anja Wegener
Kostüme: Antje Meerwein

Wenn auch bereits der Autor schon für Theaterqualität und Herzensgüte sorgt, dann sind es erst recht diese fünf Schauspieler, die den Ernst des Lebens so leicht und berauschend vermitteln wie eine Flasche Champagner.

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  Man nehme: eine Handvoll leidenschaftlicher Schauspieler, einen feinfühligen Regisseur, einen Erfolgautor, möglichst angelsächsischer Herkunft, sowie einen Stab Mitarbeiter, der für Bühne, Beleuchtung und Kostüme ein passendes outfit kreiert. Dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Wenn dieser Autor dann noch Alan Ayckbourn heißt, die Schauspieler so theatergeeichte Charaktere wie die beiden Urgesteine Wolters und Spier sind, und wenn Spier dazu die lang ersehnte Wunschrolle anlässlich seines 85. Geburtstag spielt - dann ist die Sache wohl gelungen.

Aber das muss nicht von vornherein so sein. Denn nichts ist schwerer zu inszenieren als eine gute Komödie, die ja bekanntlich  die Tragödie des Lebens mit einem lachenden und einem weinenden Auge widerspiegelt. Ralf Wolters als Sugar Daddy Ashley hat denn auch gleich ein Auge zugedeckt, er ist der vom Leben arg gebeutelte etwas kauzige Mitbewohner von nebenan. Während Spier als honoriger Val  die gütige Großvaterrolle als reicher Onkel mit Hingabe auskosten darf - sozusagen ein letzter engelsreiner Lichtblick in seinem wilden Leben - ist Ashley der looser, ein Verlierer, ein liebenswerter tollpatschiger Brummbär.

Und deshalb hat die entzückend naive Sasha, die so recht arglos und herzerfrischend auf das Leben und die zwei alten Herren zugeht, eben auch beide in ihr Herz geschlossen, nicht ahnend, wen sie da zusammenbringt und welch dubiose Persönlichkeiten da in ihr bescheidenes Azubi-Dasein eingedrungen sind... Das Herz ihrer Schwester Chloe allerdings ist nicht ganz so frei und offen, den Besuch dieser beiden Fremden widerstandslos in ihrer Wohnung zu dulden. Von den Kollegen im TV-Studio so arg gebeutelt wie im richtigen Leben und vom Freund stets versetzt, sieht die genervte Chloe die Welt schon etwas realistischer als die kleine arglose Schwester, die allerdings mit ihrer harmlosen Sicht der Dinge auf der besseren Seite des Lebens steht. Und diese Charmaine, die plötzlich in ihr Leben tritt und ihrer gemeinsamen Wohnung als Designerin und Innenarchitektin ein neues, etwas befremdliches Ambiente verschafft, war irgendwann in ihrem früheren Leben auch einmal erfolgreiche Sängerin und Tänzerin in dubiosen Etablissements. Nun wirft und krempelt sie alle und alles um. (Eine tolle Szene, die Gaby Gasser da hinlegt!) Glücklicherweise. So kommt es denn wie es kommen soll - ein Happyend und doch keines. Typisch für Ayckbourn. Die Realität lauert schon vor der Tür. Märchen gibt es nur in unserer Phantasie - aber wir sollten sie uns erhalten!

Dass man sich erheitert und amüsiert zurücklehnt und den Schauspielern, die da so todtrocken den lässigen Humor des englischen Autors rüberbringen, genüsslich lauscht, ist das Verdienst einer zurückhaltenden Regie. Was durchaus nicht immer der Fall ist; denn oft werden nach deutscher Bühnenart die Pointen und Wortspielereien englischer Autoren viel zu heftig und deftig gesetzt (damit auch jeder merkt, das es jetzt witzig wird!); aber damit geht dann leider nicht nur der Witz, sondern auch das Stück verloren.

Diesmal ist das Spiel gewonnen, dank einem herrlich souveränen  Wolfgang Spier, der mit gutem alten Theaterinstinkt genau weiß, wie er die zwielichtige Vergangenheit des großzügigen Onkel-Freundes zu überspielen hat, und mit Ralf Wolters, der, von leichter Melancholie umflort, sich als alter Gauner Ashley bald als Menschenfreund behauptet: in diesem vertrackten Spiel, das Leben heißt. A.C.