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Das Laramie Projekt von deutsch von Peter Torberg
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...wer aber ohne Fehl und Tadel ist, der werfe den ersten Stein... |
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Regie und Bühne: Peter Lackner Kostüm: Barbara Lackner Regie-Assistenz: Sinja Bohn, Alexander Schatte Technik: Michael Gärtner Programm, Texte und Recherche: Valeska Graffé mit: Edelgard Hansen , Doris Prilop, Romanus Fuhrmann, Yann Grouhel, Guido Hammesfahr Kurzbeschreibung |
In Amerika, im Staat Wyoming, in der kleinen Stadt Laramie wurde vor sechs Jahren ein 21jähriger Mann von zwei Gleichaltrigen brutal zusammengeschlagen, ausgeraubt, gefoltert. 18 Stunden lang muss er unsägliche Qualen ausgestanden haben, an einen Zaun gefesselt, mehr tot als lebendig. Polizei und Ärzte kämpften noch 24 Stunden lang um das Leben von Matthew Shepard. Ohne Erfolg. Er starb an seinen schweren Verletzungen. Und die Täter? Sie wurden verurteilt, der eine zum Tode, der andere erhielt zweimal Lebenslänglich. Das Motiv? Hass, Hass auf den Andersartigen, auf den Wohlhabenden, vor allem aber auf den Homosexuellen. Die kleine Stadt war in Aufruhr, die Menschen wachgerüttelt, aufgebracht, verzweifelt, wütend, ratlos - ohne Antwort auf ihre vielen Fragen. Die erhielten sie erst sehr viel später, vielleicht. Als nämlich eine kleine Gruppe von Theaterleuten aus New York unter der Leitung von Moisés Kaufmann sich dieser Tragödie annahm und in über 200 Interviews den Hergang des Geschehens noch einmal akribisch recherchierte, Zeugenaussagen hinterfragte und Akten studierte. Zutiefst erschüttert, konnten sie nur eines tun: dem Aufschrei und Aufbegehren der Menschen zu folgen, die sich mit allen Mitteln demonstrativ gegen jede Art von Hass und Gewalt, gegen offene und unterschwellige Diskriminierung von Homosexualität wandten. Moisés Kaufmann fügte die Protokolle zu einer Bühnenfassung zusammen, zu einem Stück für nur wenige Schauspieler, die schnell in zahlreiche Rollen schlüpften und die Interview-Situationen und Protokolle sachlich nachspielen. Allerdings, so hat es den Anschein, geht es hierbei nicht vordringlich um die Durchleuchtung der betroffenen Charaktere von Matthew und seinen Mördern; sie bleiben seltsam distanziert und fern; das Geschehen, die Tat selbst ist es und die Reaktionen der Einwohner von Laramie. Auch ohne großen theatralischen Aufwand und dramatisches Konzept wird deutlich: Intoleranz und Vorverurteilung können zu eben dieser Art von Katastrophe führen: Homosexuelle, Andersartige werden mit mehr oder minder subtilen Mitteln ausgegrenzt, mit verbalen und tätlichen Angriffen bekämpft! Nicht nur in Amerika, sondern in aller Welt, auch in Deutschland, auch in Berlin. (Die Dramaturgie hat Beweismaterial im Programmheft aufgelistet!). Das gibt hinreichend Anlass zur Reflexion - für die junge wie die ältere Generation. Wir alle sind aufgefordert, unsere tatsächliche Haltung und Praxis zu gesellschaftlichen Fragen in vielerlei Hinsicht zu überprüfen. Eine bedeutende Rolle in den USA und in diesen Protokollen spielt die Kirche, spielt vor allem der Glaube an Gott. Das berührt sehr und macht nachdenklich; denn beinahe alle Betroffenen ziehen hier starken Trost aus ihrem Glauben; Gott ist keine Metapher, er ist real, im Guten wie im Bösen; er steht auf keiner Seite; er hilft und hilft nicht, je nachdem, wie die Menschen ihn in ihr Schicksal einbeziehen. Der Sinn hinter dem scheinbar Sinnlosen und Unfassbaren erhält Konturen, wenn auch verschwommene. Die Kirche aber ist gespalten: sie verdammt den Sünder, und sie hilft dem Schwachen; sie bezieht sich auf die Bibel wie auf Christus und kann doch auch hier beides finden, Strafe und Vergebung. Damit gibt es in dieser ansonsten eher sachlichen Inszenierung einige In die Tiefe gehende Momente, etwa als der Arzt später erkennt: Da lagen zur gleichen Zeit zwei Menschen in zwei verschiedenen Zimmern in seiner Klinik und benötigen seine Hilfe gleichermaßen. Opfer und Täter, und er wusste nichts von ihnen. Und wenn er von der Tat gewusst hätte? Es wäre nicht seine Aufgabe gewesen, zu urteilen, sondern zu helfen. Noch einmal geht es um die schwerwiegende Problematik, die ein von Menschen gefälltes Urteil immer begleiten wird: Als Metthew`s Vater sein elektrisierendes Plädoyer in einer verzweifelten Mischung aus Anklage und Vergebung vor Gericht hält.
Und noch eine Szene lässt den Atem stocken: Als ein alter Krimineller den Interviewern das Schicksal der Täter prophezeit, das ihnen im Zuchthaus bevorsteht: Was sie voller Brutalität bekämpften, wird ihnen nun selbst widerfahren: Homosexuelle Vergewaltigung. A.C. |