|
Der Kleine Schornsteinfeger von
Benjamin Britten |
Immer schön und etwas unheimlich |
|
|
Kinderoper Musikalische Leitung: Wolfgang Wengenroth Inszenierung: Jetske Mijnssen Bühnenbild und Kostüme: Solita Stucken Kinderchor: Christoph Rosiny, Jane Richter Lichtgestaltung: Franck Evin Mitwirkende: Johannes Schmidt (Bass), Schornsteinfegermeister; Tobias Keil, sein Gehilfe, Tenor; Christiane Qertel, Meisterin, Sopran; Svea Johnsen, Hausgehilfin, Sopran; Sam, ein neuer Schornsteinfegerlehrling: Sabina Ermak Die Kinder: Gülüs Ertürk, Victor Rathke, Luba Mlangeni, Ferdinand Kohl, Edwin Sand, Clara Marie Hahn sowie der Kinderchor der Komischen Oper; Streichquartett, Schlagzeug, Klavier.
|
Das ist ein großer Aufwand für eine kurze Spieldauer, und als man sich in die Pause geschickt glaubt, da ist das reizende kleine Singspiel bereits zuende, und man hätte doch so gerne noch mehr gehört und gesehen. Vielleicht waren ja zur Premiere ausschließlich Kinder im Saal, die bereits genügend musikalische Grunderfahrungen besaßen, so dass sie mit aufmerksamer Neugierde dem kleinen Spiel auf der Bühne folgen konnten. Oder es gibt etwas noch Erfreulicheres zu konstatieren: Der englische Komponist Benjamin Britten (1913 -1976) vermag es, den Reiz seiner ebenso dramatischen wie subtilen Tonführung direkt in die Phantasie seiner Zuhörer - jung wie alt -zu übertragen. Das Team um Dirigenten, Regisseurin, Dramaturgin, Chorleiterin und natürlich Bühnenbildnerin und Lichtdesigner hat eine sehr einfache, jedoch recht wirkungsvolle Inszenierung und Dekoration geschaffen. Mit bunt bemalten Vorhängen, die je nach Szene vorgezogen werden, sowie farbenprächtigen Kostümen und wirkungsvollen Leuchteffekten wird der Ablauf der kurzen Geschichte begleitet. Und im Zentrum der Bühne natürlich prangt der Schornstein! Die erwachsenen Sänger können mit eindruckvoller Gestik und Mimik dem gesungenen Text noch mehr Dynamik verleihen und ebenso beherrschen die Kinder mit ihren hellen klaren Stimmen den typischen Britten-Sound (der ja auch so einige unheimliche Nuancen sich birgt!). So bleibt die schon 1949 in Aldeburgh erstmals aufgeführte Kinderoper ganz auf die Musik bezogen. Die Handlung (Libretto: Eric Crozier) ist beinahe nebensächlich: der kleine Sam wird von seinen armen Eltern mit knapp neun Jahren bereits in die Lehre eines Kaminkehrers fortgegeben und muss dort schwere Arbeiten verrichten. Als er eines Tage im Schornstein stecken bleibt, kommen ihm die im Haus spielenden Kinder zu Hilfe, verstecken ihn mit Hilfe des liebevollen Kindermädchens vor der strengen Hausfrau, ihrem Mann und dem Gesellen. Von einem der großen Mädchen erhält der Kleine dann genügend Geld, um sein Leben anders planen zu können, und wird mit einigen Tricks aus dem Hause des allzu gestrengen Lehrherrn geschmuggelt. Natürlich ist der kleine zarte Sam mit einem ganz imponierlichen Darstellungs- und Stimmvermögen der Publikums- und Bühnenliebling, aber auch die anderen Kinder, die ja zum Teil auch solistische Einlagen bewältigen müssen, werden mit den weiteren Aufführungen noch mehr an Sicherheit gewinnen und den Charme der Aufführung steigern. Das Programmheft ist umfassender als das Spiel selbst, gibt sehr viel Hinweise zum Komponisten, zu den Personen im Spiel, zur Entstehung dieser Aufführung und zu den realen Darstellern sowie eine Anleitung zum Selbstbasteln der aufgemalten Bühnendekoration. A.C. |