Dornrose oder
100 Jahre Haltbarkeit

 

Ein Spiel mit Puppen

 

 Frisches Makeup für betagte Märchenprinzessin

   

 Die Schaubude

 

Theater Kasoka

Greifswalder Straße

Regie: Wera Herzberg

Assistenz: Ulrich Seidler

Spiel: Alexandra Kaufmann, Eva Kaufmann, Melanie Sowa

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Was die Schauspieler mit ihren immer auch selbst gefertigten Puppen und Kulissen an kühnen Phantasien entwickeln, ist bewundernswert und überrascht stets von Neuem; sicher gibt es auch in der Schule der Puppenspielkunst bestimmte Bedingungen, die für den Ablauf einer Geschichte von grundlegender Voraussetzung sind, aber der Rahmen scheint doch sehr weit gesteckt, und ohnehin darf man sich aller Techniken, die heutzutage zur Verfügung stehen, bedienen. Meistens jedoch genügen den Künstlern nur wenige Requisiten, weil allein schon die Übertragung ihrer Gedanken und Gefühle genügt, um die Puppen zu eigenständigen Figuren werden zu lassen, und diese Verwandlung allein ist schon ein Faszinosum.

 

Nun ist es fast verlorene Liebesmüh, eines der zahlreichen (abwechselnd mit Spannung, Komik und Tragik, immer aber mit großer Virtuosität dargebotenen) Figurenspiele zu beschreiben, die in der Schaubude fast täglich angeboten werden. Denn kaum hat man eine der Aufführungen gesehen und möchte sie begeistert weiterempfehlen, da taucht schon das nächste tolle Ensemble auf der Bühne auf. Dies kleine Theater im Prenzlauer Kiez gilt seit langem als bekannte und beliebte Schau-Bühne für alle Profi- und Nachwuchspuppenspieler weit über Deutschland hinaus; und auch wer sich erst noch einen Namen machen möchte, wird wie in einer Familie willkommen geheißen.

Talente werden zudem auch durch Zusammenarbeit mit der Puppenspielklasse der Hochschule Ernst Busch gefördert, so dass man wirklich sicher sein darf, hier stets etwas Apartes zu sehen. Was die Schauspieler mit ihren (immer auch selbst gefertigten) Puppen und Kulissen an kühnen Phantasien entwickeln, ist stets von Neuem bewundernswert und überraschend; Sicher gibt es auch in der Schule der Puppenspielkunst bestimmte Bedingungen, die für den Ablauf einer Geschichte grundlegende Voraussetzungen sind, aber der Rahmen scheint doch sehr weit gesteckt, und ohnehin darf man sich aller Techniken, die heutzutage zur Verfügung stehen, bedienen. Meistens jedoch genügen den Künstlern nur wenige Requisiten, weil allein schon die spielerische Übertragung ihrer Gedanken und Gefühle auf die Puppen genügt, um sie zu eigenständigen  Figuren werden zu lassen. Diese Verwandlung allein ist schon ein Faszinosum.

Die drei Künstlerinnen des Theaters Kasoka aus Berlin haben hier dem alten "Dornröschen" der Gebrüder Grimm frischen Wind eingehaucht und dabei entzückende Einfälle entwickelt. Eingehüllt in rote Bettdecken lassen sie König und Königin ein bisschen betagt, aber dann auch wieder ganz modern erscheinen, wenn sie sich bei fetziger Rockmusik schließlich in den Armen liegen. Die kleine Dornrose wartet bereits im lindgrünen Kissen auf ihren Auftritt in dieser Welt. Als gar tüchtig gefeiert wird, aber nur zwölf Gedecke im sparsamen Königshaushalt vorhanden sind und daher auch nur 12 Feen eingeladen werden können, weiß man ja schließlich was passiert. Die 13. Fee ist ein ungebetener wütender und trauriger Gast, und irgendwie hat man schon Mitleid mit ihr, dass sie nicht mit den übrigen schnatternden Kaffeeklatschkolleginnen nicht an einem Tisch sitzen darf. Na, ja, wir wissen ja nun, was folgt, aber spannend ist es schon, als die kleine Dornrose ungeduldig die ticktackenden Uhren auffordert, schneller zu laufen, damit sie bald ihren Geburtstag feiern kann. Hübsch gemacht ist auch ihr einsamer Erkundungsgang durch das leere, unheimliche Schloss, vorbei an den gräsigen Ahnenbildern (ein bisschen wie bei Harry Potter), bis sie im Turmzimmer schließlich auf die alte Spinnfrau trifft und sich ihr Schicksal erfüllt. Wie die folgende 100jährigen Schlafpause inszenatorisch bewältigt wird und ebenso der sehnsüchtig erwartete Auftritt des befreienden Kavaliers - das ist so hübsch ausgedacht, dass man es nicht verraten sollte. Nur, ein toller Mann muss es schon sein, der da so mutig durch die Dornen bricht...

Die Puppen sind gar nicht einmal schön; aber weil die Spielerinnen selbst in die Rollen von König und Königin, Dornröschen, Köchen, Mägden und Feen schlüpfen, erhalten die Köpfe mit ihren hübschen rollenden blauen Glasaugen lebendige Körper und gewinnen zunehmend an Reiz. Am Ende verlassen alle Besucher (und das Ensemble natürlich) fröhlich den Theaterraum - in welchem Theater kann man das heutzutage noch erleben! A.C.