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Eine
von Paul Maar
Musical nach dem Kinderbuch |
Ein Sams für alle Fälle
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Steglitz Andreas Gergen führt Regie und spielt das Sams Klaus Peter Grap als Herr Taschenbier und Bettina Meske als Frau Rotkohl u.s. Anja Flies, Titus Hoffmann und Boris Freytag in weiteren witzigen Rollen
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Eigentlich kennt das Sams jeder Mensch, der mindestens fünf Jahre alt ist. Jonas ist schon sieben und geht in die zweite Klasse. Im Hort liest ihm die nette Betreuerin alle Bücher vom kleinen Sams vor, dazu die vom Räuber Hotzenplotz, und das Pumuckl kennt Jonas auch. Ein bisschen ist es wie das Sams, und vielleicht auch wie Pippi Landstrumpf, dem Liebling zweier Generationen vor Jonas. Alle drei Kinderbuchlieblinge haben mehrere Eigenschaften gemeinsam: Zum Beispiel den roten Wuschelkopf, den nervtötenden Eigensinn, der ganz schön viel Verwirrung bei den Erwachsenen anrichtet, die ja längst verlernt haben, wie das ist, seine eigene Logik haben zu dürfen. Sie sind so herrlich unkonventionell, das Sams, das Pumuckl und Pippi Langstrumpf, das man allzu gerne einmal in ihre Haut schlüpfen möchte... Das kann man, nicht nur bei der Lektüre ihrer berühmten Autoren, sondern auch seit einiger Zeit im Schlosspark Theater, das seine neuen, hoffentlich zukunftsträchtigen Ambitionen in das Musicalmetier gesteckt hat. Nachmittags für Kinder, eben die Bühnenbearbeitung von Paul Maars „Eine Woche voller Samstage", zu dem der Komponist Rainer Bielfeldt die hübschen songs geschrieben hat. (In der Abendvorstellung lehrt dann das Musiktheater, was uns Menschen passieren kann, wenn eine Ökokatastrophe in Form von verschmutztem Grundwasser droht. Eben in " Pinkelstadt", einem schwungvollen Musical, das ein ernstes Grundthema heiter verpackt.) Für das Sams haben sich Danny Castello eine lebendige Choreographie und Regina Schill für alle Mitwirkenden zauberhafte bunte Phantasiekostüme für alle Mitwirkenden ausgedacht. Steven Gross hat die musikalische Einstudierung übernommen, und Marcin Lonask ist der Percusser und Geräuschezauberer am Xylophon. Stephan Prates hat ein schnell zu verwandelndes Bühnenbild auf dem Drehrund geschaffen, und Tilmann von Blomberg geht dem Regisseur Andreas Gergen zur Hand, der übrigens auch das seltsame Sams so hinreißend spielt, das man doch allzu gern selbst eines besitzen möchte. Zumindest für eine Woche - mit all den bunten Pünktchen im Clowns-Gesicht, in dessen Mitte eine steckdosenartige Nase prangt. Die Pünktchen aber, und das ist ja ein bis zuletzt gut gehütetes Geheimnis, geben jeweils einen Wunsch frei. Immer wenn sein neuer Vater, den sich das Sams auf dem Gemüsemarkt auserwählt hat, sich etwas richtig wünscht, geht es flugs in Erfüllung, aber das bemerkt Herr Taschenbier gar nicht so recht. Klaus Peter Grap ist ein großer unbeholfener, schüchterner junger Mann, der ein bisschen wie Harald Schmidt aussieht, aber wesentlich liebenswerter ist. Auch wenn er sich zunächst von seiner Wirtin Frau Rotkohl ganz schön unterbuttern lässt, weil er wahnsinnige Angst davor hat, dass sie ihm das kleine Zimmer kündigen könnte. Frau Rotkohl ist ein Besen, aber Herr Taschenbier hat nun das Sams, das er zwar nicht öffentlich vorzeigen kann, aber das ihm trotzdem ganz schön viel hilft, auch wenn seine Einfälle und Taten vorwiegend aus Unsinn und Schabernack bestehen. Aber es kann – wie das Pumuckl -so wunderbar reimen, und als es einmal ein vorübergehendes Gastspiel in der Schule gibt, lehrt es die Kinder, wie man mit Vokalen spielt und neckische Verse schmiedet. Das kann man sich für eine lange Autofahrt oder einen verregneten Urlaubstag merken – ein Sams-Spiel für alle Fälle! Da reihen sich gar viele hübsche Szenen aneinander, und man hat geradezu Sorge, das dies Spiel um wahrgewordene Wünsche allzu schnell vorbei sein könnte. Aber es dauert – mit einer Pause – beinahe anderthalb Stunden, und das können sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen gut aushalten. Dazu tragen natürlich auch die anderen Schauspieler in verschiedenen Rollen bei; so ist Bettina Meske abwechselnd Frau Rotkohl, die schreckliche Wirtin, oder eine Kundin am Gemüsestand und eine Frau auf der Straße, die wie Frau Sengstake mit Potthütchen und biederer Einkaufstasche der Feder eines berühmten Bremer Karikaturisten entsprungen sein könnte... Boris Freytag ist der strenge Studienrat Groll, der dumme Chef Herr Oberstein und der strenge Abteilungsleiter im Kaufhaus; Anja Fliess eine Marktfrau, eine Verkäuferin und eine piepsige Schülerin, und Titus Hoffmann spielt mit eleganten tänzerischen Bewegungen den Schornsteinfeger, einen Verkäufer, einen Schüler und dann verwandelt er sich auch noch in einen riesengroßen Eisbären! Vielleicht erscheint das „Sams", das ja bekanntlich ohnehin an jedem Samstag wiederkommt, eines Tages auch bei euch? A.C.
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