Königs Weltreise

 von und mit

Annette Wurbs und Peter Müller

 

Ein kunstvolles Spiel mit Schattenfiguren

 

   
Für Kinder und Erwachsene

Die Schaubude

Spiel: Annette Wurbs, Peter Müller (Theater Handgemenge), Schattenfiguren: Wiebke Steinmetz, Textfassung: Team; Bühne, Technik, Licht, Ton: Peter Müller; Draufblick: Stefan Wey,

 

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In dem vielfältigen und erlebnisreichen Wechselprogramm des Figurentheaters "Die Schaubude" gibt in diesem Monat unter anderen ein Mecklenburger Team sein Debüt. Allerdings, leider, wie stets, sind die Gastspiele nur kurz, diesmal an drei Abenden, was bedauerlich, aber mangels eines breiteren Publikums wohl unabdingbar ist. Dabei ist wohl nur insidern bekannt, dass Figurenspiel immer auch höchst anspruchsvolles darstellendes Spiel ist, das an der Ernst Busch Hochschule intensiv gelehrt und praktiziert wird und in allen Jahren wunderbare Blüten hervorgebracht hat. Denn im Figurentheater muss der Spieler ein Allround-Genie sein: Er ist ein vielfältiger Stimmengeber, er muss die Puppen führen und zum Spiel vorantreiben können, ebenso gehören Gesang, musikalische Ausbildung, die Herstellung der "Zutaten", ein ganzer Thespiskarren dazu, und er muss im Wechsel mit seinen Figuren auch selbst präsent sein, von Zeit zu Zeit aus der Schattenrolle heraus- und vor sein Publikum als er selbst treten oder in einer Rolle, die er in diesem Spiel verkörpert.

In dieser allerliebsten Phantasiegeschichte werden sehr kleine Schattenfiguren ( über 60 insgesamt) im Lichtkegel hinter einer straff gespannten Trampolinartigen Leinwand von ihren Spielern durch die Abenteuer einer Weltreise mit allerlei hübschen Zwischenstationen geführt. Da landet König Knut, denn um den handelt es sich hier, nach einem albtraumhaften Crash auf der andren Seite der Erdkugel und macht sich zusammen mit seiner treuen Frau Kümmer, die sich, wie der Name sagt, stets um ihn kümmert, auf die Rückreise. Übrigens braucht der arme König auch dringend eine Auszeit, so überfordert wie er ist angesichts eines Volkes, das immerzu etwas von ihm will. Während er also wie in einem Traum durch das Erdinnere schwebt, werden so allerlei seltsame Schattenwesen aus anderen Welten gestreift, aber, auf der anderen Seite schließlich angekommen,  auch ganz reale Kamele, Wüsten, Eisenbahnen, ein wild wogendes Meer, eine Insel der verbannten Könige. Am verwirrendsten sind für König Knut und Frau Kummer die Wolkenkratzer von New York, nein dann doch lieber schnell mit dem Heißluftballon zurück ins heimische Mecklenburg, wo man zwar Reden für das Volk reden muss, das Badewasser nicht heißt genug ist und man manchesmal von Husten und Schlaflosigkeit gequält wird.

Und überhaupt sollte man nicht vergessen, dass in des Königs Knuts Land alle Leute einen Schirm und eine Gießkanne bei sich haben; den Schirm natürlich, um jederzeit zu fliegen zu können und die Gießkanne, um Musik zu machen.

Eine Kostprobe liefern die menschlichen Spieler neben all den köstlichen Rollen auch hingebungsvoll an der Posaune, Tröte, Trommel und Syntheziser wie mittelalterliche Fahrensleut' - es sind nur wenige Akkorde, die sie kunstvoll das ganze Spiel hindurch verwandeln, und diese bleiben, wie auch die reizenden Bildfiguren, am Ende wie Ohrwürmer an einem haften. A.C.