Macbeth

von
William Shakespeare

 in der Übersetzung von Friedrich Schiller

Grausige Luftgeister entscheiden über Schottlands Schicksal

 

   

Spielort im August: Garten der Humbold-Universität

ab 22. September im:

Theater an der Parkaue

 

Regie: Britta Geister

Bühne: Ingo Mewes
Kostüme: Judith Mähler
Musik/Komposition: Christian Szabo
Puppen: Karin Tiefensee
nach Portraits von Francis Bacon
Dramaturgie: Bettina Groß

Mitwirkende: Dorothee Carls; Michael Hatzius; Birte Herbold; Christiane Kampwirth;Steffi König; Hans-Jochen Menzel; Christian Pfütze; Nicola Reinmöller; Christian Szabo

 

Eine Koproduktion mit der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch", Abteilung Puppenspielkunst

  

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  Grausige Luftgeister entscheiden über Schottlands Schicksal

Da ist Einiges ungewöhnlich: Zum einen, der Spielort natürlich - hatte er im vergangenen Jahr der leicht turbulenten Inszenierung von "Shockheaded Peter" (Struwelpeter) gedient, so hat auch der neue Intendant des Jugendtheaters an der Parkaue (Kay Wuschek) den Weg in den Garten der Humboldt-Universität für ein Sommertheater gewählt, allen Un-Wettern zum Trotz - aber die passen ja ohnehin gut zur grausigen Geschichte. Die hat man nun erheblich gekürzt, Personen reduziert, Spielorte ebenso und Szenen gekürzt. Dabei geht man aber wohl bewusst das Risiko des Unverständnisses ein. Denn nicht jeder Besucher kennt dieses Mordstück der Superlative in seinem Ablauf so genau, noch können Jugendliche - sofern nicht der Unterricht sie auf Shakespeare, Macbeth und Schiller vorbereitet hat - so schnell zwischen den Personen hin- und herwechseln, wie das Ensemble es aus unerfindlichen Gründen macht. Oder dient das vielleicht der Ausbildung der Schauspielschüler? Da wechselt jeder Spieler mehrmals die Rollen - so ist Macbeth mal eine Frau, mal ein Mann, dann wieder ein anderer Mann, und auch die blutrünstige und machtgierige Lady tritt, wenn besondere Durchsetzungskraft angesagt ist, herrisch mit dunkler Männerstimme an, jeweils nur gekennzeichnet durch die hennarote Perücke und riesige Brüste, die sie wie ein Schild vor sich herträgt. Ob auch die Kostüme so oft gewechselt werden müssen, ist fraglich, zumal die Kleidung ohnehin einheitlich und irgendwie wohl den britannischen Haudegen der alten Zeit unisono angepasst zu sein scheint. Mal mit elisabethanischem Schalkragen, mal mit eng geschnürten Wickelleibchen und seltsamem Kopfputz. Und während sich die Darsteller blitzschnell in neue Hüllen werfen, wird an der ungemein aparten Bühne in der Arena heftig gekurbelt und gedreht, damit sie das rechte Szenenfeld zeigt.

Ingo Mewes hat mit viel Phantasie und dem Geschick seiner Mitarbeiter einen universal verwendbaren Bühnenboden aus prismenförmigen Walzen - ähnlich einer Bandenwerbung - entworfen, auf dem drei Untergründe verwendet werden: mal wird der Bühnenrasen zu Macbeths Kampfplatz und dann wieder der Parkettboden zum Innenraum der Königsburg. (Eine mögliche Treppenversion wird hier nicht benutzt). Die jeweilige Szenenverwandlung geschieht zwar durch das perfekte Zusammenwirken der Darsteller blitzschnell, zieht aber dennoch die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Geschehen ab, das, stark gerafft, die Ergebnisse von Hexenwahrsagerei - nämlich das Macbeth einst König werden wird - nun die folgenden Morde an dem gutmütigen Herrscher Duncan und seiner Getreuen durch Macbeth und dessen rasende Gewaltherrschaft dramatisch verdichtet. Die Taten geschehen vorwiegend im Off. Für die Kids gibt es die eine und andere heitere Szene, durchaus geschickt eingebaute rhythmische Rap-Sentenzen untermalt mit dumpfer Musik, die direkt aus einem dunklen Zeitalter zu uns in den hohl klingenden Innenhof der Universität herüberklingt. Christian Szabo hat sich tolle Instrumentierungen ausgedacht und gibt dem Unhold der Macht und den Schicksalsgeistern damit den düster faszinierenden Hintergrund.

Am tollsten aber sind die Hexen. Man hat es von "Ernst Busch" auch nicht anders erwartet. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes "sagenhaft", wie diese überdimensionalen Fratzen den Körper ihrer Sprecher verdecken und ihr Eigenleben entwickeln, Schlangengezücht, Otternbrut, dazwischen ein harmloser kleiner Wahrsager-Frosch á al Kermit aus der Sesamstraße... Und dann erst die Oberhexe, die nur noch aus Kopf und riesigen Augen mit klappbaren schweren Lidern besteht, und von hinten ganz langsam über den Rasen herangetragen wird. Sie bringt ihre Unterhexen gewaltig zur Räson bringt, die mit ihren liederlichen Weissagungen das Mordkarussell in Gang gesetzt und Macbeth`s Gier nach Macht ausgelöst haben. Nun sollen sie, was sie angerichtet haben, auch zu Ende bringen. Die kreischenden Luftgeister wahrsagen noch einmal dem unersättlichen König, was ihn zu Fall bringen könnte - eines nicht mehr allzu fernen Tages...

Also, unbedingt den alten Shakespeare lesen oder anlesen! Für warme Decken und einen höchst ungewöhnlichen Abend sorgt das Theater. Viel Spaß bei Mord und Todschlag. A.C.