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Momo
nach Michael
Ende |
Momo bleibt ein Kind des Märchens
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Regie: Hermann Vinck Musik. Leitung, Komposition und Arrangement: Thomas Lotz; Dramaturgie, Regieassistenz: Kerstin Lorisz; Komposition, Liedtexte: Thomas Sutter, Bühne: V. Vinck, M. Landgraf; Kostümbild: M. Landgraf, Maske: P. Föhrenbach es spielen: J. Baukus, E.Daniel, K. Kriomer, S. Liebisch, F. Berhofer, M. Caktas, K. Dietrich, S. Hoppe; Musiker: G. Findell, K. Lorenz, S. Wohlleber, A. Feucht, M. Erbe, S, Hoppe, H. Nickola, D. Stieheler, T. Lotz, M. Yokas
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Wenn man jede neue Inszenierung des "Atze" an highlights wie "Bach" und "Einstein" messen müsste, wäre jeglicher Versuch, dem Kinder- und Jugendtheater in seiner Vielfalt gerecht zu werden, ein schwieriges Unterfangen. Dennoch: "Momo" - der Saisonstart für Kinder und Jugendliche also ist etwas gänzlich anderes, nicht nur, dass sich die dramaturgische sehr schlicht umgesetzte Romanvorlage vorwiegend doch an sehr junge Schüler und vielleicht auch Vorschulkinder wendet; Der ziemlich simplifizierte Stoff kann auch weder dem intellektuellen noch dem wunderbaren märchenhaften Anspruch des viel zu früh verstorbenen genialen Autors genügen. Das Kind von nirgendwoher, unbeschriebenen Alters, das plötzlich auf den Stufen des alten Amphitheaters der kleinen Stadt hockt und mit großen Kulleraugen erstaunt in die Welt schaut, wird mit seiner naiven Mitmenschlichkeit zum Retter der stressgeplagten Menschheit, nachdem es sich von seinem eigenen Ego gelöst hat und nun die gefährliche Aufgabe übernimmt, die grauen Männer von der "Zeitsparkasse" zu vernichten und damit nicht nur die Freunde zu retten. Momo wird auf ihrem Weg seltsamen Gestalten begegnen, einer automatischen großen Puppe, einer sprechenden Schildkröte, sowie dem wahrhaft königlichen Meister Hora, der in einem Land herrscht, das nur im Rückwärtsgang zu erreichen ist, und in dem die ganze kostbare irdische Zeit aufbewahrt wird. Doch all das ist in Gefahr, vernichtet zu werden, wenn die Menschen weiterhin der Zeit nachjagen, keinen Augenblick mehr übrig haben für einander und die schönen Dinge des Lebens, für die Natur und die Muße der Besinnung, wenn "ihre Herzen erfroren sind". Das ist auch vielleicht ein Appell an jene überaktive Gesellschaft, die es für erstrebenswert hält, schon die Kleinkinder zu allen möglichen "Freizeit"-Kursen zu transportieren, als da sind Ballett, Turnen, Schwimmen, musikalische Früherziehung, Spielkreise usw., während daheim die Väter der Karriere und die Mütter einem Job nachjagen, der ihnen vielleicht nicht viel mehr bringt, als die Versorgung der Kinder mit Markenklamotten und überflüssigem Spielzeug. Und die Kinder, die alles erlernen, alles besitzen und alles können? Sie langweilen sich zu Tode - das ist die größte Gefahr, die sich mit der Überaktivität verbindet, wenn diese einmal nicht mehr genügend Anreize erhält! Momos Freund Gigi, der früher irrwitzige Geschichten aus dem Stehgreif erfand, ist nun ein rastloser Entertainer, der traurig erkennt, was er verloren hat: All seine Wunsche wurden erfüllt, doch sind ihm seine Träume genommen. Das alles wären Ansatzpunkte gewesen, mit denen die Regie und die Texter hätten punkten können, aber man hat die sinnreiche spannende Geschichte auf ein Minimum an einer kleinen Gruppe von Erwachsenen festgemacht, die Momo an ihren Sorgen und Freuden teilhaben lassen. Aber die Zeichnung dieser Personen bleibt nur flüchtig skizziert. Farbe gewinnt das Spiel sinnigerweise erst durch die in lange grau-nebelige Gewänder und Masken gehüllten Zeiträuber, die erbarmungslos auf der Jagd nach willigen Opfern sind, die ihnen ihre Zeit verkaufen. Auch bei den musikalischen Arrangements bleibt man ein bisschen hinter dem gewohnten Niveau zurück; da sind zunächst sehr interessante dissonante Passagen, die den Schrecken der gestohlenen Zeit andeuten, doch dann folgen recht simple Kinder-Liedchen, die sich wiederum an die sehr jungen Zuschauer wenden, doch ist nicht einmal ein einziger "Ohrwurm" darunter - Momo hätte ihn verdient wie einst die munteren schwedische Mädchen, Astrid Lindgrens Pipi Landstrumpf und Ronja Räubertochter, die allerdings eine kindlich fassbare Persönlichkeit darstellten, während Momo doch hier eher als Märchenfiktion fern und unfassbar bleibt. A.C.
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