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Nellie Goodbye von
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Wenn der Tod auf das Leben trifft
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Ausgezeichnet mit dem
"Ikarus"
Regie: Franziska Steiof Musik: George Kranz Bühne: Mathias Fischer-Diskau Kostüme: Barbara Kremer Es spielen - wunderbar!: Danny: Christian Giese Nellie: Laura Leyh, Johnny: Jens Mondalski, Tina: Cosntanze Prioester, Cora: Stephanie Schreiter |
Sie nennen sich „diehalbenhertzen“ (mit tz) und sind auch so im internet präsent. Eine junge rockige Band mit großem Ehrgeiz, fetzigen Auseinandersetzungen, Liebschaften und unterschiedlichen Talenten. Ihr Motor ist die flippige superaktive Leadsängerin Nellie, ein Energiebündel. Ihr lahmer Lover Johnny, schreibt zwar hübsche Texte und spielt die Bassgitarre, aber ihm fallen weder Titel noch sonst irgendwelche praktischen Dinge ein. Tina ist Gitarristin und Mädchen für alles und wird dementsprechend herumgeschubst; Cora, Nellies beste Freundin, spielt mehr schlecht als recht Keyboard und ist ständig überbesorgt und überängstlich, was man von dem überaus coolen Schlagzeuger Danny nun überhaupt nicht sagen kann: Sprücheklopfend, flippt er hin und wieder aus, doch immer wieder versöhnlich, der seine Gefühle auf das Schlagzeug überträgt. Und während sie sich mitten im Chaos ihrer Probe, und in ihrer gewohnten Zankerei befinden, fällt Nellie plötzlich um. Pardauz, einfach so, liegt sie am Boden, und alle anderen verlieren den Kopf. Beim erstenmal. Beim drittenmal schleppt Cora sie zum Arzt – ein viertes Mal gibt es nicht mehr. Da liegt Nellie bereits im Krankenhaus. Was sich dazwischen und davor abspielt, haben Lutz Hübner, Jahrgang 1964, Autor, Schauspieler und Regisseur sowie Franziska Steiof, bekannte Regisseurin am Grips, sehr schnell, sehr intensiv arrangiert - mit jener sentimental-aufbegehrenden Trotzigkeit junger Menschen, die sich nicht von irgendwelchen Schicksalsschlägen unterkriegen lassen wollen. Nicht einmal vom Tod. Und hier beginnt natürlich das eigentliche Drama: Wie gehen wir, ob jung oder alt, mit dem Tod um, dem Verlust eines vertrauten, geliebten Menschen, mit dem Verlust – wie in diesem Falle – vielleicht auch der gemeinsamen Karriere und Existenz. Wie verkraften wir das Unfassbare, wie können wir trösten - sollen wir trösten? Sollen wir uns aufdrängen oder diskret im Hintergrund bleiben, den Kranken, den Sterbenden allein lassen, weil er es in seiner eigenen Verzweiflung vielleicht so will – und was will er wirklich? Wie erfahren wir, was in dem anderen angesichts des Todes vor sich geht, was geht eigentlich in uns selber vor? Gestehen wir uns unsere Hilflosigkeit, unsere Verzweiflung, unsere Gefühle ein, wie können wir helfen, wie können wir wirklich trauern? Fragen, die einem Theater gut anstehen – aber es ist auch ein wahnsinnig schwer zu inszenierendes Thema. Die Bühne ist vorwiegend auf die Band ausgerichtet, die in irgendeinem großen dunklen Kellerraum hinter einem Drahtverhau proben darf; dahinter führt die Treppe hinaus auf eine kleine Plattform mit einer Tür – für Auf- und Abgänge – zum Ausgang nach oben. Während der Proben entwickelt sich das Drama um Nellies plötzliche Erkrankung – und es gerät nicht nur der Termin des großen Auftritts ins Wanken, sondern vor allem die Psyche und die Herzen der vier Freunde. Wie geht jeder einzelne mit dem unfassbaren Ereignis um, wer hilft wem, und was für eine ungeheure Chance gibt auch die freigewordene Dominanz von Nellie plötzlich der stillen, bescheidenen Tina? Und dann kehrt Nellie zurück, eine Comeback auf Zeit, jeder weiß es – sie muss Abschied nehmen. Die anderen müssen weiterleben. A.C.
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