Der kleine Prinz

von

Antoine de Saint-Exupéry

Eine Botschaft für das Herz
 

Carrousel Theater

Aus dem Französischen von Grete und Josef Leitgeb

Regie: Uwe Cramer

Bühne und Kostüme: Ulv Jakobsen

Musik: wahre schule produktion

Dramaturgie: Stephan Weiland

mit

Birgit Berthold, Joanne Hicks, Sibylle Prätsch, Karin Reif, Ulrich Blöcher, Lutz Dechant, Helmut Geffke, Ralph Hensel, Christian Keiser, Dieter Korthals, Benjamin Plath, Peter Princz

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Mucksmäuschenstill waren alle Kinder, und sie waren zum Teil noch sehr jung und verstanden bestimmt nicht viel von dem, was da auf der Bühne gesprochen und dargestellt wurde. Aber sie fühlten ganz sicher, dass sich hier etwas ganz Eigenartiges abspielte, etwas, das weit über ihr Fassungsvermögen hinaus ging, sie aber tief berührte. Manchem Erwachsenen mag es ebenso ergangen sein.

 

Die eigentliche Faszination geht in dieser Inszenierung von der phantasievollen Bühne aus, dem schillernden Farben- und Lichtspiel und einer wunderbaren Choreografie. Die von Ulv Jakobsen entworfenen Kostüme unterstreichen das koboldhafte und kindliche Wesen des Kleinen Prinzen, lassen seine schöne und kühle Rose in sinnlichem Rot leuchten, hüllen die Wüstenschlange in das Goldbraun ihrer Sandburg. Die Sternen- und Geldzähler hocken in grauen Anzügen vor ihren Registrierkassen und sind längst blind geworden für die Schönheit und den wahren Wert der Welt. Der bürokratische Geograph verschwindet gar in seinem keimfreien und weltfernen Guckkastenhäuschen hinter schützenden Aktenordnern, während der überspannte Herrscher, der die Grenzen seiner Macht und Möglichkeiten  logisch einzuordnen weiß, auf einem imaginären Video erscheint, also nicht wirklich von dieser Welt ist. Dagegen sind die vier eitlen Transvestiten, die so wenig zu ihrem Glück bedürfen, als das man nur ihre äußere Hülle zu bewundern braucht, recht realistisch. Unter den vielen seltsamen Begegnungen, die der Kleine Prinz auf seiner Reise gemacht hat und nun dem einsamen und verzweifelten Piloten erzählt, gehört auch eine zarte Liebesgeschichte: Seine Begegnung mit einem weisen Fuchs, der weiß, das seine „Zähmung", seine freiwillige Entscheidung, jemandem anzugehören, ihm Sicherheit und Geborgenheit verspricht. Leider verliert   diese Szene durch allzu große Skurrilität an Sensibilität.

Der Mann, der da mitten in der Wüste ängstlich und durstend versucht, sein defektes Flugzeug zu reparieren, erlebt diese Situation mit neu erwachten Sinnen - von der überwältigenden Schönheit des nächtlichen Firmaments, von der Kühle der Wüstennächte und ihren zauberhaften Sternschnuppen ebenso in den Bann gezogen wie von der täglichen Glut der Sonne und dem vielfältigem Farbspiel des Wüstensands. Auf einer der zahlreichen Sternschnuppen ist der kleine Prinz bei ihm angekommen und fordert ebenso freundlich wie hartnäckig: „Zeichne mir ein Schaf!" Und der Mann erinnert sich daran, als er ein Kind war und versuchte, etwas Ungeheures zu zeichnen: Eine Schlange, die ein ganzes Tier mit Haut und Haar verschlungen hat. Aber der oberflächliche Betrachter sah nur einen Hut! Einen Hut! Das wahrhaft Phantastische blieb unter der äußeren Hülle verborgen. Aber der kleine Prinz erkennt sofort, was sich darunter verbirgt. Er kann noch mit dem Herzen sehen... und erzählt nun dem Fremden mit selbstverständlicher Vertrautheit von seiner kleinen Heimat, auf der es nur eine Blume gibt, eine Rose, die er liebt und pflegt, und drei Vulkane, von denen einer erloschen ist. Der kleine Prinz aber ist einsam, er möchte ein Schaf haben, das ihm Gesellschaft leistet. Und der Erwachsene versteht nun auch das Kind und zeichnet ihm einen Stall, in dem das Schaf wohnt und einen Maulkorb, damit es die Rose nicht auffressen kann. Wesentlich ist das, was hinter der Hülle ist...

Der kleine Prinz hat Seltsames erfahren auf seinem Sternenflug zur Erde. So zum Beispiel, dass man sich nur das wünschen darf, was auch möglich ist; dass man die Wunder der Welt erleben und bewahren muss und nicht in Geldwerte umwandeln sollte; dass man für Menschen, Tiere und Blumen, mit denen man lebt, Verantwortung trägt; dass Forschung lebendig bleiben muss und nicht erstarren darf; dass Liebe schmerzhaft ist, und dass man die kindlichen Sehnsüchte eines Tages aufgeben muss, um als einsichtiger, reifer Mensch wiedergeboren zu werden...

  Ein Märchen, das in 140 Sprachen übersetzt  wurde und in 80 Millionen Exemplaren um die Welt reiste: „Der Mensch sieht nur mit dem Herzen wirklich gut – das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." sagte der Fuchs. - „Warum sprichst Du immer in Rätseln? fragte der Kleine Prinz. „Ich löse sie alle", antwortete die Schlange. A.C.