Klamms Krieg

von

Kai  Hensel

 

Ein dramatischer Monolog 

über zerbrochene Ideale

 

 

Grips Theater

Regie: Panhans

Bühne: Schöne

mit:

 Frank Engelhardt

nominiert für den Friedrich Luft Preis

 

Zurück

 

Eine Abiturientenklasse hat ihrem Deutschlehrer den Kampf angesagt, nachdem sich einer von ihnen das Leben genommen hat –auf dem Schulhof an einem Baum erhängt. Die Klasse gibt Klamm die Schuld an dem tragischen Tod des Schülers, weil er ihm in der Abschlussklausur den letzten Punkt versagt hat, der ihn durchs Abi gebracht hätte. Nun steht dieser Klamm, noch nicht alt und nicht mehr jung, verbittert, erschüttert, alleingelassen von Kollegen und Schülern, vor seinen Schülern und versucht, diesen Krieg auf seine Art zu führen: wechselweise mal munter und locker, dann sarkastisch, verbittert, rachelüstern, am Ende resigniert. Aber sein Feldzug trifft auf eine Mauer, auf totale Verweigerung; er hat keinen Gegner, mit dem er sich auseinandersetzen, dem er seine verlorenen Ideale um Bildung und Werte nahe bringen kann. Dieses Theaterstück des Berliner Autors Kai Hensel ist das zur Zeit am meisten in Deutschland gespielte Stück, es läuft in 30 Inszenierungen. Seitdem es Daniel Minetti vor zwei Jahren erstmals in einer außerordentlichen Interpretation in Dresden und dann in vielen anderen Bundesländern von Bühne zu Bühne und von Schule zu Schule gebracht hat, hat es einen breiten Diskussionsraum eingenommen.

Jetzt hat sich auch das Grips Theater ein Herz gefasst und dieses äußerst subtile, psychologisch konsequent aufgebaute Drama mit Frank Engelhardt in der Titelrolle auf die Werkstattbühnen des Schillertheaters gebracht. Dort müht sich Klamm (eingerahmt von vier weißen Stellwänden, von Pult zu Pult springend und mit Hilfe eines nutzlosen Diaprojektors), den Schülern sein Verständnis von Bildung und Leistung nahe zu bringen. Doch angesichts einer überwiegend desinteressierten Schülerschaft nimmt seine Verzweiflung gefährliche Formen von Wut und Hass an.

Engelhardt gelingt der Spagat zwischen einem munter herumkaspernden, sich anbiedernden Typen und einer nach und nach mehr in sich zusammenfallenden Persönlichkeit nur teilweise. Vielleicht, weil bei ihm nur andeutungsweise die Zerrissenheit und Verletztheit des Menschen Klamm sichtbar wird und, weil im Mittelpunkt dieser Inszenierung von Frank Panhans vornehmlich die Kritik an einem Schulsystem steht, das die Jagd nach Noten und Punkten mit einem schnellen Erfolg ohne nachhaltiges Bemühen als oberstes Ziel ansieht.

  s. Aufführungsbesprechung in Dresden A.C.