norway.today

von

Igor Bauersima

 

  Der Todessprung findet nicht statt

 

 

Grips Theater

Regie: Franziska Steiof

Bühne/Kostüme: Fischer-Dieskau

Mit Angret Holicki, Berghofer

 

nominiert für den Friedrich Luft Preis

 

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Nach einer wahren Begebenheit: Zwei mit sich und der Welt unzufriedene Kinder des Wohlstands wollen erleben, was sie bislang noch nicht bekommen haben: den Tod. Dazu mailen sie miteinander, fliegen nach Norwegen und schlagen ihr Zelt hoch oben in   den Bergen über einem Fjord auf. Die Landschaft überwältigt sie, die Erotik bindet sie,  und der mühsame Abschiedsgruß vom Leben per Videokamera erschöpft sie. Schließlich fliehen sie den Ort, der ihnen einen neuen Lebensinhalt gab: sich selbst gegenüber ehrlich, „echt“ zu sein und an- und miteinander zu reifen. Das alles spielen Angret Holicki (Julie) und Mathias Schlung (August) sehr lebendig, sehr differenziert. Das Bühnenbild (Mathias Fischer-Dieskau) vermittelt ein eindrucksvolles Panorama inclusive flirrendem Nordlicht; die an die Rückwand des Himmels projizierten Gedanken und Gefühle von Julie und August verleihen dem Stück eine weitere plastische Dimension, entsprechen aber nicht den wahren Gedanken und Gefühlen der Beiden. Ihre Abschiedsworte klingen fahl und falsch, ihr geplanter Freitod wird damit in Frage gestellt. Das Grauen allerdings angesichts solch eines entsetzlichen Vorhabens, das in dem realen Todesrendevouz ja auch sein tragisches Ende fand, kommt in dieser Inszenierung von Franziska Steiof nicht rüber. Auch bleibt die Frage offen, ob diese Theaterfassung ausreicht, um Jugenddepressionen zu heilen und den betroffenen Eltern eine Lebenshilfe zu geben.

Noch immer wird dieses schreckliche Stück auf Berliner Off-Bühnen gespielt – Gott weiß warum. A.C.