Das Versprechen von |
Wenn die Wut zur Obsession wird
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Für die Bühne bearbeitet von Armin Petras; Uraufführung (Übernahme vom Thalia Theater Hamburg) Regie: Armin Petras, Bühne und Kostüme: Susanne Schuboth, Musik: Sir Henry, Dramaturgie: Juliane Koepp/Carmen Wolfram
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Friedrich Dürrenmatt hat die Erzählung "Das Versprechen" nach seinem Drehbuch für den Film "Es geschah am helllichten Tag" mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe geschrieben; zu verstehen als psychologische Weiterführung eines faszinierenden Gedankenganges. Armin Petras hat jetzt diese Fassung wiederum zum Vorbild für ein Theaterstück genommen, um dieses "Requiem auf einen Kriminalroman" (Dürrenmatt) noch einmal theatralisch auf den Punkt zu bringen. Und er hat trotz aller Haken und Ösen, die nun einmal die Umsetzung einer literarischen Vorlage für die Bühne als stehendes Bildsujet hat, in einen spannenden Abend verwandelt. Bereits in Hamburg gut gelobt, fand es nun auch am Berliner Maxim Gorki Theater große Beachtung und rückt mit Peter Kurth als Hauptkommissar Schwarz und Fritzi Haberlandt als Chrissi das Protagonistengespann dieser Saison in den Mittelpunkt. Die Handlung im Theaterfassung spitzt sich einzig und allein auf den Hauptkommissar als tragische Persönlichkeit zu. Er hat bislang ergebnislos in einem der schrecklichsten Verbrechen unserer Welt ermittelt und versucht, den Mörder eines kleinen Mädchen aufzuspüren. Da wird er in die Ferien entlassen, er soll weit fort nach Jordanien. Es ist nicht ganz klar, warum. Wichtig ist auch nur, dass er sich der Anordnung widersetzt und auf eigene Verantwortung hin seine Ermittlungen fortsetzt. Er hat der Mutter des Mädchens das Versprechen gegeben, dessen Mörder zu finden. Und das macht ihn zum Gefangenen seines Berufsethos', mehr zum Gefangenen seiner selbst, seiner besessenen Wut auf alle krankhaften Monster in unserer Welt, die kleine Kinder missbrauchen und morden. Und er denkt sich einen Plan aus, dem er bis zur Wahnhaftigkeit verfällt: Er kauft eine heruntergekommene Tankstelle für eine Menge Geld und läßt sich dort nieder, holt eine Frau und ihr kleines liebes Mädchen zu sich und wartet - mit dem Kind als Lockvogel - auf den Mörder. Seine Wahrscheinlichkeitsrechnung ist 50 zu 50, wenn er Glück hat. Und eines Tages meldet sich, anscheinend, dieser Mörder. Denn er schenkt dem Kind, was er dem Kind, das er ermordete, auch geschenkt hat: kleine Igel als Lockmittel. Die Polizei wird alarmiert, stellt eine Falle, umzingelt das Gebiet, in dem der Mann sich angeblich mit dem Kind treffen will. Das Kind ahnt nichts von der tödlichen Gefahr, die ihm im Wald droht - doch der Mörder erscheint nicht. Diesmal nicht. Noch nicht. Feuer lodern hinter der gebogenen Bühnenbahn auf, die Mutter des Mädchens trennt sich enttäuscht von dem Mann, dem sie noch einmal nach all ihren Enttäuschungen vertraute, das Mädchen wird uns später als Erzählerin durch das Stück leiten. Das Ende bleibt offen, zurück bleiben ein zerstörter Mann, eine geschockte Frau und ein harmlos naives Kind, das glücklicherweise nicht begreift, in welcher Gefahr es auch weiterhin schweben wird... Peter Kurth spielt diesen Kommissar
als einen in sich gekehrten, unbeirrbaren Verfolger, der sich absolut sicher ist,
dass der Mörder ein Wiederholungstäter ist. Er wartet und bereitet
unbeirrbar seine Falle vor; Seine Wut hat sich in kalte Rache verwandelt
(der Schnee rieselt unaufhörlich in dieser Inszenierung), seine Tränen
haben sich nach innen gekehrt, sein Gesicht ist rot und verschwollen,
seine Zärtlichkeit, mit der er Laura und Chrissi zu beschützen hofft,
zeigt seine große Verletzlichkeit. Fritzi Haberlandt spricht die
herangewachsene Tochter als Erzählerin mit noch immer kindhaftem
eifrigen Enthusiasmus, denn, daran ist kein Zweifel, sie liebt diesen
Ersatzvater sehr. Später, als sie sich in ein neunjähriges Mädchen mit
mageren Zöpfchen zurückverwandelt und langbeinig wie ein junges Fohlen
über die Bühne stakt, fröhlich quiekt und herumkaspert, findet sie auch
in die Herzen aller Zuschauer. |