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Theater im Palais
Fassung für das Theater: Birgid Gysi/Barbara Abend
Komposition: Ute Falkenau
Inszenierung: Barbara Abend
Es spielen:
Gabriele Streichhahn
Volker Ranisch
Carl Martin Spengler
und
Ute Falkenau
Kostüme: Angelika Schäfer/Christine Perthen
Masken: Uwe Pahl
Lichtgestaltung: Ulrich Müller
Aus dem Programmheft: In dem Roman "Der Geisterseher" von Friedrich von Schiller geht es um eine Verschwörung: nämlich das Komplott eines jesuitischen, vielleicht auch rosenkreuzerischen Geheimbundes, der einen evangelischen Erbfolger zur Konversion veranlasst. Schiller taucht ein in die zwielichtige und mystifizierte Welt der Geheimbünde, Logen, Komplotte; eine halb wirkliche, halb phantasierte Welt, welche die europäische Öffentlichkeit am Vorabend der Französischen Revolution in Atem hält.
Friedrich Schiller (1759-1805)
- Arzt und Dichter, Lieferant unzähliger Lebensweisheiten, Autor effektvoll konstruierter
Dramen um menschliche Größe und Niedertracht, ein Künstler,
der die Historie beim Schopfe packte, Ewig-Gültiges
herausfilterte und in neue Formen goss. Ein kämpferischer Geist,
Aufklärer und Kritiker von Machtmissbrauch jeglicher Art, der
Kirche und Staat schonungslos bloßstellte, ein Feuerkopf und
Philosoph, der die Freiheit "als sittliches Postulat der Menschenwürde" überzeugend verteidigte. Er schuf das Wort von der "Schaubühne als eine moralische Anstalt"; Er erhob, einen Anspruch, der von heutigen Regisseuren gerne als "Schnee von gestern" abgetan wird...
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Das Theater im Palais,
das gerne Dichter und Denker in Sentenzen spricht
und spielt, hat nun zum Schiller-Todesjahr eben diese
Geschichte hervorgeholt, sich mit dem historischen Hintergrund eingehend
befasst und nun den Geschichtenerzähler Schiller auf die kleine
Kammerbühne gebracht, wo das skurrile Gedankengespinnst "Der Geisterseher" fröhliche Urständ
feiert. Mitten in einer schwierigen Schaffensperiode (Schiller arbeitete gerade
an Don Carlos) setzte er sich
1786 hin und verfasste - zur Entspannung! -einen Krimi in
Fortsetzungen, der ihm, man höre und staune, sein höchstes
Honorar einbrachte. Jetzt haben Barbara Abend und Birgid Gysi ein kleines Kammerspiel daraus geformt, dem es nicht an Spannung, wohl aber an theatralischem Schwung ermangelt. Auch wird weder eine geschichtsphilosophische Betrachtung noch eine auf heutige Zeit übertragbares Konzept ersichtlich, es sei denn, man betrachtet die "unsichtbare Hand" nicht als "Betriebsgeheimnis der Geschichte", sondern mit Adam Smith als Allegorie des Mechanismus der modernen Marktwirtschaft.
Auf der dunklen Bühne stehen nach Art des Hauses drei schwarz gewandete
Schauspieler; die Unheimlichkeit ihres Auftrags wird durch dunkle Konturen
der Augenpartie signalisiert. Sie beginnen lehrreich, etwas zu rasch
und überraschend mit einer Einführung in die Stimmung
jener Zeit, als Geheimbünde oft weitreichenden Einfluss
auf Politik und Machtstrukturen nahmen, und man sich
gerne mit okkulten Phantasien abgab, als ein Cagliostro mit seinen unheimlichen Vorhersagen
die Menschen in seinen Bann zog und Scharlatane, Hellseher und
echte Wissenschaft um Glaubwürdigkeit wetteiferten.
Abwechselnd schlüpfen Streichhahn, Ranisch und Spengler in die Rollen des
Erzählers und der auftretenden Personen um den fremden Prinzen,
der in Venedig eine Zeit des Amüsements verbringt. Nach und
nach umwickelt ihn ein Knäul geheimnisvoller Ereignisse, denen er teils ängstlich,
teils neugierig folgt, und die ihn in die Welt
des Spiritismus einführen. Er versucht - als aufgeklärter Mensch -
mit Verstand den Phänomenen auf den Grund zu gehen.
Er erfährt, wie man ihn irreführte, mit Donnerschlag
und Lichtblitzen, Maskenhokuspokus (sehr eindrucksvoll von Uwe Pahl!) und raffinierten Tricks. Doch alle Logik, aller Realitätssinn wenden sich für den sensiblen Prinzen (Volker Ranisch passt wunderbar in dessen Haut), der sich mehr dem Rausch als der Forschung hingibt, schon bald wieder neuen Zweifeln zu. Wieder wird er eingefangen, in dämonisches Garn gehüllt, durch geheimnisvolle dunkle Figuren und Manipulationen mit der Droge der Mystik verführt und erfährt durch lange und geschickte Manipulation sozusagen eine "Gehirnwäsche". Schließlich konvertiert der evangelische Erbfolger eines europäischen Königshauses, er tritt zum katholischen Glauben über und wird damit auch seine längst - durch Lustbarkeiten, Spiel und Tändelei -verpfändeten Pfründe der Kirche übereignen.
Es empfiehlt sich in jedem Fall, das sehr informativ zusammengestellte Programmheft vorab zu lesen. Dann kann man vielleicht von der Theter-Oberfläche weiter hinab in die Tiefe jener Zeit tauchen, die auch heutzutage in vielen Filmen und Romanen ein publikumswirksames Kolorit für eine illusionistische Nostalgie schafft. A.C.
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