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Der
Sturm
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Zwiespältig ist der Mensch...
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eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2008 Inszenierung: Bearbeitung und Regie: Stefan Pucher, deutsch von Jens Roselt, Bühne: Barbara Ehnes, Kostüme Annabelle Witt, Musik Marcel Blatti, Dramaturgie Matthias Günther, Video Chris Kondek, Licht Stephan Mariani Mit: Peter Brombacher, René Dumont, Walter Hess, Oliver Mallison, Stefan Merki, Bernd Moss, Wolfgang Pregler, Hildegard Schmahl, Thomas Schmauser, Katharina Schubert, Jörg Witte und Joy Maria Bai, Annika Olbrich, Julia Schmelzle |
Man vergisst so oft und sehr leicht, dass Shakespeares „Sturm“ auch ein absurdes Stück ist, ein humoreskes Gedankenspektakel mit psychologischem Tiefgang und dramaturgischem Drive. Und man ist geneigt angesichts des Titels auf einem Theaterspielplan, mit einer mehr oder beliebig akkurat-moralisch einwandfreien Darstellung zu rechnen. In München dachte man es anderes und überzeugte alle Welt, nur nicht alle Berliner. Das mag am Konkurrenzstreit liegen. Tatsache aber ist, dass uns hier auf der Bühne höchst groteske, höchst bizarre und höchst sonderbare Figuren begegnen, die uns sofort in einen eigenartigen Bann ziehen. Da ist Prospero, der entmachtete, auf eine einsame Insel vor Jahren abgesetzte Herrscher Mailands, ein Büchernarr, ein Weiser, ein Intellektueller. Mit Hildegard Schmahl erhält diese durchaus zwiespältige Person zugleich eine unnahbare Würde und Härte, eine sonderbare Mischung, der man Sympathie und Ablehnung gleichermaßen entgegenbringt. Denn ihr ganzes Denken ist auf Rache gerichtet. Ihr Hass ist unverbraucht und der Tag, an dem die Intrige Antonios, der das Schicksal Prosperos und seiner Tochter einst über Nacht einfädelte, gerächt werden kann, ist nicht mehr fern. Denn Ariel, der Luftgeist, den Prospero sich als gehorsamen, allgegenwärtigen Diener herangezogen hat, weiß, dass des Bruders Flotte mit dem verbündeten Herrscher Neapels und dessen Sohn sich vor den Gestaden der Insel befindet. Ariel wird einen Sturm entfachen, die Schiffe teils stranden, teils entkommen lassen, die Mitglieder der herrschenden Clique allerdings verwirrt und getrennt an die Küste werfen und ihr Schiff in eine rettende Bucht zaubern. Das ist die eine, die klassische Geschichte aller Dramen, die sich zwischen verfeindeten Brüdern abzeichnet. Die anderen Handlungsstränge aber erst zeigen die fein gesponnenen Nerven des Spiels, nämlich die tiefgründigen Analysen menschlichen Bemühens, aus der seelischen Gefangenschaft von Rache, Hass und Wut noch den Ausweg zur christlichen Vergebung, zur Menschlichkeit, zur Selbst-Überhöhung zu finden.
Prospero nämlich ist nicht allein der Bedauernswerte, der Betrogene, der
Verbannte, dem man allerdings seine Bücher ließ, die er nutzte, um sich
den Luftgeist Ariel gefügig zu machen. Flimmernde Videoeinblendungen an
den Wänden zeigen die Härte des Mailänders, der Ariel, den er, von einer
bösartigen Zauberin in Ketten gefesselt, in einem Baumspalt fand, hin
und wieder an seine fürchterlichen Qualen zu erinnern beliebt! Dann
verändern sich Haltung und die Stimmlage der würdigen
Prospero-Darstellerin: straff und stählern verfügt sie ihre nächsten
Anordnungen – die sich in Gedankenschnelle erfüllen. Ariel, ein
wunderbar wandlungsfähiger, doch ewig trauriger, ziemlich menschlicher
Geist findet in Wolfgang Pregler eine vorzügliche Interpretation;
sehnsüchtig auf die versprochene Freilassung hoffend, wenn er den Bruder
samt Gefolge, Ferdinand und die Narren in alle Himmelsrichtungen
verteilt und mit einigen Zaubertricks verwirrt und lenkt. Die Bühne ist von Barbara Ehnes sehr wandelbar zu verschieben, die Wände täuschen den Zauberwald vor, die Videos den Schiffbruch á la Inszenierungsglosse, sowie das Studierzimmer als eine nicht ganz einwandfreie moralische Klause. A.C.
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