Der zerbrochene Krug

von
Heinrich von Kleist

 

 

 

Hinter den Brettern 

ist die normale Welt zu Ende

 1806 in Königsberg vollendet>

Maxim Gorki Theater

Regie: Alexander Lang
Bühne und Kostüme: Stephan Fernau
Dramaturgie: Gesine Schmidt

mit:

Klaus Chatten, Gerichtsrat Walter; Götz Schubert als Dorfrichter Adam; Norman Schenk als Schreiber Licht; Rosa Enskat als Marthe Rull; Anna Kubin als deren Tochter Eve; Tim Hoffmann als Bauer Tümpel; Felix Recht als sein Sohn Ruprecht; Monika Lennartz als Zeugin Frau Brigitte und Ika Willner als des Richters Dienstmagd

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Zu allem Unglück hat sich auch noch der Gerichtsrat angesagt, der einmal überraschend seine Richter auf dem Lande inspizieren möchte, wohl ahnend, dass sich hier eine seltsame Art der Gerichtsbarkeit breit gemacht hat.

Nun hat Kleist ein wirkliches Kabinettstückchen verfasst, in dem der olle Richter Adam einem Techtelmechtel mit einer jungen Deern nicht abgeneigt, diese gar arglistig des Nachts in ihrer Kammer bedrängt hat. Von der wackeren Maid wurde er nicht nur in die Flucht geschlagen wird, sondern er bezieht obendrein von Eve's Verehrer, den sie eigentlich erwartet 

Nun ist aus dem reizvoll aufgebauten Kleist'schen Schabernack nach Art von Alexander Lang eine ziemlich laute Burleske geworden, grotesk in Kleidung und Mimik, Perücken und gestelzten Gesten, bis in die flotten Tänzchen hinein, mit denen das holländische Bauernvölkchen mit seinem Richter als Anführer - an die herrlichen Bilder Peter Breughels erinnernd - den zunächst noch behäbig jovial erscheinenden Gerichtsrat zur Verzweiflung treibt.

Dagegen wäre nichts zu sagen, wäre es nur kurzweilig genug ( das Ganze ist als flott herunterzuspielender Einakter gedacht!), und würde der großartige Götz Schubert sich nicht sichtbar als alter ego seines Regisseurs aufführen: Da sind die Lang'schen langen Arme, die hin- und herschwenken, der nach vorn geneigte Kopf, das Poltern und Wüten, das  Schlaksige, das scheinbar Unbeholfene, alle Gesten, alle Temperamentsausbrüche: Lang pur in seinen letzten Rollen. Warum? Denn Schubert hätte diesem Adam ganz sicher auch ohne permanentes Wüten und Jammern im Verlauf des Geschehens durchaus mehr Differenzierung geben können. A. C.