Die Perser

 von

 Aischylos

 

 

Racheorgie "mit bester Absicht"

    

  Orphtheater

Regie: Matthias Horn
Dramaturgie: Eckart Seilacher
Regieassistenz: Kerstin Freyer
Bühne: Andreas H. Gratze
Kostüme: Kathrin Hegeduesch
Musik: Markus Goetze
Live Percussion: Jascha Horn, Phillipp Witt
Licht und Technische Leitung: Didi Abrotat
Schauspiel: Antje Goerner, Reiner Dunkl, Hans Juergen Pabst, Chris Urwyler, Andreas Uehlein

Weitere Vorstellungen finden statt am 13.-16., 20.-23. und 27.-30.4.2006, sowie 4.-7.5.2006, jeweils um 20 Uhr

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Der Abend beginnt, indem das Publikum in eine Art Arena geführt wird. Die einreihigen Sitze stehen auf Podesten, die mit Gittern zu einer tiefer liegenden Bühnenfläche abgegrenzt sind. Die Bühne ist gefüllt mit Sand, in dem man im Halbdunkel vier liegende Personen und einen Sitzenden ausmachen kann, die bewegungslos verharren, wie nach einem Kampf. Alle sind in schäbige Leinen- und Lederfetzen gekleidet, mit Ellenbogenschoner, Gürtel oder Lendenschurz versehen, was eher an römische Gladiatoren erinnert als an persische Krieger. Dazu dringt im Rhythmus ein einzelner, sich wiederholender Ton aus den Lautsprechern. Das Anfangsbild vermittelt Endgültigkeit, Ende und Tod.

Die Bühnenanordnung, die keinen Ausgang zulässt, hat den Nachteil dass man sich der Möglichkeit der Auftritte und Abgänge beraubt, was es dem Publikum erschwert, einem Handlungsstrang zu folgen. Die Darsteller nehmen immer wieder andere Rollen ein, deren neue Identität etwa mit dem Anlegen eines Umhanges gekennzeichnet wird. Auch die Bedeutung ihres Abgangs wird nicht immer verständlich. Dadurch verliert das Stück Einiges an Struktur, was auch Musik und Licht nicht ausgleichen können.

Das Spiel beginnt mit einem Trommelrhythmus, die Darsteller erheben sich langsam und deklamieren nun gemeinsam die Hymne von dem kühnen Heer, welches unter Xerxes, ihrem Gottkönig, auszog, die Griechen zu unterwerfen. Die persischen Fürsten aber wähnen sich in Unsicherheit und befragen schließlich Atossa, die Königsmutter, was zu tun sei. Sie antwortet mit einem unheilsvollen Traum, der von den Fürsten aber sofort beschönigt wird. Man entschließt sich daher, im Gegensatz zur Originalversion des Aischylos, selbst einen Boten zu bestimmen, der genaue Nachrichten vom Ausgang des Kampfes überbringen soll. Dieser berichtet dann realistisch vom Untergang der persischen Flotte bei Salamis und den gefallenen Helden. Xerxes, der unglückliche Perserkönig, verfällt in Jämmerlichkeit, und es setzt ein großes Wehklagen unter seinen Getreuen ein. So entschließt man sich, den toten Gottkönig Dareios zu beschwören, damit er ihnen einen Rat gebe. Dessen Auftreten allerdings mündet in einer Abrechnungs- und Racheorgie, in der jeder gegen jeden kämpft. Der Abend endet mit den Worten „mit bester Absicht“ und man erfährt, dass es doch einen Ausgang aus dieser Arena gibt, wenn auch nur für die Schauspieler.

Aischylos Stück „Die Perser“ wurde 472 v.Chr., also acht Jahre nach der Schlacht bei Salamis, erstmalig aufgeführt. Es ist eines der ersten erhalten geblieben Theaterstücke der Weltgeschichte, und ist ein Trauergesang voll des Patriotismus' und edlen Großmuts gegenüber den Besiegten. Das Orphtheater macht daraus einen Kampf ohne Ziel. Es wird hauptsächlich deklamiert, die Figuren bleiben farblos, und die wenigen feingesponnenen Momente, wie etwa das ungeduldige Warten der persischen Fürsten auf das Ende des Gebetes von Atossa, gehen im Spiel unter. Empfehlen kann man diese Aufführung allen, die einmal ein antikes Drama sehen möchten, aber sie sollten vorher ( oder nachher) doch lieber den Originaltext lesen.
Matthias Herbig