| Der Abend beginnt, indem das Publikum
in eine Art Arena geführt wird. Die einreihigen Sitze stehen
auf Podesten, die mit Gittern zu einer tiefer liegenden Bühnenfläche
abgegrenzt sind. Die Bühne
ist gefüllt mit Sand, in dem man im Halbdunkel vier liegende
Personen und einen Sitzenden ausmachen kann, die bewegungslos
verharren, wie nach einem Kampf. Alle sind in schäbige Leinen-
und Lederfetzen gekleidet, mit Ellenbogenschoner, Gürtel oder
Lendenschurz versehen, was eher an römische Gladiatoren
erinnert als an persische Krieger. Dazu dringt im Rhythmus ein
einzelner, sich wiederholender Ton aus den Lautsprechern. Das
Anfangsbild vermittelt Endgültigkeit, Ende und Tod.
Die Bühnenanordnung, die keinen
Ausgang zulässt, hat den Nachteil dass man sich der Möglichkeit
der Auftritte und Abgänge beraubt, was es dem Publikum
erschwert, einem Handlungsstrang zu folgen. Die Darsteller
nehmen immer wieder andere Rollen ein, deren neue Identität
etwa mit dem Anlegen eines Umhanges gekennzeichnet wird. Auch
die Bedeutung ihres Abgangs wird nicht immer verständlich.
Dadurch verliert das Stück Einiges
an Struktur, was auch Musik und Licht nicht ausgleichen können.
Das Spiel beginnt mit einem
Trommelrhythmus, die Darsteller erheben sich langsam und
deklamieren nun gemeinsam die Hymne von dem kühnen Heer,
welches unter Xerxes, ihrem Gottkönig, auszog, die Griechen zu
unterwerfen. Die persischen Fürsten aber wähnen sich in
Unsicherheit und befragen schließlich Atossa, die Königsmutter,
was zu tun sei. Sie antwortet mit einem unheilsvollen Traum, der
von den Fürsten aber sofort beschönigt wird. Man entschließt
sich daher, im Gegensatz zur Originalversion des Aischylos,
selbst einen Boten zu bestimmen, der genaue Nachrichten vom
Ausgang des Kampfes überbringen soll. Dieser berichtet dann
realistisch vom Untergang der persischen Flotte bei Salamis und
den gefallenen Helden. Xerxes, der unglückliche Perserkönig,
verfällt in Jämmerlichkeit, und es setzt ein großes Wehklagen
unter seinen Getreuen ein. So entschließt man sich, den toten
Gottkönig Dareios zu beschwören, damit er ihnen einen Rat
gebe. Dessen Auftreten allerdings mündet in einer Abrechnungs-
und Racheorgie, in der jeder gegen jeden kämpft. Der Abend
endet mit den Worten „mit bester Absicht“ und man erfährt,
dass es doch einen Ausgang aus dieser Arena gibt, wenn auch nur
für die Schauspieler.
Aischylos Stück „Die Perser“
wurde 472 v.Chr., also acht Jahre nach der Schlacht bei Salamis,
erstmalig aufgeführt. Es ist eines der ersten erhalten
geblieben Theaterstücke der Weltgeschichte, und ist ein
Trauergesang voll des Patriotismus' und edlen Großmuts gegenüber
den Besiegten. Das Orphtheater macht daraus einen Kampf ohne
Ziel. Es wird hauptsächlich deklamiert, die Figuren bleiben
farblos, und die wenigen feingesponnenen Momente, wie etwa das
ungeduldige Warten der persischen Fürsten auf das Ende des
Gebetes von Atossa, gehen im Spiel unter. Empfehlen kann man
diese Aufführung allen, die einmal ein antikes Drama sehen möchten,
aber sie sollten vorher ( oder nachher) doch lieber den
Originaltext lesen.
Matthias Herbig
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