|
Die Räuber
von |
Eine Räuberbande macht noch keinen Schiller
|
|
|
Schaubühne Regie: Lars
Eidinger; Bühne: Christoph Rufer; Kostüme: Esther&Lena Krapiwnikow;
Akkordeon: Jan Jachmann; Kampfchoreographie: Thilo Mandel; Dramaturgie:
Irina Szodruch mit: Grégore Gros (Schweizer), Toni Jessen (Roller/Razmann), Birte Schöink, Claudius von Stolzmann (Spiegelberg), Tilmann Strauß (Karl von Moor), Felix Tittel (Schuftlerle /Schwarz), Sebastian Zimmler (Franz von Moor) (alle 3. Studienjahr Schauspiel) und Urs Jucker (Maximilian von Moor) |
Es ist immer höchst problematisch, klassische Texte in ein modernes Ambiente zu übertragen, auch wenn sie wie hier in dem dramatischen Konflikt zwischen Vater und Söhnen menschliche Ängste und Eigenschaften in tragischer Konsequenz vorführen. Wenn sich Minderwertigkeitsgefühl in Neid und Missgunst, Vernachlässigung sich in Verwahrlosung verwandeln, wenn sich der individuelle Frust auf eine ganze Gesellschaft ausweitet und das missachtete Liebesverlangen sich den Ausweg in mörderischer Rache sucht, dann sind das so allerhand Themen, die es geben wird, solange die Menschheit existiert. Doch was bewirkt es anderes als
Verwirrung, wenn der von dem geliebten Sohn vernachlässigte, vom dem
missachteten Sohn getäuschte Vater sich, dickleibig unterfüttert und
unbeweglich im beigefarbenen Ledersitzmöbel röchelnd, vor dem Fernseher
räkelt, wie glaubwürdig ist das derb-fröhliche Saufgelage der
freiheitstrunkenen Studentengruppe in idyllischer Gartenkneipe, wenn
sich hinter dieser Gruppe um Karl Moor eine dermaßen brutale Bande
versteckt, die so manchen terroristischen Killer das Fürchten lehren
könnte? Insgesamt bleibt diese Inszenierung seltsam unausgewogen und unschlüssig: Der Entwicklung des getäuschten und enttäuschten Karl vom liberalen Studenten zum Räuberhauptmann gibt sie eigentlich nur wenig Raum, dafür zieht sich das Ende der Verwirrungen, Enthüllungen und Morde - an Franz Moor durch die Räuber und an Amalie durch den Geliebten Karl - mit endlosem dramatischen Einsatz hin, angefangen vom Herzversagen des entsetzten Vaters Maximilian. Die überaus einsatzfreudigen Darsteller lassen sehr bald erkennen, welchem Genre sie sich wohl zuordnen mögen: Da sind u.a. der intrigante harte Typus des Juden Moritz Spiegelberg und sein Gegenpart, der loyale Freund Schweizer, sowie die Mitläufer Grimm, Razmann, Schuftlerle, Roller, Kosinsky und Schwarz, die von emphatischen Freiheitsdenkern zu radikalen Banditen und Mördern mutierten. Urs Jucker scheint der Lehrmeister dieses theatralisch hochgeputschten Nachwuchsensembles zu sein. A.C.
|