Kabale und Liebe von |
Schiller bürgerlich
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Regie: Florian Fiedler; Mit: Luise: Hanna Eichel; Miller: Robert Kuchenbuch; Wurm: Ronald Kukulies; Lady Milford: Hilke Altefrohne; Hofmarschall von Kalb: Michael Klammer; Ferdinand: Florian Stetter; Präsident von Walter Ruth Reinecke |
Einst nannte es sich: Bürgerliches Trauerspiel in fünf Akten und wurde am 13. April 1784 in Frankfurt a. M. uraufgeführt. Die Zuschauer, sofern jugendlich und bürgerlich, weinten sich um Luise und Ferdinand die Augen aus dem Kopf, und die Älteren wussten, was immer schon klar war: man bleibt möglichst in seinem Stand und strebt nicht nach Höherem. Sonst endet alles böse. Denn man weiß ja: die da oben bleiben doch unter sich und verstehen sich besser auf Ränke und Intrigen (Kabale), und der kleine Mann ist letztlich das Opfer. Wer sich aber, wie die unbescholtene 16jährige Musikertochter Luise in den schönen Major Ferdinand von Walther verliebt, tut gut daran, diese unselige Liaison möglichst bald zu beenden; Luise, die ein kluges Mädchen ist und und um die Unmöglichkeit eines glücklichen Ausgangs ihrer Liebe weiß, gibt gebrochenen Herzens ihren Ferdinand frei für eine standesgemäße Hochzeit mit der schönen Lady Milford. Bei Schiller scheiden sogar beide aus dem Leben und hinterlassen bei den Hinterbliebenen zumindest das Gefühl der Reue und Schuld und vielleicht auch die Gewissheit, dass Liebe stärker ist als alle familiären Bande und gesellschaftlichen Machtmechanismen. Ob es nun um den Oberst Max Piccolomini in "Wallenstein", die gläubige Jeanne d`Arc als Jungfrau von Orleans, Don Carlos als Infant von Spanien- oder wie hier um Luise und Ferdinand geht - immer sind es sehr junge, sehr emotionale, leidenschaftliche Menschen, die um Recht und Gerechtigkeit für ihr Leben kämpfen, um die Möglichkeit einer Freiheit, in der Moral keine fremde Vokabel, Ehrgefühl keine Phrase ist, und Besitzansprüche und Machtinteressen nicht in vorderster Front stehen.
Aber da das bis heute ein ebenso
frommer wie unerfüllter Wunschtraum geblieben ist, kann man die
Schillerschen Sturm- und Drangdramen durchaus noch mit aktueller
Fragestellung auf die Bühne bringen und für Abitursaufsätze
vorbereiten... Andrerseits aber erscheint eine modernisierte
Inszenierung außerordentlich problematisch zu sein, denn der Schillers
Stücke haben ihre Tücken, wenn man ihre Authentizität verlässt.
Luise ist zunächst ein naives kleines
Hascherl - ganz allerliebst sind ihr seliges Lächeln, das sie wie ein
Strahlenglanz umhüllt und ihr nicht zu fassendes Glück, als sie mit
Ferdinand in eine Musik-Welt hineintanzt, die mehr als nur Freiheit in
Ausdruck und Bewegung in sich birgt. Für Hanna Eichel eine große
Rolle, in der sie ihre Variationsfähigkeit unter Beweis stellen kann
und - ihre Bescheidenheit sowohl als Bürgerstochter als auch als
Schauspielerin. Denn wie sie nach und nach begreift, dass ihr
Ferdinand, all seinen Liebesschwüren und Treueversprechen zum Trotz
doch letztlich die Heirat mit der Lady vollziehen wird, gibt sie ihn
lieber vorher frei. Diesen Entschluss vollzieht sie nicht ohne
sichtbar schmerzlich zu leiden, doch voll stolzer Leidensfähigkeit.
Wie sehr ist sie dem hohen Stand überlegen, möchte man meinen. Denn
auch als sich die Lady ihr offenbart, dass sie zwar Ferdinand liebt,
ihn Luise aber dennoch freizugeben bereit ist, weil sie weiß, dass
andernfalls "drei Menschen unglücklich werden", kostet Luise diesen
Sieg nicht aus, sondern verstärkt nur leicht ihre aufrechte Haltung,
und obwohl scheinbar Siegerin, läßt sie die große Nebenbuhlerin ihre
Niederlage nicht fühlen. Als Hanna Eichel am Ende die Rollen ihres
Vaters und Ferdinands selber spricht und spielt - während diese nur
wie stumme Schatten vor dem überdimensionalen Spiegel verharren, fragt
man sich für einen Moment, welche Wirkung das Stück wohl erzielt
hätte, wenn Luise alles allein gesprochen hätte, denn erst da
treffen die Worte ins Herz. Was ist von Ferdinand zu sagen, der wie ein Irrwisch und wahnsinnig vor Liebe wie vor Eifersucht, taub wie ein Tor das Glück aller verspielt; Florian Stetter verkörpert die Schillerschen Helden allesamt in ihrer tragischen Entwicklung- s.o. - mit absoluter Hingabe und voller Kraft voraus! Ronald Kukulies ist ein beinahe würdiger Adjutant der Präsidentin, der Luise gar zu gerne besitzen möchte, und in seiner Eifersucht - und Loyalität zur Macht - kaltblütig und kalkulierbar die tödliche Intrige vorbereitet. Und Michael Klammer als Hofmarschall von Kalb, der als vermeintlicher Liebhaber von Luise das Fallbeil schwingen wird, macht aus seiner Rolle einen Clown, der herumkaspert, wackelt und schwankt, weich wie Knete und launig-lustig wie ein Entertainer dazu. Man weiß nicht so recht, ob so ein Mann als Staatsdiener damals wie heute zu gebrauchen wäre... A.C.
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