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Macbeth-Trauerspiel
von in der Übersetzung von Dorothea Tieck |
In der Schwärze der Macht...
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In der Reihe: Krieg-Macht-Leid Freie Fassung und Regie: Barbara Abend Bühnen- und Kostümbild: Christine Perthen Musik und am Klavier: Ute Falkenau Mit: Gabriele Streichhahn, Marion van de Kamp, Volker Ranisch, Peter Rauch und Carl Martin Spengler
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Wie entsetzlich wäre es, wenn der Mensch seine Zukunft kennen würde, welche Wege würde er suchen, um Leid zu verhindern und Glück herbeizuführen... In der griechischen Antike sagen die Götter durch ihre Seher menschliche Schicksale voraus; und der Mensch, der versucht, diesem auszuweichen, wird unweigerlich genau das erfahren, was ihm prophezeit wurde. In einer der gewaltigsten Tragödien von William Shakespeare wird der Kriegsmann Macbeth sein Schicksal, das ihm vorausgesagt wird und die Königswürde verspricht, gewaltsam herbeiführen. Er wird an seiner Dummheit zugrunde gehen, an Blindheit und Gier, an Machtbesessenheit und grenzenlosem Ehrgeiz. Er wird sinnlos morden, und alles verlieren, was er zu besitzen wünschte, und am Ende wird er seinem großen Irrtum erliegen: Er hat die mystischen Vorhersagen der Hexe seinem phantasielosen Geist entsprechend als real gedeutet, sich vom Schicksal geschützt geglaubt und damit sein Ende herbeigeführt. So sieht eine rasche Bilanz eines großen, immer wieder neu erprobten und in unendlichen Versionen bedeutungsschwer in Szene gesetzten Dramas aus. Das Theater im Palais verteilt nun über 20 Rollen auf seine sechs Stammspieler, kleidet sie in prachtvoll passende Kostüme einer imaginären Zeit - Mittelalter, Gegenwart, Zukunft zugleich - und lässt sie auf dunkler, leerer Bühne mit zwei rückwärtigen schmalen Ausgängen in verschiedenen Funktionen auf- und abtreten. Lichteffekte tauchen sie als visionär erscheinenden Chor in ein schemenhaftes Halbdunkel oder lassen sie als lebendige, kraftvolle Akteure einer unendlichen Geschichte wahrhaftig werden. Barbara Abend hat dazu eine spannungsgeladene, gekürzte Fassung des Shakespearedramas geschrieben und dabei die grenzenlose Machtgier und mörderische Skrupellosigkeit vor allem mit dem Entsetzen über die tiefschwarzen Abgründe menschlichen Handelns in einen historischen Kontext gestellt. Die Mörder, Macbeth und seine Frau, werden durch ihre Taten in den Wahnsinn getrieben; gleichermaßen getrieben von niedrigsten Machtinstinkten und höllischer Gewissenspein müssen sie bis zum eigenen Untergang weitermorden. Die Geister, die sie riefen, werden sie nicht mehr los. Drei sind es bei Shakespeare – nur eine Frau in dieser Inszenierung, aber die spielt für drei: Marion van der Kamp zieht als des Teufels Hexe, die am Wegesrand die kriegsmüden Soldaten Macbeth und Banquo mit ihren Visionen aufrüttelt, unheimliche Register: In fahles Violett getaucht, mit durchsichtigen fetzigen Tüchern drapiert, lässt sie keinen Zweifel an dem Unheil ihrer scheinbar großartigen Botschaft: Macbeth wird König werden und Banquo der Ahnherr künftiger Herrscher Englands sein. Wie nun dieser Macbeth sich vom ängstlichen, unsicheren Soldaten in einen skrupellosen Schlächter verwandelt, das macht die Faszination der Inszenierung aus. Peter Rauch gibt diesem Aufsteiger zunächst die matte Dümmlichkeit eines Soldaten, der gewohnt ist, Befehle auszuführen. In seiner gierigen Leidenschaft wird er später durch die erotische und verbale Verführungsgewalt seiner Lady verleitet, letzte Skrupel beiseite zu fegen und all die Morde zu begehen, die ihm seine Königswürde zu sichern scheinen. Allerdings geplagt von Visionen seiner Schuldhaftigkeit, von den Geistern jener, die er tötete oder töten ließ. Denn in den Tiefen seiner Existenz gibt es ein Schuldbewusstsein, dass ihn vor seinen Taten erschaudern lässt und seine Ambivalenz in Wahnsinnsattacken zum Ausbruch bringt. Peter Rauch vermag diesen Empfindungen in einer breiten Skala Ausdruck zu verleihen: Einfalt und Qual, Gier und Entsetzen, Hemmungslosigkeit und Zweifel, Selbstbetrug und Selbstzufriedenheit wechseln in Wort und Tat. Damit erhält dieser Macbeth sein zwiespältiges Profil. Auch Gabriele Streichhahn vollzieht diese Wandlung von der leichtfüßigen, heißblütigen Lady, die ihren Gatten zum Mörder macht bis hin zur Wahnsinnigen, die keinerlei Werkzeug mehr hat, um dem Morden Einhalt zu gebieten. Sie, die einst Stärkere, wird sich selber richten. Für Volker Ranisch als Banquo, alter Kampfgefährte Macbeth's und Vasall des Königs, der zwar nicht ahnungslos, aber leider gutgläubig in die Todesfalle tappt, gibt es noch eine zweite bemerkenswerte Rolle als künftiger Herrscher von England, merkwürdig ambitiös-verspielt; er ist mehr ein listiger Spieler der Macht denn als ernsthafter Regent. Königliches Format zeigt wiederum Carl Martin Spengler in der Rolle des alten schottischen König Duncan, der eben jenen Macbeth in den Rang erhebt, der es ihm kurze Zeit darauf schon ermöglicht, den König zu meucheln. Zum Schluss wird der von Macbeth um aller Lieben und Lehen gebrachte Macduff dem englischen König und Verbündeten zum Sieg über Macbeth verhelfen und dem Sohn Duncans, der dem Mord entkommen konnte, auf den rechtmäßigen Thron setzen. Das bleibt in dieser Version die gedachte Konsequenz. Die letzte Szene wird nur in Zeitlupe dargeboten; noch prägnanter gestaltet, hätte sie zum eindrucksvollen Finale werden können: Macduff und Macbeth tasten sich mit ihren schweren Schwertern ab und lassen dabei beider Leben, Macduffs Leid und Macbeth's Versagen, noch einmal Revue passieren. A.C. |