Traumbilder

von Heinrich Heine

 

Der Liebe und dem Tod gewidmet

 

Theater im Palais

Eine Hommage an einen großen Dichter zum 13. Theatergeburtstag

mit Carl Martin Spengler 

und Ute Falkenau (Klavier)

Künstlerische Leitung: Barbara Abend

Musik: Ute Falkenau (von Claude Debussy)

 

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 Heinrich Heine wurde 1797 in Düsseldorf als Sohn eines jüdischen Schnittwarenhändlers geboren. Er besuchte bis 1815 das Lyzeum in Düsseldorf, das er ohne Abschluss verließ und absolvierte dann eine kaufmännische Lehre im Bankhaus seines Hamburger Onkels. Er beginnt ein Jurastudium in Bonn, wird aber 1820 aber wegen eines Duells in Göttingen relegiert. Von 1821 bis 1823 studiert er in Berlin. 1825 tritt er zum Protestantismus über; 1824 besucht er Goethe während einer Harzreise. 1831 sympathisiert er mit der politischen Vereinigung junger Schriftsteller, den sogenannten "Jungdeutschen", mit denen er sich vehement für republikanische Ideale einsetzt. Im selben Jahr emigriert er nach Paris und arbeitet dort als Korrespondent für die Augsburger Allgemeine Zeitung. 1835 werden seine Schriften in Deutschland verboten. Er kehrt nicht mehr nach Deutschland zurück.1856 stirbt Heinrich Heine an einer Rückenmarkserkrankung in Paris. 

 

 

Ein intimer Rahmen für einen Rezitationsabend, der als kleines Fest der Rückbesinnung auf Heinrich Heine und auf die eigene 13jährige Theaterexistenz zu sehen ist. Mit seinen knapp 100 Plätzen ist das Theater im Palais am Festungsgraben geradezu prädestiniert dafür, die Dichter und Schriftsteller vergangener Zeiten mit umsichtiger Dramaturgie wieder zu neuem Leben zu erwecken. Auch Heinrich Heine gehört zu jenen Poeten, die sich uns immer wieder ins Herz bohren können. Mit seiner Empfindsamkeit, seinem Spott, seiner Eigenliebe und Todesangst, seiner unstillbaren Liebessehnsucht und seiner unerbittlichen politischen Konsequenz, die ihn 1831 aus Deutschland fort in die Emigration nach Frankreich trieb. Ein Poet voller Widersprüche, von sprühendem Geist, blitzendem Scharfsinn, Goethe`schem Wortschatz und vor allem mit jener romantischen Dichtkunst begabt, die wir heute, der neuen Sachlichkeit müde, wieder neu entdeckt haben.

So stehen folgerichtig an diesem Abend auch nicht Heines politisches credo und seine Auseinandersetzung mit der deutschen Zensur im Mittelpunkt, sondern seine kokett und kritisch resümierten Liebesenttäuschungen, einige seiner schönsten Balladen und Parabeln, und immer wieder wehmütig die Frage nach dem irdischen Ende. Wie traurig, dem Leid- und Selbstmitleid hingegeben, wie selbstversunken in seine Traumbilder kann dieser Dichter sein, aber auch wie witzig und bösartig! Pfeilspitz sind seine Treffer auf menschliche Schwächen aller Art, und dazu im Gegensatz: Wie groß ist die Sehnsucht nach der Insel der Glückseligkeit, der Ruhe vor allen Gefühlsattacken und Gedankenstürmen!

Heinrich Heine stellt eine Brücke zwischen Deutschen und Franzosen dar, er lebte in Paris, doch mit seinem Herzen war und blieb er ein deutscher Dichter, was in all seinen Gedichten und Essays, Reiseberichten und Zeitungsartikeln bezeugt ist, die er für die Augsburger Allgemeine Zeitung schrieb und für uns, seine Leser schrieb. Bezeugt vor allem in seinen Gefühlen, seiner Schwermut und seiner totalen Hingabe an die Schönheit seines Landes. Er war unbarmherzig mit sich selbst, weil sich die Umstände nicht so rasch veränderten, wie es sich sein ruheloser Geist wohl erträumte. Und er war zu bissig in seinem Sarkasmus; zu wenig schonte er die Gegner, die sich ihm in den Weg stellen, zu wenig war er Diplomat, als das ihm sein Starrsinn einen Kompromiss erlaubt hätte.

Als er sich, schwerkrank, mit seinem Tod  so intensiv (und so kunstvoll) auseinandersetzt und die Welt daran teilhaben lässt, erschüttert er uns mehr als in seiner weltanschaulichen Häme und politischen Wut. Da, wo er dem Wunder und dem Elend des Menschseins begegnet und diese Erfahrung mit den Mitteln des Dichters zu immer neuen Bildern und Metaphern formt, erscheint er genial. Dass er, der distanziert Gläubige, mehr Philosoph als Atheist, spät zu seinem Gott findet, mit dem er stets gerungen hat, passt zu dem Bild des zweifelnden, ein Leben lang um Wahrheit und Wahrhaftigkeit ringenden Künstlers.

Carl Martin Spengler gibt diesem Heine-Abend den Spott und das Selbstbewusstsein, aber auch die Zartheit und Poesie, die den widersprüchlichen Geist des Künstlers kennzeichnen. Ute Falkenau ergänzt die Worte des deutschen Dichters mit der Musik des Franzosen Claude Debussy in einfühlsamen Klangbildern. A.C.