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Triumph der Liebe von Pierre Carlet de Marivaux |
In einem fernen Land
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Regie: Barbara Frey
Bühne und Kostüme:
Bettina Meyer und Gesine Völlm Mit: Katharina Schmalenberg, Isabel Schosnig, Friederike Wagner, Gabor Biedermann, Matthias Bundschuh, Robert Hunger-Bühler und Niklas Kohrt
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Prinzessin Leonida will die Unehrenhaftigkeit ihres Onkels sühnen, der den rechtmäßigen Thronerben Agis in die Abgeschiedenheit einer Philosophenklause verbannte und an seiner Statt der Nichte das Königreich anvertraute. Um in den frauenfeindlichen und weltfremden Bereich des Philosophen Hermokrates und seiner Schwester Leontine unerkannt einzudringen und die Liebe des Prinzen Agis zu erobern, kleiden sich Leonida und ihre Zofe Corinna in Männerkleidung und geben sich als Studenten der Philosophie aus. Nun gleicht der grasgrüne in die Tiefe führende Garten, den Bettina Meyer für diese Inszenierung erdachte und dafür zu Beginn bereits die laute Anerkennung des Publikums erhält, eher einem stupiden Labyrinth, mit tiefen Furchen zwischen den Rasenabschnitten und hohen Hecken, zwischen denen sich nun die Protagonisten mal scheu und verstohlen, dann wieder vergnüglich hüpfend einher bewegen. Je nach Gemütslage; denn die kann die schlanke Knabenprinzessin dank ihrer (Marivaux's) glänzender, blitzgescheiterer Rhetorik rasch und überraschend verändern; die spröde, altjüngferlich dahinwelkende Leontine verliert ihr bleiches, freudloses Antlitz und gewinnt jäh an strahlender Schönheit als die Worte des vermeintlichen Jünglings in ihr leidenschaftliche Gefühle wecken; und auch der stupide, strenge Hermokrates, der unattraktiv im Altherren-Morgenmantel und Latschen herumschlurft, läßt sich von dem fremden Gast, deren Identität von den eingeweihten Gärtner verraten wurde, sehr schnell in die leicht lächerliche Unkontrolliertheit der jähen Leidenschaft stürzen. Der Jüngling Agis, pubertierend scheu und ein wenig idiotisch hilflos, läßt sich allerdings nur sehr schwer überzeugen, dass Liebe besser sei als alle Vernunft, und als er dem Redeschwall Leonidas schließlich nicht mehr widerstehen kann, weiß er eigentlich auch nicht so recht, was er mit dem frisch entfachten Feuer in der Brust nun anfangen soll. Was die seltsame Leonida sich bei diesem herben betrügerischen Wechselspiel denkt, bleibt fraglich, denn eigentlich will sie doch nur Agis gewinnen und seine "Wächter" um Einlass in seine Welt erweichen. Natürlich_ das Spiel lautet hier: Liebe gegen Vernunft, Gefühl und Schmerz als Zeichen einer Lebendigkeit zu begreifen, die gegen Einsamkeit und Ausgeschlossenheit kämpft. Das ist schon brillant erdacht, und auch der Affront gegen alle intellektuelle Heuchelei und Spießer, die jegliche Lebenslust aus ihrer Umgebung verbannen, bereitet ein großes Vergnügen. (Und erleben wir nicht zur Zeit wie sich alle Welt gegen einen frisch verliebten französischen Staatsmann stellt, der es wagt, die strengen Konventionen einer bigotten Gesellschaft zu missachten?). Bildungshunger vortäuschend wirbt die Prinzessin hier für Lebens- und Liebesfreuden - doch, was sie zurücklässt, sind Enttäuschung, Verzweiflung und Leid - kurz, drei gebrochene Herzen und die Einsicht, dass Leidenschaft mächtiger ist als alle Vorsichtsmaßnahmen gegen das Leben. Und ihren Agis hat die kleine Prinzessin nun auch verloren, denn der fällt pardauz in Ohnmacht als er ihre wahre Identität, nämlich die der verhassten Herrscherin, die ihn um seine Erbe brachte, erfährt. Für Matthias Bundschuh die einzige richtige Reaktion im ersten Frühlingserwachen. Dass man mit
diesen Menschen nicht mitleidet, sondern sich eher hämisch an ihren
verstörten Gemütern weidet, liegt natürlich an der kühlen,
abstrahierten, zum Teil auch peinlichen, überwiegend aber
unliebenswürdigen Darstellung des Mariveaux-Themas. Auch, dass Katharina
Schmalenberg als Leonida ihre Liebeskapitel so schnell herunterrappelt,
ohne Punkt und Komma, ohne Nuancen, die ans Herz gehen, so dass man
schon verwundert ist, wie denn ihre "Opfer" ihr so bald erliegen
können, da sie doch eigentlich gar nicht verstehen, was ihnen da an
Liebesbeteuerungen so fix ihnen entgegen geschleudert wird. Das scheint
doch ganz und gar unfranzösisch. Ohne Charme und Esprit, Geist und Witz
verfangen sich die Worthülsen in dem Blattgrün der gestutzten
Ebenmäßigkeit. Friederike Wagner hält dagegen als eine liebenswerte und
bemitleidenswerte Persönlichkeit, die es besser verdient hätte, während
Robert Hunger-Bühler als skurriler Haustyrann zuweilen an einen
berühmten Politiker erinnert, der mit harscher, harter Stimme den Leuten
überbrachte, was richtig ist. Allerdings war er auch kein Philosoph. |