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Unterm Birnbaum von Theodor Fontane
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Geschichten aus dem Oderbruch - nach einer wahren Begebenheit |
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Eine
Kriminalnovelle Bühnenbild und Kostüme:
Wiebke Horn Nach Art des Hauses Theodor Fontane ist ohnehin der "Hausautor" des kleinen feinen Kammerspieltheaters im Palais am Festungsgraben. Und wer die schweren Wege und Umleitungen bis hierher nicht scheut, wird stets belohnt mit einer Art von Theaterspiel, das es in dieser Art in Berlin nicht anderswo gibt. Mal als literarisches Szenenspiel, mal als komprimiertes, mit Kulissen auf engstem Raum arrangiertes und durchdramatisiertes Theaterstück, dann wieder als Singspiel oder Glosse oder als apartes Gruselkabinett - der Einfälle sind viele, und das Programm ist bunt und vielfältig. |
Eigentlich erwartete man bei dieser neuen Inszenierung schon, dass sich das engagierte Team für ein echtes Theaterspiel entscheiden würde - denn immerhin handelt es sich bei Fontanes Erzählung um eine äußerst fein gesponnene, meisterlich psychologisch und soziologisch durchkomponierte Novelle, die sich dank lebhafter Dialoge und authentischem Sprachniveau für die Bühne gut bearbeiten ließe. Aber Barbara Abend hat es diesmal vornehmlich bei einer geschickten literarischen Kürzung belassen und gibt den Darstellern nur hin und wieder Gelegenheit, vom Erzählerischen ins Spielende zu wechseln - bei fünf Personen auf der kleinen Bühne ohnehin nicht so einfach. Gabriele Streichhahn gibt der vereinsamten Ehefrau des leichtsinnigen Krämers und Gastwirts Abel Hradscheck Würde und Glaubwürdigkeit in ihrer Verzweiflung indem sie Leid und Last schließlich nicht mehr erträgt und dahinsiecht. Die Dorfklatschbase "Mutter Jeschke" wird bei ihr dagegen mit nur ein wenig veränderter Körperhaltung und Stimmlage ( na, na, der Dialekt!) zur lauernden obskuren Spökenkiekerin, die des Nachbars Garten, Kommen und Gehen des Gastwirts und seiner Gäste sehr genau beäugt und in Andeutungen giftigen Samen zu säen weiß. Denn folgendes spielt sich ab: Die Hradschecks in dem kleinen Dorf Tschechin (Fontane wohnte als Apothekerssohn in Letschin!) haben über ihre Verhältnisse gelebt und fürchten nun nichts mehr als zu verarmen, denn "Armut ist schlimmer als der Tod", klagt Frau Ursel - und, wenn man dazu die gerade publik gewordene tragische Geschichte des verarmten deutschen Ehepaars anno 2006 heranzieht, das sich in seinem Auto verbarg bis beider Zustand sie schließlich zwang, sich in ärztliche Obhut und damit in die Öffentlichkeit zu begeben, wird diese Angstvorstellung nur allzu verständlich. Dazu jene Zeit um 1830 als im Oderbruch die elendste Not herrschte, Aberglaube und Glaube nebeneinander bestanden, Ehrbarkeit und Sittenlosigkeit, Biederkeit und Großmannssucht sich im Widerstreit befanden, jederman des anderen potentieller Feind war und jeder Auswärtige (und alles anderswartige) scharf beäugt und schnell übel beleumdet wurde, die Dörfler alles andere als gutmeinend oder solidarisch, sondern mißgünstig und kaltherzig gegen einander waren. Und eine große Auswanderung nach Amerika ihren Anfang nahm ( siehe auch die historisch genaue und realistische Aufarbeitung des Schicksals der Oderbruch-Familie von "Justina Tubbe" im Westkreuz-Verlag)! Trinkfreude und Spielsucht (und angeblich die Verschwendungssucht seiner Frau) haben Abel Hradschek an den Rand des Ruins gebracht. Da kommt eine plötzliche Erbschaft wie gelegen, und der Geld eintreibende Weinhändler Szulski aus Polen kann glücklicherweise nun doch bezahlt werden. Allerdings verschwindet der auf obskure Weise nach seiner Abreise in der Oder, nur noch seine Pelzkappe wird am Ufer gefunden. Hradscheck, dringend tatverdächtig, kommt in Untersuchungshaft nach Küstrin, aber man kann ihm nichts beweisen. Zwar wird eine Leiche in des Gastwirts Garten unter einem Birnbaum ausgegraben, aber die wird dann doch als französischer Soldat identifiziert, und der Krieg ist seit 20 Jahren vorbei. Dennoch hört das Munkeln und Bewachen nicht auf - Hradscheck, jovial und ein wenig aufschneiderisch, wird von Manfred Möck als gestandenes Mannsbild verkörpert, nichts kann seine Selbstsicherheit scheinbar erschüttern, und doch...hat so mancher ein seltsames Gefühl... Volker Ranisch in wechselnden Rollen, mal als dumm-schlauer Knecht Jakob in dessen Hause, weiß angeblich von nichts, und macht sich doch so seine Gedanken; als Untersuchungsrichter gibt er geschickt die Verantwortung an den bigotten und allzu beschützenden Pastor (Carl Martin Spengler) ab, und Peter Rauch hat als zechfreudiger Dorfgendarm Geelhaar alle Veranlassung, sein Image aufzubessern und schnüffelt nun wie ein besessener Spürhund in den Gefilden des Verdächtigen. Eigentlich ist die Geschichte zu schaurig-schön, um nur halb erzählt zu werden - vielleicht könnte man sie doch in ihrer Originalfassung vortragen - eine halbe Stunde mehr könnte den Abend nur bereichern. A.C.
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