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Cavalleria Rusticana von und von
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Liebe und Eifersucht - Der
Wettstreit der Tenöre |
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Uraufführung: 17.5.1890 Cavalleria rusticana Melodramma in einem Akt Libretto von Giovanni Targioni-Tozetti und Guido Menasci Musikalische Leitung: Inszenierung Spielleitung: Santuzza: Georgina Lukás; Pagliacci (Der Bajazzo) Drama in zwei Akten und einem Prolog Libretto vom
Komponisten Chöre
(Schöneberger Sängerknaben): Hellwart Matthiesen mit
Die Cavalleria rusticana ist eine volksnahe Oper, eine der ersten des Verismus, der ethnologischen Wahrhaftigkeit, und sie sprüht geradezu vor Vitalität. Ihre Arien und Duette sind altem italienischen Volksgut entnommen und haben seit jeher populistischen Beliebtheits- und Bekanntheitsgrad. Jeder einigermaßen auf sich haltende Tenor wird sie in der Küche summen, wenn er sich dort aufhalten sollte... Sie ist auch in dieser Inszenierung hinreißend gespielt und gesungen, wenn auch mit modernisiertem Ambiente. |
Eine breite
Betonstraße überspannt ein Tal auf Sizilien. Im Hintergrund heben sich
blaue Bergrücken schemenhaft in den wolkenbetupften frühen Himmel. Im
Vordergrund führt die Straße im Bogen herunter bis zum Orchestergraben.
Links der Straße steht der alte, schäbige Imbisswagen von Mama Lucia,
den sie noch im frühen Dunkel des nahenden Osterfestes öffnet und
herrichtet. Nach und nach strömen die Arbeiter mit Schaufeln bewaffnet
auf die Äcker heran, und der Alltag beginnt. Eine eher kühle
Atmosphäre umgibt das zumindest im Straßenbau an das moderne Leben
angeschlossene ländliche Süditalien, wo die Liebe und die Ehre
großgeschrieben werden, und Gefühle noch allemal den Verstand vernebeln.
Das Drama kann beginnen. Wenn sich die lange Prozession der Dorfbewohner mit den strahlend geschmückten Marienaltären und den Statuen des Gekreuzigten langsam über die Straßen zur Kirche jenseits der plakatbeklebten Bretterwand bewegt, dann verkündet auch der Chorgesang die schwermütige, verinnerlichte Religiosität der einfachen Bevölkerung. Alles
Leben ist hier intensiv und augenblicksbezogen; Die harte Realität ist nur mit festen Normen zu ertragen, die dramatisch-effektvoll eingesetzt und gelebt werden.
2. Teil : Pagliacci Drama
in zwei Akten und einem Prolog Beppo: Kenneth Tarver; Silvio: Markus Brück; Zwei Bauern: Tomasz Rakocz; Robert Klöpper Der unzertrennliche zweite Teil dieses Opernduos beginnt mit der Wiederholung der letzten Szene der vorhergegangenen Oper, dann aber wird, bevor man sich noch recht wundern kann, erstaunlich schnell die Dekoration in verschiedene Teile auseinander gefahren, die einer zweiten Inszenierung zugeführt werden. In dieser stellt eine Gauklertruppe im Leben wie im Spiel dasselbe dar - nämlich die unerbittliche Rache eines gehörnten Ehemanns Canio - des Bajazzo - an der untreuen Ehefrau Nedda - Columbine - und ihren Liebhaber Silvio -Harlekino. Zunächst tritt Canio überheblich wie ein sizilianischer Mafioso auf, lässt sich von Tonio in einem schweren schwarzen Oldtimer auf die Bühne chauffieren und entreißt seiner ängstlichen Frau wichtigtuerisch die Zigarette, um sie selber zu rauchen. Der Chor umgibt ihn als ein Macho- Männervolk, mit Sonnenbrillen getarnt. Dann allerdings brilliert der argentinische Super-Tenor so umwerfend, dass man sich eine tolle Inszenierung erhofft. Und enttäuscht wird. Denn schon kippt alles ins Banale. Regisseur Pountney, dem zuvor eine glänzende Darbietung gelungen ist, kehrt zur ursprünglichen Handlung zurück und entblättert sie, indem die Gegensätzlichkeiten zwischen der Gaukler-Wandertruppe und ihrem realen Leben so dicht miteinander verwoben werden, dass Ort und Kostüme sowie Personen keinerlei Verwandlung mehr erfahren, sondern einheitlich bleiben. So wird auch nicht mehr das Leid hinter der Maske des Clowns spürbar, sondern alle Gefühle drücken sich sehr viel unmittelbarer, unverschlüsselt aus. Damit wird der Sichtschutz unseres Gefühlslebens gestrichen, ohne die der Mensch nicht überleben könnte. Und Canio/Bajazzo kann diese Ebenen ja auch am Ende selbst nicht mehr voneinander trennen. Der durch Neddas Spott zutiefst verletzte, sensible Tonio verrät ihrem Mann Canio, dem Prinzipal der Truppe, dass sie ihn mit dem jungen Bauern Silvio betrügt. Canio, seinem aufbrausenden herrischen Wesen entsprechend, schäumt nun vor Wut und verliert während des abendlichen Spiels das Gefühl für Wirklichkeit und Schein. Das Volk fiebert mit den Wanderschauspielern, an der Unterführung der Straße sitzend. Kein Thespiskarren, keine kunterbunten klassischen Comedia-Kostüme, alles dunkel, triste dem tragischen Ausgang angemessen. Nun weiß man ja aus dem Libretto, dass sich Nedda "gefangen und unglücklich fühlt", und sie sich die Freiheit ersehnt. Aber es ist nicht der schöne Harlekin mit seinem sanften eleganten Tenor (Kenneth Tarver), der ihr Herz gefesselt hält, und auch nicht der Philosoph der Truppe Tonio (Alberto Mastromarino), sondern dieser einfache Bauer Silvio (Markus Brück singt sehr liebevoll, aber auch traurig sein Schicksal erahnend). Wundern darf man sich auch über das mangelnde Selbstbewusstsein Canio`s (José Cura, dem im Publikum wohl alle Herzen zufliegen), der sich so schnell geschlagen gibt... Man hätte dem Startenor eine anspruchsvollere Rolle und Inszenierung gewünscht; denn wie aus ihm, in der berühmten Arie "Lache Bajazzo!", aufgewühlt Schmerz und Enttäuschung des um seine Liebe Betrogenen herausbrechen, das zeigt einen großen Tragöden, der die Balance zum Kitschig-Sentimentalen wohl zu halten versteht. Die Nedda von Nuccia Focile hat einen so beherrschend energischen Part inne, dass neben ihr ohnehin kein Mann bestehen kann. Als sie ihre Sanftmut offenbart, ist es bereits zu spät. Das Spiel ist aus. Aus dem Orchestergraben hört man ein glänzend harmonisierendes, geschmeidig und einfühlsam begleitendes und stets tonangebendes Ensemble voller Verve und Leidenschaft. A.C. |