|
Così fan tutte von |
Ein verqueres Liebesspiel für jeder-Mann |
|
|
zur Zeit leider nicht im Spielplan
Fassung für die von Winfried Radeke (Musikalische Bearbeitung), Peter Lund (Texte der Gesangsnummer) und Robert Lehmeier (Einrichtung der Dialoge) und Regie Bühnenbild: Markus Meyer Kostüme: Marcel Zaba Musikalische Leitung und Klavier2/secondo: Jens-Karsten Stoll Klavier 1/primo: Dietrich Bartsch; Klavier 2/primo: Ugo Dòrazio; Klavier 1/secondo: Andrew Hannan mit : Michael Bielefeldt (Fiodiligi; Gero Bublitz (Gulgielmo); Assaf Kacholi (Dorabella); Jan Remmers(Ferrando); Christian Senger (Despina); Matthias Ehm (Don Alfonso)
|
Peter Lund hat eine flotte und frivole Neufassung der Mozart'schen Reliquie geschrieben und sie mit Charme und Herz endlich ins irdische Heute gebeamt. Und Robert Lehmeier hat eine ebensolche Regie geführt, als wolle er anderen Berliner Operregisseuren mal eben zeigen, dass er das szenische Spiel mit alten Opernlibretti allemal beherrscht. Aber im Gegensatz zu den Kollegen verschreckt Lehmeier seine Besucher nicht, obwohl die Idee, diesen verqueren Liebesschwank ausschließlich mit Männern zu besetzen und ohne viel Federlesens in die Welt der homosexuellen Partnerschaften und Liebesbeziehungen zu transponieren, schon einer neuen Orientierung bedarf. Denn diese Inszenierung ist nicht nur Spaß, obwohl viel und gern und richtig gelacht wird, weil natürlich manche Liebes-Arien, Duette, Terzette, Quartette usw. textlich zwar aufgefrischt sind, aber dennoch angesichts der veränderten Verhältnisse einigermaßen amüsant erscheinen. Vorrangig aber ist, dass hier auf die alte Mär verzichtet wird, nach der der Librettist da Ponte meinte, die Untreue sei der Frau von Natur aus mitgegeben. Nahe sich erst einmal ein gewiefter Verführer, so werde das weibliche Geschlecht allen guten Vorsätzen und Schwüren zum Trotz schwach. Das war schon immer eine ausgesprochen ärgerliche Prämisse und nicht nur Frauenrechtlerinnen ein Dorn im Fleisch. Oft wurde der Text im Laufe der Jahrhunderte verändert, die Inszenierung hin- und hergedreht, aber es blieb stets, was es war: Eine zauberhafte, hoch virtuose Komposition um eine angreifbare Geschichte. Denn, wer verführt hier eigentlich wen? Immerhin sind es die Männer, die den Coup der betrügerischen Verführung planen, sich unter Lügen von ihren Bräuten entfernen, als "Albanier" (in der Neuköllner Oper als riesiger Hase und pinkfarbener Esel) zurückkehren und sich die Frauen mit üblen Tricks - bis hin zur Suizidandrohung - sich gefügig zu machen versuchen. Welch mitleidiges Frauenherz würde da nicht schwach? Es gibt natürlich eine gerechte Strafe für die Männer; denn ihre Frauen verlieben sich nun in den jeweils anderen. Ha, ha! Und nun gibt es in Neukölln in dieser hinreißenden Oper nur noch gestandene, attraktive Mannsbilder mit hervorragenden stimmlichen und schauspielerischen Qualitäten (vier Tenöre, zwei Baritone), kernig und kokett, je nach Geschmack und Rollenzuweisung - doch treulos sind sie allesamt, der eine mehr, der anderer weniger. Aber wie sie singen und spielen! Vital und zärtlich, kämpferisch und sanft, verzweifelt und glückselig, spöttisch und hingebungsvoll. Ob allerdings am Ende alles zum Besten wird, bleibt doch konsequenterweise fraglich: Die Eheschließung mit den Verlobten über Kreuz ist wohl doch nicht für alle Seiten das erwünschte Ergebnis, Treue hat sich zudem als beliebig herausgestellt, und Liebe ist wandelbar. Da aber Herzschmerz und erotisches Verlangen ewige Konstanten bleiben, werden alle stets so weitermachen. An zwei sich diagonal im einem großen hellen Raum gegenüber stehenden Klavieren leiten und begleiten die vier Musiker das Spiel mal kraftvoll, mal feinfühlig, wenn sich auch der ganze Zauber mozarteischer Musikalität, wie er einem Orchester und unzweifelhaft Frauensopranen gegeben ist, nicht gänzlich entfalten kann. Wie in einer großzügigen Galerie prangen hier die Porträts der Protagonisten überlebensgroß an den Wänden, werden parallel zum Bühnengeschehen von Zeit zu Zeit abgehängt (so, wenn sich Zweifel oder neue Verhältnisse bei den Paaren ergeben). Eine Ruhebank lädt zum lehrreichen Betrachten und Sinnieren vor den Bildern zum fraglichen Thema ein, und an dem großen runden Tisch, der die linke Hälfte des Raumes einnimmt, tafelte man zunächst recht ausgiebig und lässig, bevor Don Alfonso sein tückisches Netz auf die Paare auswirft, in dem sie sich alle restlos verstricken werden. A.C. (Vergleiche Cosí fan tutte an der Komischen Oper)
|