Das Apartment

von
Neil Simon und Burt Bacharach

 

 

Don't worry, be happy!

 


 
Komödie am Kurfürstendamm (2008)

Regie:  Helmut Baumann

Bühne und Kostüme:  Anja Wegener/Conny Lüders; Choreographie: Rudi Reschke, Musikalische Leitung Ferdinand von Seebach
 

mit: Nik Breidenbach, Axel Herrig, Eva-Maria Grein, Helmut Baumann, Uli Krohm, Andreas Goebel, Anton Figl, Sylvia Wintergrün, Melanie Haffke, Katharina Koch, Nini Stadlmann

 

 

 

 
 Wieder einmal eine Bühnenfassung eines berühmten Musicals, von dem man sich einst im Film von Spitzenschauspielern bezaubern ließ, und die Erinnerung an die vielen Simon-Sketche und Theaterfassungen wie "Barfuß im Park", "Ein seltsames Paar", "Sonny Boys, "Promises, Promises und "Sweet Charity" läßt Vorfreude aufkommen, verspricht der ebenso elegant wie witzig-fröhlich Ereignisse, Charaktere und Schicksale dahinskizzierende Autor eigentlich stets amüsante Unterhaltung.

Aber entweder ist die Zeit über diese Art reizender Boulevardkomödien und Musicals dahingeschwunden oder es mangelt an Leidenschaft für das Musical- und Boulevardschauspiel, an Darstellern, die sich diesem Genre mit Hingabe verschreiben, ohne nach den "großen Tragöden" zu schielen. Was fehlt, ist die Selbstverständlichkeit, ein solch hübsches kleines Durcheinander an Herzensschmerz und -verwirrungen federleicht über die Bühne tanzen und klingen zu lassen, wie es wohl gemeint ist. Es ist immer wieder dieselbe Klage: Wir inszenieren diese Art von Komödien zu erdenschwer, zu tragisch-tief, zu hintergründig-nachdenklich. Die Amerikaner hatten und haben uns stets voraus, dass sie das Leben nehmen, wie es kommt, die Situation bei den Haaren packen und das Beste daraus machen. Nicht ohne Grund haben sich die schlichte Rezeptur eines Dale Carnegie "Sorge dich nicht, lebe" oder der Song "Don't worry, be happy" in unsere Bestsellerlisten hinaufgeschoben und bestimmt seit Jahr und Tag unseren Wunsch, es doch auch einmal mit Leichtigkeit zu versuchen. Nur, es klappt eben nicht so ganz.

Selbst, wenn so ein erfahrener Intendant und Regisseur, Musical-Experte und Schauspieler wie Helmut Baumann für die Inszenierung verantwortlich zeichnet, ist das kein Garant für einen aufregenden Abend. Gewiss, es ist alles hübsch arrangiert, schmissig und flott choreographiert; Die Sechs-Mann-Band spielt die zum Teil zauberhaften, immergrünen Melodien von Burt Bacharach laut und lebhaft, die Darsteller legen aber zuviel Komödienstadl-Herzblut in das schlichte Geschehen um einen schüchternden Versicherungsangestellten, der beinahe seine große Liebe durch seine Gutmütigkeit und Tollpatschigkeit an den verheirateten Chef und Nebenbuhler verliert. Die drei Tänzerinnen singen und tanzen wie es sich für ein Musical gehört, zeigen hübsche Figuren, viel Talent und Ausdruck, aber leider ist die Anzahl von drei Mädchen zu klein - auf eine Musicalbühne gehören mindestens zehn oder zwanzig Girlies dieser Qualität, und dadurch ist auch ihr Radius auf der kleinen Ku'damm -Bühne zu stark eingegrenzt. So zwitschern sie zeitweilig an der Seite neben dem kleinen Orchester und ihr Sound, der als amerikanischer Kitsch (nach unserem Geschmack nun doch der Vergangenheit angehört), befremdet eher als das er begeistert.

Warum Nik Breidenbach mit dieser wunderbaren zärtlichen Tenorstimme sich selbst karikiert und stets die Mundwinkel herabzieht, so dass er einen leichten Elvis-Touch erhält, bleibt unergründlich; er belebt und spielt den Naivling Chuck Baxter doch überaus deutlich, und man weiß letztlich nicht so recht, was er nun eigentlich bezweckt: soll man Mitleid für oder Zorn gegen diesen Dummbart von Jüngling empfinden, der sein kleines Zimmerchen immer wieder als Lusthöhle an die Vorgesetzten verleiht, um auf der Karriereleiter eine Stufe höher klettern zu können, und selbst dabei in jeder Hinsicht im Regen steht...

Sein überaus smarter und sympathischer Chef, der die kleine Kellnerin Fran so gewissenlos am Herzband herumflattern läßt, sie stets von Neuem betört und verführt, besticht durch soviel Charme und Freundlichkeit - und markant intonierte Songs! - dass man an Axel Herrig als Mr. Sheldrake natürlich überhaupt nichts Bösartiges finden kann - dazu ist er an diesem Theater und am Theater des Westens auch zu oft in hervorragender Präsentation aufgetreten. Für ihn ist die junge, emotional ausgebeutete Geliebte letztlich nur ein hübscher Zeitvertreib außerhalb der anstrengenden Familie. Eva Maria Grein ist ebenso attraktiv wie hilflos, und bleibt in ihrer Persönlichkeit ein verhuschter, verliebter Teenager in einer noch etwas zurückgehaltenen Darstellung, in der sie ihre hübsche Stimme noch schmeichelnder einbringen dürfte.

Ohne Frage ist Sylvia Wintergrün der Sekretärinnen-Schauspiel-Knüller mit beinahe Berliner Schnauze, nur eben charmanter und kesser, kein bisschen vulgär, aber witzig und pfiffig - man möchte sie öfter sehen! Die anderen Herren, die sich um die Gunst von jungen Mädchen aus der großen Firma bemühen und dann und wann ein kleines Abstecher-Tänzchen auf dem Parkett der außerehelichen Liebschaft wagen, sind zwar gut typisiert, bleiben aber blass, weil sie in dieser eingepferchten Bühnenversion letztlich nicht viel Entfaltungsmöglichkeiten haben! Nur Helmut Baumann kann als Doktor dem schlagfertigen Witz des Stückes zeitweise gerecht werden. Insgesamt dauert das Ganze beinahe drei Stunden - zu lang! Eine Straffung und damit auch ein leichteres Spiel, das eine selbstverständliche Story erzählt, die wie von alleine abschnurrt, wäre dann vielleicht zu erreichen. A.C.