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Die Fledermaus
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Eheliches Lotterleben
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Regie: Adriana Altaras,
Neuer Kammerchor Potsdam,
Mitglieder des Ballettstudios Erxleben, Brandenburger Symphoniker unter
der Leitung von Igor Budinstein
Ensemble:
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Erstmals nach 18 Aufführungen ist der Star des Abends und dieser Inszenierung überhaupt ausgefallen: Für die erkrankte Dagmar Manzel stand die Sopranistin Ingeborg Schöpf aus Dresden als Rosalinde auf die Bühne: eine femme fatale, die ihren ungetreuen Ehemann in köstlichster Weise hinter das Licht führt, obschon sie selbst auch nicht so ganz tugendrein ist - wie überhaupt niemand in diesem Zeitbild, das viel Möglichkeiten zu neuen Interpretationen enthält, aber leider selten in moderner Varaiante ausgeschöpft wird. Ingeborg Schöpf also, hübsch anzusehen, mit schöner, glanzvoller Operettenstimme, leidenschaftlich und glutvoll - all das, was man sich von einer anerkannten Sängerin verspricht. Dass sie schauspielerisch nicht identisch ist mit Frau Manzel, ist nicht ihrem Unvermögen, sondern ihrer musikalischen Ausbildung und Ausrichtung zu zuschreiben; damit tritt natürlich auch die Crux des abends zutage, das Manko dieser Inszenierung, das unter dem Licht des Hauptstar stets verdeckt wurde: Diese Inszenierung ist nicht Fisch und nicht Fleisch, nicht reine Operette, nicht reines Schauspiel; sie schwingt sich mit den weiten Flügeln der Fledermaus durch ein Halbdunkel, das Tag und Nacht, Musiktheater von Theater trennt. Somit bleibt die leichtfüßige Geschichte auch in hübschen Geplänkel um betrügerische Ehe- und Lebemänner, süße Ballettmäuschen und willige Partygespielinnen, um ein ambitioniertes Bürgertum, das es gar zu gern dem Adel gleichtun möchte und dabei eben doch jene Grandezza und selbstverständliche Arroganz vermissen läßt, die den echten, an Reichtum gewöhnten Müßiggänger und Gesellschaftslöwen ausmachen. Dass der degenerierte Fürst Orlowski, der sich mit dem Advokaten Dr. Falke verschworen hat, dessen peinliche Demütigung als trunkene "Fledermaus" wieder wettzumachen, sich trotz und alledem tödlich langweilt, ist durchaus verständlich; denn seine Ballgäste sind alles andere als amüsant, sie kleben und liegen übereinander, trippeln hierhin und dorthin, singen ein bisschen und sind vorwiegend hungrig und nur am Rande gespannt auf das Versteckspiel, dass sich Rosalinde mit ihrem Gatten, dem Herrn von Eisenstein, erlaubt. Nun könnte sich ja auch einmal ein Choreograph ins filmische Abseits begeben und dort ein bisschen Phantasie stibitzen - wie wäre es beispielsweise mit "Dirty dancing", dem erotischsten Tanzspiel, das es je zu sehen gab? Hungry eyes also eher weniger auf dieser Bühne, desto mehr wohl hungrige Mägen. Doch bis der bleiche Graf zu Tisch bittet, muss man noch den Auftritt der ungarischen Gräfin ertragen, die wohl sehr verführerisch anzusehen und anzuhören ist, aber Temperament, Leidenschaft, Wut gegen den ungetreuen Ehemann, der ihr jetzt offene Avancen macht, sind nicht so recht zu spüren. Dass die darstellenden Schauspieler
das Beste aus ihren Rollen herausholen, ist anzuerkennen; aber der
famose Laufenberg ist eben kein degenerierter Weichling und Fremdgänger,
sondern ein eher biederer Ehemann, der trotz aller Kaspereien und
Eskapaden nichts an männlicher Würde einbüßt; eher schon der
Gefängnisdirektor Frank, dem Helmut G. Fritsch die schmale Figur
und die Senilität des alten Schwerenöters gibt, der noch einmal gerne
nach jungen Mädchen hascht und ja in der Kammermieze Adele (Katrina
Kumpane mit vollem Sopran) ein kesses Girlie gefunden zu haben
glaubt. Die "Fledermaus" kann sich hier nicht so ganz entfalten,
die Rolle des beiseite stehenden Intriganten bleibt irgendwo im Raum,
und würde sein Part nicht irgendwann einmal erklärt, man hätte den
Racheakt gar nicht als solchen wahrgenommen, denn so einfallsreich und
komisch ist dies Spiel um Liebe und Betrug dann doch nicht.
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