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Die Piraten von Penzance
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Ein Jüngling im Bade
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Musikalische
Leitung: Mit: Aris Sas, April Haller, Christoph Reiche, Gerard Michel, Stephan Wolf-Schönburg, Anne Görner, Dorothea Breil, Nini Stadlmann, Ulrich Lenk Urfassung:
Cornwalls wilde Küste. Die Amme Ruth ist an allem schuld. Eigentlich
sollte sie ihren achtjährigen Schützling Frederic nach dem Willen seines
Vaters in eine private Lehre geben, doch leicht schwerhörig und wirr im
Kopf gab sie ihn in die Piraten-Lehre. Mit 21 Jahren hat Frederic seine
Ausbildung beendet, doch ergreifen will er diesen Beruf nicht. Im
Gegenteil: Hieß ihn seine Pflicht 13 Jahre lang seinen Lehrvertrag zu
erfüllen, so ist er nun ebenso pflichtbewusst entschlossen, seine
ehemaligen Ausbilder auszurotten, ungeachtet der Tatsache, dass er sie
eigentlich sehr mag; zumal auch die Piraten einen ausgeprägten
Ehrenkodex haben – würden sie sich doch nie an Schwächeren oder Waisen
vergreifen. Nur hat sich das bei ihren potentiellen Opfern
herumgesprochen, so dass alle überfallenen Schiffe seltsamerweise
ausschließlich mit Waisen bemannt sind ... |
Der Ergänzungstitel lautet: "Eine BeBerlinette" und soll an den neuen Image-Slogan für Berlin anknüpfen: "Be Berlin". Ob das nun gut und richtig ist und diese Version über die "Weltstadt" hinaus bekannt macht, dürfte fraglich sein. Obschon: "Autonome", wie sich die Lederfreaks und tatooverzierten Außenseiter im Underground nennen, gibt es ja nicht nur in Berlin; gleichwohl hier: eine vom Senat ausgewiesene Touristenattraktion. So befinden sich die Alt-Rocker, die einst ICE's lahm legten, Sitzstreikes gegen Atommüll-Transporte inszenierten und allerhand "Freiheiten", für sich in Anspruch nahmen, um die Wohlstandsgesellschaft zu bekämpfen - auf einem leeren Gelände irgendwo in Karlshorst, biergestärkt, mit zeitweiligen kriminellen Aktionen und gelegentlichem Wannenbad beschäftigt. Da wird der Jüngste in der Runde plötzlich volljährig, 18 Jahre alt, und lehnt das großartige Präsent der Gruppe, eine Wurfkralle als Zeichen ihrer permanent schwelendem Kampfbereitschaft, zum Entsetzen der Zieheltern und der übrigen Familien-Mitglieder ab: Er will studieren, bürgerlich werden, möglichst im feinen Zehlendorf ein Häuschen mit Garten und Familie anstreben und sich von seiner Marx-Engels-Lenin-Jugend verabschieden. Soweit, so gut. Und eigentlich freut
man sich darauf, wie es nun weitergeht; zumal ja die hinreißenden Arien
und musikalischen Arrangements von Sullivan auch nach hundertzehn Jahren
nichts an ihrem musikalischen Reiz verloren haben! Aber leider ist nicht
nur die Piratenfarce der Engländer verändert (was man noch verschmerzen
könnte), aber was mehr enttäuscht, das ist die schwache gesangliche und
musikalische Auf- und Neubearbeitung; Wollten Gilbert&Sullivan durch
eine humorvolle Mixtur aus Oper und Operette mit anspruchsvollen
Koloraturarien, szenischem und musikalischem Aberwitz die leichte Muse
mit der ernsten vereinen, so konzentriert sich die Neuköllner Fassung,
leicht albern, auf politisch-gesellschaftliche Polaritäten: arm gegen
reich, ehrlich kriminell gegen heimlich kriminell, gewaltbereite
Außenseiter gegen bürgerliche Baulöwen und Immobiliengangster. Der
erklärte Klassenfeind wohnt in Zehlendorf, und die drei kleinen
verwöhnten jungen Damen von dort finden auf der Suche nach etwas Koks
für die Party im Lager der Großstadt-Piraten zwar keine Rauschmittel,
dafür einen attraktiven jungen Mann in einer Badewanne vor. Für Frederic
- Aris Sas als naiver Anti-Held - der einst von seiner Zieh-Mutter Ruth
aus der Babyklappe gestohlen wurde, beginnt ein neues Leben; Er verliebt
sich in
Mabel, wird von deren Papa sogleich in dessen Bebauungspläne
einbezogen und befindet sich nun auf der Gewinnerseite des Lebens. Er ähnelt - wohl nicht ohne Absicht -
durchaus dem smarten Karibik-Helden, Will Turner, gutaussehend und ein
bisschen softy, der vergeblich gegen die Autorität der Engländer (hier
ist es die energische Yvonne Ritz Andersen als furiose
Gang-Leaderin Ruth) ankämpft. Doch in der Neuköllner Karibik fehlen leider
Komik, Pepp und Pistole!
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