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Die Rose von Stambul - Operettevon leo Fall (Musik) und Julius Brammer/Alfred Grünwald (Text)
zur Zeit nicht im Programm |
Ein Märchen aus wie aus 1001 Nacht
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Fassung für die von Paul Brody und Yüksel Yolcu Inszenierung: Yüksel Yolcu Musikalische Leitung. Hans Peter Kirchberg/Winfried Radeke Choreographie: Jaime Tadeo Mikan Bühnenbild: Ismet Ergün Kostüme: Marie-Luise Lichtenthal
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Die Neuköllner Oper ist meistens dann am stärksten, wenn sie ihre Ansprüche ein wenig herunterschraubt – dann entfalten sich Kräfte und Talente, die eine federleichte, spritzige amüsante Komposition wie die inzwischen wohl leicht verwelkte „Rose von Stambul“ mit neuem Zauber wieder frisch erblühen lassen. Schon der nicht enden wollende Treppenaufgang der 4. Oper Berlins wird diesmal mit duftenden Rosenblättern verklärt, und die Idee, schon vorab alle Räumlichkeiten mit einer parfümierten Note zu versehen, ist Beweis für die liebevoll und mit leichter Hand wieder hergestellten „Operette“, in der 1916 die legendäre Fritzi Massari in der Hauptrolle ihre Liebhaber betörte und dem Komponisten Ruhm und Lorbeer bescherte. Auch in einem Stummfilm dieses Stoffes aus dem Jahr 1919 spielte sie die Operettendiva. Jetzt haben Winfried Radeke und Hans-Peter Kirchberg den betulichen Melodienreigen scharf angezügelt, und mit Hilfe des musikalischen Arrangements von Paul Broy (Jazztrompeter und Leiter des Detonation Orchestra) alle hinderlichen Konventionen rigoros aufgelöst und mit frischem Esprit durchsetzt. Die neue harmonische und rhythmische Bearbeitung beweist, wie elegant und spritzig man sich heutzutage zwischen donauseliger Romantik und vermeintlich orientalischer Exotik zu bewegen vermag. Mit dem Einsatz türkisch-arabischer Instrumente wie dem Oud, einer bundlosen, gezupften Kurzhalslaute, dem Kanun, einer orientalischen Zither und der Darbouka, einer einfelligen Bechertrommel, erhält die Musik einen neuen, sehnsuchtsvollen Zauber. Er leitet sich zwar von ganz alten Traditionen her, überschreitet aber durch die neue moderne Bearbeitung nun vollends abendländische Grenzen. Natürlich bleibt die „Rose von Stambul“ das, was sie immer war und auch nur sein wollte – ein hübsches Märchen. Es wäre völlig sinnlos, sie nun „politisch korrekt“ mit Anspielungen auf heutige Verhältnisse zwischen türkischen Deutschen und deutschen Türken zu modernisieren oder zu verfremden. Und so war es stattdessen eine grandiose Entscheidung des Leitungsteams, Yürksel Yolcu als erfahrenen Theatermann mit einer neuen Fassung und der Regie zu beauftragen. Er hat diese Aufgabe mit feinem Witz, einem Gespür für das Absurde und den Reiz der realen Momente in dieser Geschichte umgesetzt und sich klugerweise eine Landsfrau, nämlich Ismet Ergün, für das Bühnenbild geholt. So entstand eine halbrunde Bühne mit himmelblau getönten Wänden und vielen Fenstern, die den Palast an den Bosporus versetzen, und im zweiten Teil kann das zarte Boudoir der türkischen Prinzessin schnell in die elegante Lounge eines österreichischen Superhotels verwandelt werden. Die Choreographie lenkt der Kolumbianer Jaime Tadeo Mikan mit Sinn für das richtige timing. Kein Schritt, keine Bewegung ist überflüssig, manches vielleicht zur Premiere noch ein wenig zu zaghaft. Mehr Schwung könnte Spannung und Spaß durchaus steigern. Auch die Garderobe der Damen und Herren – ob orientalisch fließend und prächtig oder modern chic - kann Marie-Luise Lichtenthal zur Anerkennung gereichen. Wer sich vor der leichten Muse und einem heiter-beschwingten Abend nicht scheut, der sollte sich diese hübsche Liebesgeschichte anhören und anschauen, die so leicht und wundersam daherkommt und von neuen jungen Talenten mit ganzer Hingabe gespielt wird. Als Komiker, der immer die Balance zu halten vermag zwischen dem durchaus ernstzunehmenden Reporter und dem leicht tolpatschig-schüchternem Liebhaber Fridolin brilliert Robert Putzinger. Sein voller, warmer Tenor kontrastiert gut zu seinem burlesken Habitus. Abhilfe schafft da die entzückend kleine Veronique Elling, deren Temperament und Charme sofort die Französin erkennen lassen. Sie greift sich resolut ihren Fridolin – Haremsdame hin, Haremsdame her. Kathleen Herzer ist als moderne europäische Dame für die weltoffene, gute Erziehung der Paschatochter zuständig, und da gerät sie schon in Konflikt zwischen manchen europäischen und abendländischen Gepflogenheiten. Ihr Sorgenkind ist Kondja Gül, des Fürsten hübsche Tochter, die einen unbekannten Dichter liebt und einen realen Ministersohn heiraten soll (Ruth Rosenfeld). Sie trägt nicht nur bereits den Namen der Rose von Stambul, sondern entfaltet auch sehr reizvoll ihre Blüten, allerdings – keine Rose ohne Dornen – weiß sie durchaus ihre eigenen Vorstellungen von Liebe und Ehe zu verteidigen- allem töchterlichen Gehorsam zum Trotz. Das weiß sie mit klarem, kräftigen Sopran allen Beteiligten durchaus verständlich zu machen. Karen Probst ist zwar schon als Haremsdame sehr lebendig, entwickelt aber ihre Fähigkeiten erst so richtig als Empfangsdame in einem Hotel in den Alpen, wo sich nach und nach alle Beteiligten wieder treffen, auch der stattliche Achmed ( Alexander Sascha Nikolic, imposant von Statur und Stimme!) sowie Harald Schröpfer als Pascha und Fridolins Vater in ihren kauzigen Positionen. A.C. |