|
Die gelbe Prinzessin von
|
Wie man sich bettet, so sieht man
|
|
|
Untertitel: "Im Katzenfell der MangA Queen"
Musikalische Bearbeitung und Leitung: Stefanpaul mit In Sofakissen und auf Betten placiert, erlebt man hier eine
entzückende kleine Oper - aus der großen Schatztruhe der vergessenen
Werke ausgegraben: Ein Abend mit zwei schönen Stimmen, einer modernen
story und Musik zum Träumen - eine Droge, die auch süchtig machen
kann, aber ansonsten ungefährlich ist! |
"Die Gelbe Prinzessin" ist das Bühnendebüt von Camille Saint-Saens (1835 -1921). Die Opéra comique entstand im Herbst 1871, also in bewegten Zeiten: Die Nachwirkungen des französisch-preußischen Kriegs und der revolutionären Pariser Commune hatten das Leben nachhaltig verunsichert und machten natürlich auch den Theatern zu schaffen, so daß der Direktor der Pariser "Opéra-Comique" sein Versprechen nicht halten konnte, Saint-Säens erste abendfüllende Oper "Le Timbre d`argent" auf die Bühne zu bringen. Stattdessen schlug er ihm und Louis Gallet vor, einen Einakter zu komponieren. Damals war alles Japanische in Mode, und so entstand dieses "unschuldige kleine Werk", das allerdings zunächst nur fünfmal aufgeführt wurde. Der Erfolg der Oper sollte sich erst 1906 einstellen, als Saint-Saens bereits als der große Meister des französischen Klassizismus galt. Seine einzige große Oper ist "Samson und Dalila". Die Neuköllner Oper tat mal wieder einen guten Griff in
die Schatzkiste der vergessenen kleinen Kammerstücke - und was lag näher, als
das Kifferproblem von damals in die heutige Zeit mit ihren Befindlichkeiten zu versetzen.
Aus Opium wurde LSD, aus dem jungen holländischen Maler Kornélis der erfolglose
Sänger Sascha, aus der Cousine Léna die temperamentvolle Exotin Mira. Und
die beiden sind auch liiert - Mira ist in der
modernen Fassung aus ihrer türkiscchen Heimat jedenfalls nach Deutschland ( wer will,
sogar nach Neukölln) gekommen, um hier mit ihrem Freund Sascha an ihrer
beider Karrieren zu feilen. Sie arbeitet und schuftet von früh bis spät, und
als sie wieder einmal erschöpft nach Hause kommt und Sascha,
wie meistens, total bekifft bei seinen Video-Spielereien vorfindet, rastet sie aus.
Auch der Freund Jens, der für den
Sound bei Saschas Visionen zuständig ist, erhält seinen Teil der Wut, worauf
er zwar schuldbewußt den Kopf einzieht, aber glücklicherweise weiter Keyboard spielt (Sonst wäre der
Abend ja auch früh zuende). Zur Zeit befindet
sich ihre kompositorische interdisziplinäre Arbeit in der japanischen Phase zwischen Mangas,
Kung Fu, Sushi 3000 und Saint-Saens, daher auch der
Neuköllner Untertitel: Für den bereits in seligen Traumsphären segelnden Sascha ist der Ausbruch Miras äußerst lästig, doch als er so richtig tief und mitten im Rausch ist, hält er die rasende Mira gar für seine erträumte Liebe und will mit ihr, am Ziel seiner Wünsche, schlafen. Mira ist zutiefst verletzt und gedemütigt und beendet die Beziehung. Zuvor allerdings zeigt sie noch, dass sie nicht nur ihre stolze Stimme beherrscht, sondern auch so einige Karate-Formen, und das ist trotz der gewohnten Enge im Studio der Neuköllner Oper eine von vielen aparten Einschüben in dieser risikobehafteten Inszenierung. Denn, was so exotisch und anheimelnd aussieht - das Publikum sieht sich mitten in einen mit Kissen und Betten ausgepolsterten Raum placiert - zeigt sich dann doch als problematisch. Denn ehrlich, keiner hockt gern mitten in der Intimsphäre einer dicken Beziehungskrise und erlebt hautnah, teilweise sogar als Mitspieler, Schmerz und Pein und Wut am Ende einer Liebe. Da wird es im wahrsten Sinne des Wortes eng, und heiß ist es sowieso. Und die so dichte Einbeziehung des Publikums zerstört logischerweise den Abstand zwischen dem Bühnenwerk - also dem Künstlichen Geschehen - und der für das Auffangen der emotionalen Schwingungen notwendigen Distanz des Zuschauers. Die Koreanerin Victoria Kang verfügt über eine kraftvolle Ausstrahlung und einen ebensolchen Mezzo, dank derer sie spielerisch ihren Part in jeder Stimmungs- und Gemütslage mal mit hingebungsvoller Zärtlichkeit und dann wieder furios rüberbringen kann. Ihrem Spiel tut die Enge des Raums daher auch keinen so großen Abbruch. Ihre Rolle allerdings hat den Nachteil, den wohl alle Opernsänger mehr oder minder bewältigen und die Zuschauer akzeptieren müssen: man hört sie lieber singen als sprechen! Das ist bei Birger Radde ähnlich - sein hinreißend sanfter und zärtlich betörender Tenor erklärt auch, warum Sascha es so lange mit diesem haltlosen Mann ausgehalten hat. Er ist ein charmanter Träumer, ein lässiger Tagedieb, ein überzeugter Illusionist, der sich ganz den verführerischen Vorspiegelungen seiner gedopten Phantasie hingibt. Dass die lyrisch-melodische Komposition von Saint-Säens für solch wirklichkeitsferne Träumer eine besondere Verführung darstellt, ist einkalkuliert (oder umgekehrt!) Und wie wunderbar die jetzt hinzugefügten musikalischen Arrangements von Stefanpaul mit der Romantik des Franzosen verschmelzen, ist schon faszinierend - ebenso die Anmut und Eleganz, mit der die Sänger Rezitativ, Arioso und Arie kunstvoll miteinander verweben. Der Schluss der Geschichte ist natürlich von dem heutigen Selbstbewusstsein junger Frauen bestimmt. (Die Männer sind ja mit Kiffen beschäftigt!) Andrerseits ist es der modernen Fassung zu verdanken, dass hier aus der Vorlage Saint-Saens kein rührselig-tiefsinniges Drama entstanden ist, sondern eine reizende, flotte Komödie, in der die Protagonisten auf das Köstlichste chargieren. A.C. |