von Phantastische Oper in fünf Akten
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Wenn der Teufel hinter der Liebe steckt...
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Komische Oper (2007)
Libretto:
Jules Barbier; Musik. Leitung: Kimo Ishii-Eto; mit: Timothy Richards als Hoffmann und Stella Doufexis als seine Muse; Peter Eglitis, Stephan Spiework; Tobias Hagge; Peter Renz; Hans-Peter Scheidegger; Ana Filipovic, Cornelia Götz, Sinead Mulhern; Caren van Oijen; Karolina Gumos, Wolfgang Singula
Orchester und Chorsolisten der Komischen Oper Berlin sowie Kleindarsteller und Schauspieler Kleines Fach |
Der Komponist Hoffmann sitzt an einem Tisch im biederen Foyer eines Opernhauses und wartet auf eine Begegnung mit der von ihm verehrten und geliebten Stella, die gerade die Partie der Donna Anna in "Don Giovanni" singt. Während sich nach und nach der Chor der Pausengäste einfindet, überreicht der Bote versehentlich den an Hoffmann von Stella gerichteten Brief an dessen Rivalen, Lindorf, der die Nachricht schnell an sich nimmt. Hoffmanns Muse, seine ständige Begleiterin, die ihn liebevoll betreut, versucht ihn vom übermäßigen Weingenuss und Streit mit Lindorf abzuhalten, was ihr jedoch, selbst leicht wankend und schwankend, nicht gelingt. Hoffmann, vergeblich auf die Nachricht Stellas wartend, erhebt sich, und erzählt dem versammelten Publikum - als Warnung vor den Frauen - die gescheiterten Liebesbemühungen seines Lebens. Geschickt lässt sich die unauffällige Bühne in jeweils den Ort verwandeln, an dem die verschiedenen Episoden spielen; Paul Zoller drängt der Handlung keine goldschwülstige Umrahmung auf, sondern unterstreicht mit dezentem Ambiente die Atmosphäre, die sich ganz von selbst aufheizt. Für Thilo Reinhard, der für sein Regiehandwerk bei Götz Friedrich, Hans Hollmann, Harry Kupfer, Ruth Berghaus und Achim Freyer hospitierte und die Kunst übernahm, sowohl hinter die Kulissen seines Metiers als auch hinter die persönliche Psychologie der Dichter, Dramatiker und Komponisten zu blicken, hat genau das ausgelotet, was Offenbach so sehr von anderen seines Fachs unterscheidet: Teils hebt er ab zu einer spritzig-verspielten Stimmung, dann wieder überrascht er mit der ausschweifend schweren Dramatik der großen Oper, mal spielt er verführerisch mit dem leicht-lockeren Charme der Opera Buffa, dann wieder stürzt er sich in dramatische Tiefen... Der Hoffmann Timothy Richards ist ein hoffnungsloser Fall; ein Bohemien, ein Träumer und Trinker, ein blind in seine Idealvorstellungen Verliebter- so rennt er sehend jeweils in sein Unglück, was Offenbach mit einer genialen Mischung aus ernsthafter und leichthändiger Musik herausstreicht; gleichsam im Hell-Dunkel Kontrast zeichnet er die unglücklichen Episoden des Künstlers, der, in steter Begleitung seiner treuen Muse, von einem Malheur ins andere tappt; wie er zärtlich und starrsinnig um die Schöne wirbt und nicht einzusehen vermag, dass sie nur ein mechanisches Lustspielzeug für ihre Erfinder und Meister ist; dass sich alle Welt über den armselig Verliebten lustig macht, ja, die Puppe selbst in ihrer Aufgezogenheit mit ihm zu spielen versteht. Das beschert ein musikalisches Vergnügen eines sicher geführten Meisterwerks, auch dank der exzellenten Interpretation des Opernorchesters und der köstlichen Darstellung von Cornelia Götz als Superbarbie, deren stakkatoartige Spielwerkbewegungen sich mit ihren spitzen Koloraturen brillant vereinen. Frech und keck sprüht hier ein satirischer Funkenflug über die Technikversessenheit des vorigen frühen Jahrhunderts, das sich in der 50erJahre-Raumfahrt-Ideologie in einer neuen modischen Version noch einmal wiederholen sollte. Hoffmann's Herz wandert weiter und buhlt nun um die schöne Gesangsschülerin Antonia, die von Sinead Mulhaern wirklich ergreifend in ihrer furchtbaren Qual erschütternd dargeboten wird. Ihre Entscheidung zwischen Heirat und bürgerlichem Leben einerseits und der Verwirklichung ihrer Gesangeskunst, birgt eine schreckliche Konsequenz: Denn ihre bereits unheilbar fortgeschrittene Krankheit wird bei jeglicher Anstrengung - auch und gerade einer stimmlichen Beanspruchung- ihre letzten Lebensreserven verbrauchen und zu einem baldigen Tode führen. Der Doktor, der ihr eine heilende Medizin einflössen will, kann - trotz der imposanten Statur von Peter Eglitis - weder den Vater noch das Geschehen beeinflussen, und auch der autoritär-besorgte Vater von Hans-Peter Schneidegger hat bei der selbstverliebten Musikbegeisterung von Peter Renz als verkuppelnder Diener Franz keine Chance, Antonia vor der Welt abzuschirmen; Die Erscheinung der Mutter Antonias aus dem blassen Jenseits als künstlerische Verführerin ist mit Caren van Oijen ebenso unheimlich wie herzerweichend, und Hoffmann kann als Freier, der letztendlich unsensibel darauf besteht, dass seine Liebste der Kunst abschwört, keinen Erfolg verbuchen. Und da der vierte Akt hier der Höhepunkt ist, verdient er auch, besonders gewürdigt zu werden: die biedere Bürgerlichkeit des rotdumpfen Ovals der Bühne verwandelt sich jetzt beinahe in eine Hölle, und die Verführerin Guiletta ist in ihrem engen roten Kleiderfummel eine teuflische Edelhure. Das Bordell gehört der Macht von brutalen und erbarmungslosen Männern, die eine neue Seele wittern; so wie der unglückliche Peter Schlemihl einst seinen Schatten verkaufte, so wird der blind verliebte Hoffmann Guiletta sein Spiegelbild schenken und damit seine Chancen mehr auf eine liebes- und lebensfrohes Dasein verwirkt haben. Höhnisch erklingt nun der berühmte Offenbach'sche Evergreen der holden Liebesnacht - die Noten gleichsam wie hauchzarte Farben auf den musikalischen Malerhimmel getupft, und die Bögen der Sehnsucht leuchten wie glitzernde Pfeile Amors - doch das alles ist nur ein trügerischer höllischer Schein, in dessen rotglühendem Abgrund die Teufel auf Hoffmanns Seele lauern bis dieser für Guiletta sogar noch den Widersacher Schlemihl ermordet. Was kann danach noch erschüttern? Das Bild kehrt zurück ins Foyer, wo nun nach der Vorstellung die umschwärmte Stella eintritt und sich dem Freier Lindorf zuwendet, bis sie sich - von Hoffmann, nun total betrunken und unangenehm bedrängt - empört entfernt, von Lindorf triumphierend begleitet. Hoffmann wankt zu seiner traurigen Muse zurück, die ihn immer noch bedingungslos liebt, und verlässt mit ihr den Raum. Licht aus, sagt er lakonisch zum Schluss, und verabscheidet sich und uns aus der Düsternis eines verlebten Lebens und etlicher verlorener Lieben noch mit ein bisschen Selbstironie. Denn mag die Geschichte auch noch so tragisch sein, sie bleibt dank der ungewöhnlichen Spielart zwischen aufbrausender und berauschender, dann wieder zartestem melodiösen Spiel ein musikalischer Hochgenuss. Und in dieser Version wirkt sie auch beinahe vollständig dank der geschlossenen Bearbeitung von Gerhard Schwalbe und Ingo Gerlach. A.C.
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